„Zu Hause bin ich nur allein“: Wie ein Projekt geflüchteten Frauen hilft

mlzProjekt „Sofie“

Sie haben einen Migrationshintergrund oder sind aus ihrer Heimat geflüchtet: Die Frauen, die am Projekt „Sofie“ teilnehmen, lernen berufliche Perspektiven kennen. Und bekommen Hoffnung.

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, 28.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Angela Omos ist vor zehn Jahren aus Nigeria nach Deutschland gekommen. Die 42-Jährige ist stolz, als sie im Schulungsraum des Verbundes der sozial-kulturellen Migrantenvereine in Dortmund (VMDO) in der Leuthardstraße von ihren Fortschritten erzählt: „Im Dezember fange ich meine Ausbildung an, im Frauenzentrum Huckarde“, erzählt sie. Auch wenn es mit dem Deutsch noch ein wenig holpert: Die alleinerziehende Mutter einer kleinen Tochter ist stolz darauf, dass sie diesen Schritt geschafft hat.

„Man muss hier von vorne anfangen“

Dabei hilft ihr das Projekt „Sofie“, kurz für „Stärkung und Orientierung für Frauen in Integration und Erwerbsleben“. Hinter dem komplizierten Namen stecken Schulungen und Coachings, Förderung und Praktikumsvermittlung, Bewerbungstrainings, Kinderbetreuung - und vieles mehr. Projektleiterin Gesa Harbig (49) freut sich: „Wir fördern diese Frauen, damit sie einen Einstieg ins Berufsleben finden können.“ Der VMDO hilft dabei.

So möchte Angela Omos gern im sozialen Bereich arbeiten. „In Nigeria habe ich auch gearbeitet, aber hier ist alles ganz anders. Man muss immer von vorne anfangen“, sagt sie. Denn auch wenn viele bereits berufliche Erfahrung aus ihrer Heimat mitbringen: Oft wird das in Deutschland nicht anerkannt.

Mina ist geflüchtet. Warum, erzählt sie nicht.

Wie bei Mina Moradi. Die Iranerin ist 37 Jahre alt und vor sechs Jahren aus ihrer Heimat geflüchtet. Warum, möchte sie nicht erzählen. Man sieht ihr an, wie sehr sie das Thema belastet. „Ich habe eine Tochter, aber sie ist dort“, sagt sie leise. Dann hebt sie den Kopf und lächelt ein wenig: „Ich möchte hier in diesem Projekt besser Deutsch lernen und Kontakte knüpfen.“

Die Iranerin habe in ihrer Heimat in einem Krankenhaus und drei Jahre als Altenpflegerin gearbeitet. Eine Arbeit, die sie sich auch in Dortmund vorstellen könnte. Doch dafür fehlt ihr die Ausbildung. „Im Oktober geht es ins Praktikum“, erzählt Projektmitarbeiterin Susanne Bruns, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Haifaa Abdulaziz die Frauen begleitet.

„Zu Hause bin ich nur allein“: Wie ein Projekt geflüchteten Frauen hilft

Projektmitarbeiterin Susanne Bruns (hinten r.) freut sich mit ihren Frauen, die an dem Projekt Sofie teilnehmen. © Martina Niehaus

Auch wenn das Projekt für viele der rund 25 teilnehmenden Frauen erst einmal nur ein Anfang ist: Es ist einer. „Die Frauen werden hier ermutigt und motiviert“, sagt Gesa Harbig. „Sie bekommen das Gefühl: Wir schaffen das.“ Die Projektleiterin hofft, dass die Deutsche Bahn Stiftung, die das Projekt fördert, auch im nächsten Jahr wieder mitmacht. „Wir haben da schon positive Signale bekommen“, sagt sie. Zu Hause bleiben – das möchten Mina Moradi und Angela Omos auf gar keinen Fall. „Zu Hause bin ich alleine und es ist langweilig“, sagt Mina Moradi. Und Angela Omos weiß, dass sie hier viel mehr Deutsch spricht als zu Hause: „Wenn man viel spricht, wird es immer besser.“

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