Private Suite für jeden Kunden – trotzdem bleibt MyWellness dicht (Video)

mlzCoronaverordnung

Ein Dortmunder Startup-Unternehmen hängt am Tropf der Corona-Schutzverordnung. Vom Einchecken bis zum Auschecken läuft alles kontaktlos – trotzdem dürfen die Filialen nicht öffnen.

Aplerbeck

, 10.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Thomas Kanitz weiß nicht mehr so recht weiter. Der Dortmunder Unternehmer hat alles versucht, gemacht und getan und modernste Geräte zur Desinfektion angeschafft. Doch öffnen darf er seine sieben MyWellness-Filialen in NRW und Berlin trotzdem nicht.

Angefangen hatte alles Ende 2014 mit der Eröffnung der ersten Filiale in Aplerbeck. Damals noch unter dem Namen McWellness. Inzwischen sind sechs weitere Standorte dazu gekommen.

Kein Gast trotz Hygienekonzept: Die Filialen von MyWellness sind noch geschlossen.

Kein Gast trotz Hygienekonzept: Die Filialen von MyWellness sind noch geschlossen. © Jörg Bauerfeld

„Wir haben ein umfangreiches Hygienekonzept erarbeitet.“
Thomas Kanitz

Es ist die falsche Schublade, in die sein Unternehmen gesteckt wird, so Kanitz – und es scheint auch kein Mensch die Traute zu haben, MyWellness da wieder herauszuholen.

Es geht um Sauna, Wellness und Spa. Das ist nach §10 Absatz 1, Punkt 2 der Coronaschutzverordnung noch nicht wieder genehmigt. Dabei übersieht der Paragraf jedoch eine Kleinigkeit. Das Angebot von MyWellness ist mit einem normalen Sauna-Betrieb wohl kaum zu vergleichen.

Denn bei MyWellness gibt es keine gemeinsamen Erholungsräume, sondern einzelne Suiten. Hier kann man sich zu zweit oder allein in einem privaten Ambiente entspannen – und das vom Einchecken bis zum Auschecken völlig kontaktlos.

Eine der separaten Wellness-Suiten.

Eine der separaten Wellness-Suiten. © Jörg Bauerfeld

Online-Buchung, kontaktloser Check-in (mit QR-Code), Zutrittskarte, frisch gereinigte und desinfiziert Wellness-Suite, Bezahlen per App. „Wir haben ein umfangreiches Hygienekonzept erarbeitet, bei den Gesundheitsämtern in Düsseldorf und Dortmund vorgelegt und nur Zustimmung erhalten“, sagt Kanitz

Auch Borussia Dortmund nutzt das „Vernebelungsverfahren“

Nach jedem Gast wird aus dem Whirlpool das Wasser abgelassen und dann kommt ein Gerät zu Einsatz, mit dem in Kliniken Intensivstationen desinfiziert werden – mit einem Vernebelungsverfahren. Auch bei Borussia Dortmund wird das Verfahren genutzt, um die Kabinen zu desinfizieren.

Video
MyWellness geht gegen Gesundheitsamt vor

Und trotz aller Vorkehrungen sind die MyWellness-Filialen weiterhin zu. „Die Filialen sind jetzt seit drei Monaten geschlossen“, sagt Kanitz. „Und seit über zwei Monaten sind wir eigentlich bereit mit unserem Hygienekonzept.“

Das Personal sei nur noch im Backup-Bereich tätig. Kontakt mit dem Gast käme nicht zustande. „Wir fordern hier einmal eine Einzelfallprüfung durch das Gesundheitsamt. Es muss sich einmal jemand hierhin bemühen und sehen, was wir hier anbieten“, so Kanitz.

Das Einchecken erfolgt kontaktlos.

Das Einchecken erfolgt kontaktlos. © Jörg Bauerfeld

Denn während sogar die Fitness-Studios schon wieder geöffnet haben, müssen die MyWellness-Filialen geschlossen bleiben. „Es gibt ja nur noch drei Bereiche, die geschlossen sind. Diskotheken, Bordelle und Saunen.“

Klage eingereicht

Bei all den Branchen sei natürlich ein hoher Körperkontakt und Atemaustausch da. „Aber bei uns ist ja alles kontaktlos“, sagt Kanitz. Eigentlich könnte das Dortmunder Gesundheitsamt grünes Licht geben – tut es aber nicht. „Wir haben jetzt Klage eingereicht“, sagt Kanitz. Das sei er auch seinen zahlreichen Stammkunden schuldig, die sehnlichst auf die Wiedereröffnung warten.

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