Prämie für Mitarbeiter ohne Krankenschein

Arbeitsplatz-Debatte

DORTMUND Eine Prämie zahlt der Unternehmer Jörg Hübner Mitarbeitern, die ohne Krankenschein durchs Jahr kommen. Der Krankenstand in der Gesellschaft für Gerätebau (GfG) liegt aktuell bei 1,12 Prozent.

von Von Bettina Kiwitt und Oliver Volmerich

, 14.10.2009, 05:40 Uhr / Lesedauer: 1 min
Aus Sorge um den Job melden sich Arbeitnehmer nur noch selten krank.

Aus Sorge um den Job melden sich Arbeitnehmer nur noch selten krank.

Für jeden Fehltag werden 100 Euro abgezogen, so dass bei zehn Fehltagen die Prämie futsch ist. Zum Teil könnten auch Urlaubstage oder Überstunden mit den Fehltagen verrechnet werden. „Ich habe dieses Prämien-System seit 15 Jahren, und es hat sich sehr bewährt“, sagt Hübner. Er habe die Mitarbeiter auch mal gefragt, ob man die Prämie nicht wieder abschaffen sollte. „Aber sie wollen sie haben. Wer verzichtet schon auf 1000 Euro?“ Mit der Prämie wolle er hauptsächlich verhindern, dass etwa am Veilchendienstag die Krankenquote hochspringt oder dass jemand nach einem harten Wochenende am Montag krankfeiere. Von anderen Unternehmern habe er auch gehört, dass sein Prämiensystem sehr teuer sei. „Da sage ich: Rechnet doch mal. Ich muss keine Personalreserven durch die Zeit schleppen.“ Die Experten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz in Dortmund sehen ein solches System freilich eher kritisch. Langfristig seien negative Folgen zu befürchten, wenn man trotz Krankheit arbeiten gehe, so Sprecher Jörg Feldmann.

Wenn Krankheiten verschleppt würden, könnten sie chronisch werden. Zudem bestehe unter Umständen eine erhöhte Unfallgefahr, wenn unter Medikamenten-Einfluss gearbeitet werde. Feldmann: „Ein niedriger Krankenstand bedeutet nicht, dass die Leute per se gesünder sind.“ 

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