Rätsel um Schwertransport durch Dortmunder Siedlung: War er genehmigt?

mlzSchwertransport

Ein Schwertransport soll durch eine Wohnsiedlung gedonnert sein. Unmöglich, hieß es zunächst vonseiten der Stadt Dortmund. Inzwischen fällt die Antwort etwas anders aus.

Deusen

, 16.09.2020, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zusammen mit Nachbarn habe er am Straßenrand gestanden, erzählt Reiner Schramowski. Es sei zwischen 10 und 11 Uhr gewesen, als sich ein Fahrzeug mit Überbreite näherte, das Maschinenteile geladen hatte und als Schwertransport gekennzeichnet war.

„Wir waren so verblüfft, dass wir gar nicht wussten, wie wir reagieren sollen“, sagt Schramowksi, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Deusen. Als jedoch die Fahrerin des Begleitfahrzeuges kurz auf der Deusener Straße angehalten habe – offenbar, um die Route im Navigationsgerät zu prüfen – habe er sie angesprochen.

„Sie hielt mir nur ihr Navi hin und meinte, sie habe eine Genehmigung der Stadt Dortmund“, sagt Reiner Schramowksi. Der Vorfall ereignete sich bereits Anfang März. Kurz darauf wurde der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft in der Bezirksvertretung (BV) Huckarde vorstellig.

Späte Antwort der Stadt Dortmund

Erst in ihrer September-Sitzung erhielt die BV nun eine Rückmeldung der Stadt, die einer Antwort der Stadt vom 18. März an diese Redaktion sehr ähnlich ist. Darin heißt es, dass grundsätzlich keine Schwertransporte auf der Deusener Straße genehmigt werden.

Hierfür sei die Beschränkung auf 16 Tonnen der Kreyenbach-Brücke entscheidend. „Die Schilderung der Siedlergemeinschaft über beobachtete Schwertransporte ist von hier nicht nachzuvollziehen“, heißt es in der Mitteilung. „Eine Genehmigung für diese Route ist nicht erteilt worden.“

Anwohner Reiner Schramowski hat die Fahrerin des Begleitfahrzeuges angesprochen.

Anwohner Reiner Schramowski hat die Fahrerin des Begleitfahrzeuges angesprochen. © Archiv

Die Erklärung wirke so, als habe er Märchen erzählt und als habe es keinen Schwertransport geben können, so Reiner Schramowski.

Eine aktuelle Rückmeldung der Stadt klingt versöhnlicher. „Ein Schwertransport auf der Deusener Straße über die Brücke Kreyenbach ist nicht genehmigt worden“, erklärt Stadt-Pressesprecher Christian Schön jetzt. „Der Transport kann diese Brücke also nur ohne eine gültige Erlaubnis befahren haben.“

Wohngebiete dürfen nur im Notfall befahren werden

Etwas, das Reiner Schramowski sich gut vorstellen kann. Schließlich gebe es bereits seit längerer Zeit Ärger um den Lkw-Verkehr auf der Deusener Straße.

Zuletzt hatte die Polizei per Zufallsbefund 15 Lkw aus dem Verkehr gezogen, die das Durchfahrtsverbot missachtet hatten, und kündigte weitere regelmäßige Kontrollen an. „Als ich vor einiger Zeit davon in der BV berichtet habe und das auch weitergeleitet wurde, hat uns die Polizei gesagt, solche Kontrollen seien nicht möglich“, sagt Schramowski.

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Er sei froh, dass die Polizei inzwischen selbst festgestellt habe, wie die Lage vor Ort aussehe. Dasselbe wünscht er sich auch in Sachen Schwertransport – auch wenn in der Zwischenzeit seines Wissens keiner mehr über die Deusener Straße gedonnert sei.

„Das ist auch richtig so“, sagt Stadtsprecher Christian Schön. „Vorrangig sind Autobahnen, Bundes- und Landstraßen zu benutzen. Erst wenn dies nachweislich nicht möglich ist, weil zum Beispiel der Abgangs- oder Zielort in einem Wohngebiet liegt, darf auf das nachgeordnete Straßennetz zurückgegriffen werden.“

Genehmigungen sind ein Jahr gültig

Ob der Transport zu einer Firma aus dem nahe gelegenen Gewerbegebiet gehört haben könnte, könne er nicht mit Sicherheit sagen, so Reiner Schramowski. Allerdings hätte es so oder so andere Wege als über die Kreyenbach-Brücke gegeben.

„Entweder hat der Transport sich nicht an die Route gehalten, oder die Stadt verschweigt etwas“, sagt Reiner Schramowski. Christian Schön betont indes, dass die Einhaltung der von der Stadt genehmigten Route unbedingt notwendig sei.

Kurzfristige Änderungen, beispielsweise aufgrund einer Baustelle, seien ebenso zu beantragen und zu genehmigen wie der Transport als solcher. „Ob es für den fraglichen Tag im März einen genehmigten Schwertransport gegeben hat, lässt sich nicht sagen, da die Genehmigung ein Jahr lang gültig ist“, erklärt er.

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