Corona-Verbot: Viele Dortmunder Prostituierte arbeiten jetzt illegal

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Prostitution bleibt in Nordrhein-Westfalen coronabedingt verboten. Das verschärft die wirtschaftliche Lage der Prostituierten in Dortmund. Nicht wenige wählen den Schritt in die Illegalität.

Dortmund

, 14.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Hilfeschrei kam aus der Nachbarstadt. Die Bochumer Beratungsstelle Madonna macht in einer Pressemitteilung auf die prekäre wirtschaftliche Lage vieler Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter aufmerksam. Grund dafür ist das andauernde coronabedingte Verbot der Prostitution in Nordrhein-Westfalen.

Madonna, ein Verein zur Förderung der beruflichen und kulturellen Bildung von Sexarbeiterinnen, schreibt auf seiner Homepage: „Durch das Verbot der Sexarbeit ist für alle in diesem Bereich tätigen Menschen das Einkommen vollständig weggebrochen.“

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Besonders hart treffe es diejenigen, die bereits vor der Krise nur knapp über die Runden gekommen sind - wie beispielsweise viele Migrantinnen und Migranten: „Sie können ihre Mieten nicht mehr bezahlen, sind von Wohnungslosigkeit bedroht und haben keine finanziellen Mittel, um in ihre Heimatländer zu reisen. Viele sind mittlerweile nicht mehr in der Lage, sich und ihre Angehörigen zu versorgen.“

Die behördlich verordnete Schließung von Bordellen habe es vielen erschwert, staatliche Hilfen anzufordern – weil die Besteuerung häufig über die Bordellbetreiber laufe, so Madonna.

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Erst Anfang August hat das NRW-Gesundheitsministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur erklärt, dass das mit dem ersten Corona-Lockdown verhängte Verbot von Prostitution verlängert werde.

Lockerungen sind für Gesundheitsministerium „schwer vorstellbar“

„Solange in anderen Lebensbereichen massive Restriktionen wie Abstand, Maskenpflicht und Rückverfolgbarkeit von Infektionsketten gelten, sind aus Sicht unseres Hauses Lockerungen im Prostitutionsbereich schwer vorstellbar“, heißt es der dpa zufolge aus dem Ministerium.

„Legale Prostitution findet nicht statt, das ist eine schwierige Situation“, sagt Andrea Hitzke, Leiterin der Dortmunder Mitternachtsmission. Zeitgleich zu der verfahrenen Situation der Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter könne die Beratungsstelle für Prostituierte, Ehemalige und Opfer von Menschenhandel als Anlaufstelle auch nicht so arbeiten wie sie es gewohnt ist.

„Viele haben ihre Ersparnisse aufgebraucht.“
Andrea Hitzke, Leiterin der Mitternachtsmission Dortmund

Gespräche müssen derzeit wegen Corona – anders als üblich – vereinbart und angemeldet werden. Die Kolleginnen in den entsprechenden Bereichen seien aktuell sehr belastet.

„In den vergangenen Monaten sind sehr, sehr viele zu uns gekommen, die nicht weiterwissen, weil sie kein Einkommen mehr haben“, sagt Hitzke im Gespräch mit dieser Redaktion: „Viele haben ihre Ersparnisse aufgebraucht. Wir haben auch gehört, dass viele illegal arbeiten – über das Internet, über Stammfreier oder den Straßenstrich.“ Mit der Illegalität gehe zudem viel Sicherheit für die Frauen und Männer verloren.

Das NRW-Gesundheitsministerium begründet gegenüber der dpa derweil seine Entscheidung zur Verlängerung des Verbotes.

Welcher Kunde hinterlässt schon seinen echten Namen bei einer Prostituierten?

Für das Gesundheitsministerium steht das Infektionsrisiko im Vordergrund. „Sexuelle Dienstleistungen begründen aufgrund des notwendigerweise herzustellenden engen Körperkontakts mit häufig wechselnden Partnern ein hohes Infektionsrisiko“, stellt die Behörde fest.

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„Die typischerweise hohe Atemfrequenz der Kunden führt zu einer erhöhten Aerosolbildung, die die Übertragung des Virus begünstigen kann.“ Zudem könnten Infektionsketten kaum zurückverfolgt werden: „Werden die Kunden ihre echten Kontaktdaten hinterlassen – mit der Gefahr, vom Gesundheitsamt Post nach Hause zu bekommen, sie seien am Tag X im Bordell Y gewesen...?“ Dies sei in dem Bereich praxisfern, heißt es.

Andrea Hitzke appelliert an Politik und Behörden. „Man sollte überlegen, inwiefern es unter Einhaltung von Hygieneregeln möglich ist, Prostitution straffrei zu machen. Selbst diejenigen, die jetzt Hartz IV beziehen, kommen auf Dauer nicht damit hin.“

Mit Material von dpa

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