Rafik Schami erhält Nelly-Sachs-Preis

DORTMUND Der deutsch-syrische Schriftsteller Rafik Schami ("Die dunkle Seite der Liebe") freut sich über den "Nelly-Sachs-Preis" der Stadt. Die mit 15 000 Euro dotierte Auszeichnung nimmt Schami am 9. Dezember in der Bürgerhalle des Rathauses entgegen.

von Von Jörg Heckenkamp

, 06.09.2007, 16:17 Uhr / Lesedauer: 3 min
Rafik Schami erhält den Nelly-Sachs-Preis 2007

Rafik Schami erhält den Nelly-Sachs-Preis 2007

Der deutsch-syrische Schriftsteller Rafik Schami erhält den mit 15.000 Euro do-tierten Literaturpreis der Stadt Dortmund, den Nelly-Sachs-Preis 2007. In der Begründung der Jury heißt es: „Rafik Schami ist ein lebenslustiger Vermittler zwischen den Welten. In umgänglicher, freundlicher Form wirbt er für wechselseitiges Verständnis und setzt sich seit Jahren für die Aussöhnung zwischen Israel und Palästina ein.  Seine zahlreichen Geschichten, Essays und Romane sind einfallsreich und bilderstark. Auf originelle Weise verbinden sie Orient und Okzident, mündliche und schriftliche Tradition. Das Werk Rafik Schamis ist in 24 Sprachen übersetzt. Sein großer Roman „Die dunkle Seite der Liebe“ (2004) erzählt eine Liebesgeschichte, eingebettet in die Geschichte Syriens. Er ist zugleich eine Liebeserklärung an Schamis Heimatstadt Damaskus, die der Autor aus politischen Gründen 1970 verlassen musste.“

Der Jury unter Leitung von Oberbürgermeister Dr. Gerhard Langemeyer gehörten als Fachpreisrichter an die Literaturredakteure Dr. Maike Feßmann (u.a. Süddeutsche Zeitung, ZDF), Dr. Volker Hage (Der Spiegel) und Anne Linsel (u.a. Arte, ZDF, WDR) und als Sachpreisrichter die Ratsmitglieder Bürgermeisterin Birgit Jörder, Dr. Jürgen Brunsing, Ulrich Monegel und Manfred Sauer an.

Dank aus der Pfalz

Die Mitteilung über die Verleihung des Nelly-Sachs-Preises erreichte den Preisträger an seinem Wohnort in der Pfalz. In einem Telefongespräch mit Oberbürgermeister Dr. Langemeyer dankte Rafik Schami dafür, dass ihm diese hohe Ehre zuteil werde. „Ich freue mich sehr, dass ich für den Nelly-Sachs-Preis ausgewählt wurde und betrachte diese Ehrung als Ermunterung, auf meinem literarischen Weg weiterzugehen.“

 Die Preisverleihung findet am Sonntag, 9. Dezember, um 11 Uhr in der Bürgerhalle des Rathauses statt. Ein paar Tage später, am 15. Dezember, trägt der Preisträger beim weihnachtlichen Konzert des Kulturbüros im RWE Sonnenenergieforum zur Jahreszeit passende Geschichten vor.

 Bisherige Träger des Nelly-Sachs-Preises sind unter anderem Elias Canetti, Erich Fromm, Nadine Gordimer, Christa Wolf und Per Olov Enquist. Der Literaturpreis der Stadt Dortmund wird im zweijährigen Rhythmus verliehen.

1946 in Damaskus geboren

Rafik Schami wurde am 23. Juni 1946 in Damaskus geboren und ist promovierter Chemiker. Er stammt aus der christlich-aramäischen Minderheit in Damaskus, besuchte ein jesuitisches Kloster-Internat im Libanon und studierte in Damaskus Chemie, Mathematik und Physik. Schon mit 19 Jahren verschrieb sich Rafik Schami der Literatur und gründete 1966 in Damaskus die Wandzeitung „Al-Muntalak“ (dt. Ausgangspunkt), die 1969 verboten wurde.

1970 floh Rafik Schami aus seinem Heimatland Syrien zunächst in den Libanon, 1971 exilierte er nach Westdeutschland. Er setzte sein Chemiestudium in Heidelberg fort und schloss es 1979 mit der Promotion ab. Neben seinem Studium veröffentlichte er zahlreiche Texte in Zeitschriften und Anthologien, zunächst in arabischer, seit 1977 auch in deutscher Sprache. 1978 erschien mit „Andere Märchen“ sein erstes Buch in deutsch. 1980 war er Mitbegründer der literarischen Gruppen Südwind und PoLi-Kunst (Polynationaler Literatur- und Kunstverein). Seit 1982 lebt er als freier Schriftsteller in der Pfalz.

Erfolgreicher Autor

Rafik Schami gehört zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. Für sein Werk hat er zahlreiche Auszeichnungen und Preise erhalten. Sein Erfolg gründet sich nicht zuletzt auf seine Lesungen, bei denen er sein Talent zum freien Fabulieren entfaltet. Die bestimmenden Themen von Schamis Werk sind das Leben der Migranten in Deutschland, die Darstellung der arabischen Welt damals, heute und in der Utopie, Politik und Gesellschaft sowie das Erzählen. Ein wesentliches Merkmal von Schamis Stil ist seine Nähe zur oralen Tradition des arabischen Geschichtenerzählens. In seinen Erzählungen verbindet er die arabische und die deutsche Tradition.

Der Preisträger spricht mit seiner Literatur Leser jeglichen Alters an. Seine Veröffentlichungen erstrecken sich vom Bilderbuch etwa mit „Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm“ (2003) über das Kinderbuch, z. B. „Luki. Die Abenteuer ei-nes kleinen Vogels“ (1993), den gesellschaftskritischen Roman für jugendliche und erwachsene Leser, z.B. „Der ehrliche Lügner“ (1992) oder „Milad“ (1997), bis zum politischen Essay und der politischen Buchveröffentlichung wie „Mit fremden Augen“ (2002), vom Märchen, z. B. die Sammlung „Malula. Märchen und Märchenhaftes aus meinem Dorf“ (1987), bis zur Satire, so die Sammlung „Der Fliegenmelker“ (1985), vom autobiographischen Jugendroman „Eine Hand voller Sterne“ (1987) bis zum autobiographisch geprägten satirischen Roman für Erwachsene „Sieben Doppelgänger“ (1999). Der bisherige Höhepunkt seines literarischen Schaffens ist der große Roman „Die dunkle Seite der Liebe“ (2004), der auch von der Literaturkritik stark beachtet und hoch gelobt wurde.

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