Polizistin wunderte sich über Untersuchungsart

Prozess gegen filmenden Frauenarzt

Im Prozess gegen den Dortmunder Frauenarzt, der heimlich Patientinnen gefilmt und sexuell missbraucht haben soll, hat am Donnerstag die Ermittlungsführerin der Polizei ausgesagt. Sie habe sich bei der Auswertung der Videodateien gewundert, weil sie solche Untersuchungen aus ihrer eigenen Erfahrung nicht gekannt habe.

DORTMUND

21.01.2016, 13:57 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der 55 Jahre alte ehemalige Frauenarzt beim Prozessauftakt. Er ist angeklagt wegen sexuellen Missbrauchs in mindestens 50 Fällen.

Der 55 Jahre alte ehemalige Frauenarzt beim Prozessauftakt. Er ist angeklagt wegen sexuellen Missbrauchs in mindestens 50 Fällen.

Die Polizistin sagte als Zeugin vor dem Landgericht aus. Sie betonte aber auch: „Keine der Betroffenen hat mir gegenüber angegeben, sie hätte sich sexuell missbraucht gefühlt.“

Für die Polizei war es ein wahrer Kraftakt, die sichergestellten Videos zu sichten und die dazugehörenden Patientendaten zu ermitteln. Vergleichsweise leicht war es in den Fällen, in denen auf den Videos auch Gesichter der Frauen zu erkennen waren. Oft war allerdings nur ein Unterleib zu erkennen. Dann musste die Identität der Betroffenen anhand eines Abgleichs von Aufnahmezeit und Terminkalender erfolgen.

Gericht untersucht nun Terminkalender des Frauenarztes

Der Vorsitzende Richter Ulf Pennig kündigte an, dass auch die Kammer einen solchen Abgleich vornehmen wolle. Zu diesem Zweck soll der Terminkalender des Gynäkologen nun dem Gericht übergeben werden.

Die Verteidiger des Angeklagten beharren weiterhin darauf, dass die gefilmten Untersuchungen keineswegs einen rein sexuellen Hintergrund gehabt hätten. „Jeder Arzt untersucht auf seine Art und Weise“, sagte Rechtsanwalt Clemens Louis. Und möglicherweise habe eine anscheinend nur oberflächliche Brustuntersuchung ja auch abrechnungstechnische Gründe gehabt.

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