Demo und Kundgebung

Protest in Dortmund: „Man lässt Menschen nicht einfach ertrinken“

Der Stadtrat hatte Dortmund im Mai 2019 zum sicheren Hafen für Geflüchtete erklärt. Doch jetzt muss die Organisation „Seebrücke“ zum Weltflüchtlingstag daran erinnern, was das bedeutet.
Die Aktion vom Evangelischen Kirchentag 2019, bei der die Namen der im Mittelmeer Ertrunkenen auf Banner geschrieben wurden, wird zum Weltflüchtlingstag in Dortmund fortgesetzt. © Oliver Volmerich (A)

Dortmund gehört nach mehrheitlichem Beschluss des Rates seit zwei Jahren zum deutschen Bündnis der Städte Sicherer Hafen, in dem sich inzwischen etwa 80 deutsche Kommunen aus 13 Bundesländern, darunter Berlin, München, Mainz, Kiel, Düsseldorf, Magdeburg und Rostock, zusammengeschlossen haben.

Mit diesem Bekenntnis des sicheren Hafens für Geflüchtete hat sich die Stadt bereiterklärt, Geflüchtete aufzunehmen und ein Zeichen gegen die Kriminalisierung von Helfern zu setzen, die Flüchtlinge im Mittelmeer aus Seenot retten.

Im Sinne der Vernetzung zwischen den Kommunen und der Zivilgesellschaft auf europäischer Ebene findet am 25. und 26. Juni 2021 eine hybride Konferenz mit dem Titel „From the Sea to the City – Eine Konferenz der Städte für ein einladendes Europa“ statt, zu der die Landeshauptstadt Potsdam gemeinsam mit der Stadt Palermo und der Initiative „From the Sea to the City“ einlädt.

Enttäuschung über OB Westphal

Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal wird nicht dabei sein. Aus seiner Enttäuschung darüber macht Pfarrer Paul Stamm keinen Hehl. Er ist vor Ort eines der Sprachrohre der Organisation „Die Seebrücke“ – eine dezentral organisierte, internationale, zivilgesellschaftliche Bewegung, die sich ab 2018 formierte und für die zivile Seenotrettung, für sichere Fluchtwege und für die dauerhafte Aufnahme von geflüchteten Menschen in Deutschland einsetzt.

„Wir wollen daran erinnern, dass man Menschen nicht einfach ertrinken lassen kann“, sagt Stamm. Dazu schließt sich die Seebrücke Dortmund dem bundesweiten Aktionstag am 19. und 20. Juni an. In ganz Deutschland finden rund um den Weltflüchtlingstag am 20. Juni Veranstaltungen unter dem Motto „Wir klagen an! – Menschenrechte sind #Unverhandelbar“ statt.

In Dortmund werden am Samstag, 19. Juni, ab 13 Uhr im Westpark neben der Seebrücke Dortmund verschiedene Dortmunder Initiativen ihre Forderungen, darunter die sofortige Evakuierung aller Lager an den EU-Außengrenzen, staatlich organisierte Seenotrettung sowie die Gewährleistung des individuellen Rechts auf Asyl bekannt geben. Menschenrechte dürften nicht weiter als Verhandlungsmasse und Spielball der Parteien und Politiker benutzt werden, fordern die Initiativen.

Demonstrationszug mit Kundgebung

Um die Dringlichkeit der Forderungen und die Notwendigkeit des Schutzes von Menschenleben besonders zu betonen, werde eine Aktion des Evangelischen Kirchentags 2019 fortgesetzt, kündigt Stamm an. Um 13.30 Uhr startet im Westpark die Aktion „Namen schreiben“. Dort werden die Banner vom Kirchentag mit den Namen ertrunkener Menschen weiter fortgeschrieben. „Wir erinnern erneut daran, dass Menschen ertrinken und Europa dabei zuguckt“, sagt Stamm.

Um etwa 15 Uhr startet dann ein Demonstrationszug zur Reinoldikirche mit einer Abschlusskundgebung etwa gegen 15.45 Uhr. Außerdem gibt es drei weitere Veranstaltungen in der Reinoldikirche, die erste schon am Freitag (18.6.) um 18 Uhr mit einem Abendgebet und Texten von Geflüchteten.

Totengedenken und Gottesdienst

Am Samstag (19.6.), folgen zwischen 11 und 14 Uhr in der Offenen Kirche

das Totengedenken „Jeder Mensch hat einen Namen“ und am Sonntag (20.6.), 11.30 Uhr, ein Gottesdienst zum internationalen Flüchtlingstag.

Flüchtlinge seien nach wie vor unerwünscht, kritisiert Paul Stamm. „Man erlebt keine Flüchtlinge mehr in Dortmund. Das ist so gewollt. Sie werden in Zentraleinrichtungen untergebracht und sollen abgeschoben werden.“ Die Situation der Geflüchteten sei in den letzten Jahren nicht besser, sondern schlechter geworden.

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