Rätselhafte Lungenkrankheit bedroht Dortmunds Blaumeisen

mlzVogelzählung

Für das kommende Wochenende ruft der Naturschutzbund zur Vogelzählung auf. Diesmal erwartet man aber weniger Meisen-Sichtungen. Denn ein Bakterium gefährdet den Singvogel - auch in Dortmund.

Dortmund

, 06.05.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 1 min

Vom 8. bis 10. Mai sind einmal mehr die Hobby-Vogelkundler und Naturfreunde gefragt, den Naturschutzbund Deutschland (Nabu) bei einer Vogelzählung zu unterstützen.

Bei der „Stunde der Gartenvögel“ können Freunde von Haussperling & Co ihre Begegnungen mit den gefiederten Gesellen im heimischen Garten erfassen und dem Nabu übermitteln.

Ornithologen des Nabu gehen jedoch davon aus, dass bei der aktuellen Zählung weit weniger Kohl- und Blaumeisen gesichtet werden dürften. Insbesondere die Blaumeise leidet in diesem Frühjahr unter einem massiven Einbruch in ihrer Population, wie Dr. Erich Kretschmar, der Dortmunder Vogelexperte des Nabu, bestätigt.

Bakterieller Erreger

Ursächlich für den Rückgang der Blaumeise ist eine für die Vögel tödlich verlaufende Lungenkrankheit, die im Moment grassiert.

„Es ist schon kurios, dass die Erkrankung der Meisen zur selben Zeit grassiert, in der wir Menschen uns mit der Corona-Pandemie auseinandersetzen müssen. Allerdings gibt es keinerlei Zusammenhänge zwischen den Krankheiten“, erklärt Kretschmar.

Während es sich bei Corona um eine Virusinfektion mit dem Erreger Sars-CoV-2 handelt, werde laut Kretschmar die Lungenkrankheit bei den Meisen durch das Bakterium „Suttonella ornithocola“ hervorgerufen.

Nicht auf Menschen übertragbar

Im Verlauf der Krankheit entwickeln die Vögel eine Lungenentzündung. Kranke Tiere fallen dadurch auf, dass sie seltsam bewegungs- und teilnahmslos aufgeplustert auf dem Boden hocken und nicht mehr auf ihre Umwelt reagieren.

Bis Ende April erreichten den Nabu rund 17.000 Meldungen über Vögel, die solcherlei Symptome zeigten. Hauptsächlich betroffen seien laut Erich Kretschmar das Saarland, Rheinland-Pfalz sowie das südliche Nordrhein-Westfalen.

"In der Region ist der Kreis Unna offenbar besonders betroffen, aber speziell für Dortmund sind mir noch keine Fälle bekannt geworden", sagt Kretschmar.

Auf Menschen oder Tiere übertragbar sei die Meisen-Krankheit nicht. Überhaupt auch unter den Vögeln selbst gebe es Unterschiede, was eine Infektion mit „Suttonella ornithocola“ angehe. So seien hauptsächlich Blaumeisen von der Krankheit betroffen, Fälle bei Kohlmeisen hingegen kenne man kaum.

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