Prof. Christian Rehtanz macht unsere Energieversorgung sicherer

Campus-Köpfe

Deutsche sind zuverlässig, Italiener kommen gerne zu spät und Russen sind besonders trinkfest. Von solchen Klischees hält Christian Rehtanz, Professor für Energiesysteme und Energiewirtschaft an der Universität Dortmund, nicht viel – und er muss es wissen.

DORTMUND

von Von Julian Jakubiak

, 13.10.2011, 09:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Prof. Christian Rehtanz vor einer Art Sicherungskasten im Elektrotechnik-Labor.

Prof. Christian Rehtanz vor einer Art Sicherungskasten im Elektrotechnik-Labor.

Das von Dortmund aus koordinierte Projekt ICOEUR (Intelligent Coordination of Operation and Emergency Control of EU and Russian Power Grids) lässt sich die EU fast fünf Millionen Euro über dreieinhalb Jahre kosten. Das Geld stammt aus dem „Siebten Forschungsrahmenprogramm“ der Europäischen Union mit einem Gesamtbudget von etwa 53 Milliarden Euro für einen Zeitraum von 2007 bis 2013. Die Ausgaben der EU für Forschung und Entwicklung liegen bei 1,9 Prozent des Bruttoinlandproduktes und damit deutlich unter dem Wert der USA (2,8 Prozent). Daher will die EU das gemeinsame Forschungsbudget auf 80 Mrd. Euro erhöhen. Auch für Dortmunder Wissenschaftler gilt: Die Bedeutung Europas bei der Finanzierung ihrer Forschung könnte künftig weiter zunehmen.

„Wir haben extrem zuverlässige Italiener, ein super Team aus Slowenien, das macht schon Spaß“, sagt Rehtanz. Als Leiter des Projektes muss er auch die unterschiedlichen Arbeitsstile von Wissenschaftlern aus den verschiedenen Ländern und Kulturkreisen aufeinander abstimmen. Bei solch einer bunten Mischung gilt es, den Überblick zu behalten. Eine Herausforderung, so Rehtanz: „20 Partner sind manchmal wie ein wildes Rudel: Alle wollen in irgendeine Richtung laufen und dann muss man sie zusammenhalten.“Der 43-Jährige hatte bereits sein Elektrotechnik-Studium in Dortmund absolviert. Nach einigen Jahren in der Industrie in der Schweiz und in China ist er 2007 an die Dortmunder Universität zurückgekehrt. Seit 2009 koordiniert er das ICOEUR-Projekt.

Ist er also auch so etwas wie ein Experte für Unterschiede zwischen den Wissenschaftskulturen in Europa? „Man merkt, dass Universitäten in verschiedenen Ländern unterschiedlich organisiert sind“, sagt Rehtanz. So komme ein deutscher Ingenieurprofessor immer aus der Industrie – in Italien oder England dagegen habe ein Professor in diesem Bereich meist einen rein akademischen Werdegang. Ein entscheidender Punkt sei auch die Größe der Länder. Im kleinen Slowenien beispielsweise könnten viele Dinge auf kurzem Wege geklärt werden, die in großen Ländern wie Frankreich meist mit viel Bürokratie verbunden seien.

Wer denkt, die Abenteuer seiner Arbeit beschränkten sich auf das Ausfüllen von EU-Antragsformularen und die Koordination der internationalen Wissenschaftlergruppen, liegt falsch. „Einmal hatten wir ein Meeting in einer Bucht am Baikalsee. Es gab kein Internet, keine Handys und man kam nur mit dem Boot dorthin“, erzählt Rehtanz. Gemäß russischer Tradition sei man abends gemeinsam in die Sauna gegangen und in den eiskalten Baikalsee gesprungen. Anschließend habe man noch am Lagerfeuer gesessen. Für Rehtanz ein unvergessliches Erlebnis: „Wissenschaftlich ist man sich nicht immer einig; aber wenn dann alle nackt in der Sauna schwitzen und im See schwimmen, dann bringt es genau das interkulturelle Verständnis, was ganz wichtig ist.“

Doch egal wie die Teambildung unter Wissenschaftlern gelingt: Die Vernetzung der Forscher Europas ist jedenfalls das A und O zum Erfolg für den Mann, der auch Europas Energienetze sicherer machen will: „Gerade in der Energieversorgung ist jedes Problem ein länderübergreifendes, ein europäisches Problem.“

Das von Dortmund aus koordinierte Projekt ICOEUR (Intelligent Coordination of Operation and Emergency Control of EU and Russian Power Grids) lässt sich die EU fast fünf Millionen Euro über dreieinhalb Jahre kosten. Das Geld stammt aus dem „Siebten Forschungsrahmenprogramm“ der Europäischen Union mit einem Gesamtbudget von etwa 53 Milliarden Euro für einen Zeitraum von 2007 bis 2013. Die Ausgaben der EU für Forschung und Entwicklung liegen bei 1,9 Prozent des Bruttoinlandproduktes und damit deutlich unter dem Wert der USA (2,8 Prozent). Daher will die EU das gemeinsame Forschungsbudget auf 80 Mrd. Euro erhöhen. Auch für Dortmunder Wissenschaftler gilt: Die Bedeutung Europas bei der Finanzierung ihrer Forschung könnte künftig weiter zunehmen.

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