Prozession trotz Corona – Gemeinde geht zum Jubiläum neue Wege

mlz100-jährige Geschichte

Vor 100 Jahren zogen die Gläubigen zum ersten Mal in einer Prozession über den Höchsten. Die Corona-Pandemie macht eine Jubiläumsprozession unmöglich – aber ganz ausfallen tut sie nicht.

Höchsten

, 20.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Feste sind in den vergangenen Monaten wegen der Pandemie ausgefallen – der Pastoralverbund am Phönixsee will das für die Jubiläumsprozession in der Gemeinde St. Kaiser Heinrich auf dem Höchsten nicht einfach so hinnehmen und hat sich etwas einfallen lassen. Anregungen hat man sich aus Wallfahrtsorten geholt.

Es soll trotz Corona gefeiert werden: das Patronatsfest zu Ehren von Kaiser Heinrich II. und seiner Frau Kunigunde und auch der 100. Geburtstag der Heinrichsprozession. Generationen von Höchstenern sind über den Sommerberg von Station zu Station gelaufen sind, oft mit Chor- und Posaunenklang.

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Man habe das nicht einfach so absagen wollen, sagt Pfarrer Matthias Boensmann. Und er ist guten Mutes: „Wir feiern mit Einschränkungen, aber sicher nicht weniger intensiv. Das glaube ich, seitdem mir viele berichtet haben, dass sie noch nie so ein intensives Osterfest begangen haben wie in diesem Jahr.“

Von Station zu Station geht es bei der Prozession normalerweise auf dem Höchsten. Im vergangenen Jahr zogen die katholischen Christen hinüber zur evangelischen Kirche.

Von Station zu Station geht es bei der Prozession normalerweise auf dem Höchsten. Im vergangenen Jahr zogen die katholischen Christen hinüber zur evangelischen Kirche. © Kirchengemeinde

Seit einigen Jahren findet die Heinrichsprozession kurz vor den Sommerferien statt. Dazu haben sich die Organisatoren entschlossen, weil der eigentliche Patronatstag oft in die Ferien fiel.

Nach dem Online-Gottesdienst ab in die Kirche

Die ganz persönliche Prozession, mit der die Gemeinde am Sonntag (21. Juni) Corona trotzt, sieht so aus: Per Livestream können die Gläubigen den Gottesdienst an diesem Tag in St. Kaiser Heinrich ab 11.30 Uhr verfolgen. Die Übertragungen fanden bisher aus der St. Joseph Gemeinde in Berghofen statt. Nun also zum besonderen Anlass vom Höchsten.

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„Inzwischen“, so sagt Boensmann, habe er sich auch bei den Aufnahmen an die leere Kirche gewöhnt. Die ersten Male sei das „sehr ungewöhnlich“ gewesen, aber inzwischen funktioniere das Streaming ganz gut. Der Pfarrer schätzt, dass den Gottesdienst jeden Sonntag zwischen 350 und 700 Menschen am Bildschirm verfolgen.

Wer hat noch alte Fotos von der Prozession?

Es finden sich in der Gemeinde so gut wie keine Fotos von den Prozessionen. Vor allem fehlen ältere Motive. Wer hat Aufnahmen, die die 100-jährige Tradition der Prozession auf dem Höchsten dokumentieren? Wir freuen uns über jede Aufnahme. Nachricht bitte per Mail an: britta.linnhoff@lensingmedia.de

„Nach dem Online-Gottesdienst sind alle eingeladen, zur Kirche zu pilgern, zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Auto“, sagt Boensmann. Unterwegs könne man kurz anhalten, ein Vaterunser beten oder einen Kanon singen.

Und weiter: „Wenn Sie in der Kirche ankommen, kann jeder gerne die Kommunion empfangen, zur vollen Stunde eine musikalische Andacht mitfeiern, in Stille einfach in der Kirche vor dem Allerheiligsten verweilen oder eine Kerze entzünden. Im hinteren Bereich der Kirche ist eine kleine Ausstellung aufgebaut.“

Kämen zu viele Besucher auf einmal, müssten die allerdings ein wenig Geduld aufbringen, weil sonst die Kirche zu voll würde. Aber alle, sagt Boensmann, werden die Möglichkeit haben, den ganz persönlichen Pilgerweg, der in dieser Kurzform der Prozession besonders zum Ausdruck komme, in der Kirche abzuschließen.

Und irgendwie ist diese Jubiläumsprozession auf dem Höchsten zwar ganz anders, aber genau deswegen erinnert sie auch an die Anfänge:

Link zum Livestream

Der Livestream des Gottesdienstes aus der Kirche St. Kaiser Heinrich ist im Internet zu finden unter: www.pv-am-phoenixsee.de/live

„Findige Katholiken behalfen sich seinerzeit, indem sie bei Verbot „in losen Gruppen“ bis auf Hörder Gebiet gingen“, heißt es im Pfarrbrief. Da solle mal jemand sagen, unsere Vorfahren waren nicht klug“, erzählt Boensmann im Pfarrbrief des Pastoralverbundes aus der Geschichte.

Im Jahr 2020 ist es die Corona-Pandemie, die Verbote erzwingt. Wer mag, kann die Wege beschreiten, die die Gläubigen schon vor einem Jahrhundert gingen, die „Kurzform der Prozession, bevor sie genehmigt wurde: Die erste Station war auf der Treppe des Vikariehauses, die zweite im Obsthof des Vikars, die dritte auf dem Kirchhof, die vierte neben dem Portal der Kirche.

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