Nach Mordversuch: Lehrer will Ex-Schüler für Jahre im Gefängnis sehen

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Auftakt im Prozess gegen drei Jugendliche, die versucht haben sollen, einen Lehrer der Martin-Luther-King-Gesamtschule zu ermorden. Der Pädagoge findet auf dem Gerichtsflur deutliche Worte.

Dortmund

, 28.01.2020, 14:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lehrer Wolfgang Wittchow wirkte nervös, als er das Gebäude des Landgerichts betrat. „Ich habe schlecht geschlafen, war schon um 4 Uhr wach“, sagte er. Zu unruhig war der Deutsch- und Chemielehrer vor diesem Tag. Dem Tag des Prozesses um den mutmaßlichen Mordversuch an ihm in Dorstfeld.

Die drei Jugendlichen sind heute 17, 18 und 19 Jahre alt und wirkten nicht minder nervös, als die Verhandlung aufgerufen wurde. Die Richter hatten es ihnen ermöglicht, durch einen Hintereingang in den Saal zu gelangen.

So mussten sie nicht an den vielen wartenden Kamerateams und Fotografen vorbei. Den Lehrer würdigten sie zunächst keines Blickes. Wolfgang Wittchow aber starrte sie lange und durchdringend an. Bis heute leidet er an Schlafstörungen und teilweise an Angstzuständen.

Bis heute Schlafstörungen

Bei der Frage, welche Strafe in seinen Augen eine angemessene wäre, musste Wittchow lange nachdenken. „Bei dem mutmaßlichen Haupttäter wünsche ich mir eine Strafe, die sich in Jahren bemisst und nicht in Monaten“, sagte er dann. Und: „Resozialisierung kann ja auch im Gefängnis stattfinden.“

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Noch einmal wollte der Lehrer aber dann sehr deutlich machen, dass er keinen Groll gegen den 17-Jährigen hegt, weil dessen Familie über einen Migrationshintergrund verfügt. „Das ist für mich nicht von Bedeutung“, sagte Wittchow. „In meinen Augen hat der Junge eine Charakterschwäche. Aber die hat nichts mit der Herkunft seiner Familie zu tun.“

Hinterhalt auf dem Parkplatz

Was die Staatsanwaltschaft dem Trio auf der Anklagebank vorwirft, ist hinreichend bekannt. Aus Furcht vor schlechten Noten sollen die Jugendlichen geplant haben, den Lehrer in einen Hinterhalt zu locken, um ihn dann mit Hämmern zu erschlagen.

Wolfgang Wittchow soll aber sofort skeptisch geworden sein, als ihm ein angeblicher medizinischer Notfall vorgegaukelt wurde. Deshalb alarmierte er bloß einen Rettungswagen - und ging nicht in die Falle.

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Staatsanwalt Felix Giesenregen wertet die Planungen der Angeklagten als versuchten Mord und Verabredung zu einem Verbrechen. Im Jugendstrafrecht existiert eine Höchststrafe von zehn Jahren Jugendhaft.

Richter Ulf Pennig ließ am Dienstag bereits durchblicken, dass wohl auch für den einzigen Angeklagten, der zur Tatzeit schon älter als 18 Jahre war, die Anwendung von Jugendstrafrecht wahrscheinlich ist.

Öffentlichkeit ausgeschlossen

Die Öffentlichkeit wird von diesen Überlegungen wie von der gesamten übrigen Verhandlung nichts mitbekommen. „Die Kammer beabsichtigt, die Öffentlichkeit für die Dauer der gesamten Hauptverhandlung auszuschließen“, sagte Richter Pennig gleich zu Beginn des Prozesses. Und weil keiner der übrigen Beteiligten dagegen Einwände erhob, wurde wenig später der entsprechende Beschluss verkündet.

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Es bestehe die Gefahr, dass die jugendlichen Angeklagten durch eine öffentliche Hauptverhandlung, in der sämtliche Details zur Sprache kommen würden, stigmatisiert würden, so Pennig. Das gelte es zu verhindern.

Denn: „Die Angeklagten sollen sich möglichst ungestört zu rechtstreuen Erwachsenen entwickeln können.“ Der Ausschluss der Öffentlichkeit bezieht sich auf die gesamte Prozessdauer - einschließlich der Urteilsverkündung.

Ein Angeklagter bestreitet Tötungsabsicht

Nach Abschluss des ersten Verhandlungstages gab Gerichtssprecher Thomas Jungkamp dann wenigstens doch noch Informationen aus dem Saal weiter. Einer der Angeklagten habe ausgesagt und dabei „abgestritten, dass man vorgehabt habe, den Lehrer zu töten“.

Der Angeklagte habe das äußere Tatgeschehen geschildert, aber auch das nicht immer in Übereinstimmung mit der Anklageschrift. Für die Richter bedeutet das nun, dass eine komplette Beweisaufnahme mit Zeugen erforderlich sein wird.

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