Ratte oder Biber? Albino-Nutria schwimmt im Hengsteysee

mlzMit Video

Im Hengsteysee im Süden Dortmunds schwimmen Nutrias von Ufer zu Ufer. Unter ihnen tummelt sich auch mindestens ein seltenes Albino-Exemplar.

Syburg

, 18.01.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nutrias haben es sich im Hengsteysee gemütlich gemacht. Sind sie gefährlich für Flora und Fauna? Und was hat es mit dem schneeweißen Exemplar auf sich, das dort unterwegs ist?

„Die Nutria gehört, wie der Biber und der Bisam, zu den Nagetieren“, steht unter anderem auf der Homepage des Landesumweltamtes NRW.

In den 20ern sind Nutrias von Pelztierfarmen geflohen

Auch beim Naturschutzbund Nabu ist das Tier Thema: „Ihr Fell ist überwiegend rötlichbraun, am Bauch graubraun. Züchtungen haben auch Tiere mit weißem Fell hervorgebracht.“

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Ursprünglich waren Nutrias in Südamerika beheimatet. „Seit den 20er-Jahren wurden Nutrias in Pelztierfarmen auch in Deutschland gehalten“, schreibt der Nabu.

Der Hengsteysee im Süden Dortmunds

Der Hengsteysee im Süden Dortmunds © picture alliance / Ina Fassbender

Von dort konnten immer wieder einzelne Exemplare entkommen. In Europa sei die Art mittlerweile weit verbreitet, in Deutschland gelte sie als etabliert.

„Dass die Art in Dortmund am Hengsteysee-Ufer vorkommt, ist nicht ungewöhnlich“, schreibt Stadtsprecher Christian Schön auf Anfrage: „Auch wenn die Ufer auf Dortmunder Seite meist stark mit Steinschüttungen befestigt sind und daher keinen optimalen Lebensraum bieten.“

„Zuerst dachte ich an einen Biber“

Ein Leser war am Tag vor Silvester am Hengsteysee unterwegs. Auf der schmalen Landzunge gegenüber der Ruhrsteilhänge Hohensyburg holte er sein Handy raus und filmte etwas Seltenes: „Am Ufer schwamm eine weiße Nutria. Zuerst dachte ich an einen Albino-Biber“, schreibt er in einer Mail an diese Redaktion.

Dagmar Dörnbach kennt die Nutrias. Sie ist Betreiberin des Ausflugsschiffes Freiherr vom Stein, das auf dem Hengsteysee unterwegs ist.

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„Ein Albino ist wohl seit circa einem Jahr im Hengsteysee, vor Silvester habe ich mal zwei gesehen“, sagt sie im Gespräch mit dieser Redaktion. Sie vermutet jedoch, dass die weißen Nutrias mittlerweile im Harkortsee ein neues Zuhause gefunden haben.

Ohnehin seien ihr nicht viele Nutrias aufgefallen, ein Tier jedoch sei besonders zutraulich.

Nutrias schaffen es sogar bis in die Emscher

Christian Schön erklärt, dass dem Umweltamt nichts Genaues über die Anzahl der Nutrias auf Dortmunder Stadtgebiet bekannt sei, die Tiere aber auch in einigen Abschnitten der Emscher sporadisch vorkämen.

Die Albino-Nutria aus dem Hengsteysee zeigt sich recht zutraulich.

Die Albino-Nutria aus dem Hengsteysee zeigt sich recht zutraulich. © Martin Klose

„Erkenntnisse über nennenswerte Schäden, wie Fraßschäden an gefährdeter Vegetation, liegen nicht vor“, so Schön. „Sicher auch aufgrund ihres hier nur vereinzelten Vorkommens.“

Auch halte sich die Bau- und Wühltätigkeit von Nutrias in Grenzen, da die Art vornehmlich nur einzelne, nicht sehr weit reichende und unverzweigte Röhren als Höhle baut und daher kaum Schäden an Uferböschungen verursacht. „Somit kann sie zur Zeit jedenfalls in Dortmund nicht als ‚Problemart‘ für hiesige Ökosysteme bezeichnet werden“, so Schön.

Naturschutz

Im Zweifel dürfen Nutrias geschossen werden

  • „Die gebietsfremde, aber seit vielen Jahrzehnten eingebürgerte Art steht nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§39 Abs. 1) wie alle wild lebenden Arten der freien Natur unter allgemeinem Artenschutz“, schreibt Stadtsprecher Christian Schön.
  • Das heißt: „Sie darf nicht ohne vernünftigen Grund gefangen, getötet oder verletzt werden. Allerdings ist ein Abschuss oder ein Fang mit Lebendfallen in begründeten Fällen erlaubt.“
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