Rechte Hetze am Freibad: Neonazis machen Stimmung gegen Migranten

mlzFreibäder in Dortmund

Mitglieder einer offenkundig rechtsradikalen Gruppe hetzen vor Dortmunder Freibädern gegen Migranten. Die Neonazis verteilen „Care-Pakete“, mit denen sich Deutsche schützen sollen.

Dortmund, Deusen

, 29.07.2019, 18:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Flyer, Kleidung, Pfefferspray: Damit waren die Tüten befüllt, die die rechts einzuordnende, sich selbst so bezeichnende Aktionsgruppe (AG) Do-West vor Dortmunder Freibädern verteilt hat.

„Nach Übergriffen: Freibad darf nicht zur Mutprobe werden“, so der Titel der Flugblätter. Ähnlich betitelt waren auch Plakate und Aufkleber, die Mitglieder der Gruppe beispielsweise vor dem Volksbad oder am Revierpark Wischlingen aufhängten und verteilten.

Auf ihrer Homepage brüstet sich die AG Do-West mit der „rundum gelungenen Aktion“. Anlass seien Ausschreitungen in Freibädern in Essen, Düsseldorf, Stuttgart - und Deusen. Die Schuldigen? Das müssen Migranten sein, da sind sich die Mitglieder der Aktionsgruppe sicher. Mit „Bedeckungsbekleidung“ und Pfefferspray sollen sich Deutsche, wenn es nach der AG Do-West geht, künftig schützen.

In Dortmund gab es keine Übergriffe, sondern Verkehrschaos

Auf ihrer Homepage haben die Neonazis auch einen Artikel unserer Redaktion verlinkt, der ihnen zur Begründung dafür dienen soll, eine solche Aktion in Dortmund zu starten. Hier geht es jedoch keinesfalls um Übergriffe – sondern um das Verkehrschaos rund um das Freibad Hardenberg in Deusen.

Ende Juni waren dort nach dem Freibadbesuch 250 Menschen auf einen Bus zugerannt. Weil beispielsweise das Freibad Froschloch aufgrund einer defekten Pumpe geschlossen war, waren am 25. Juni noch mehr Menschen als sonst in das Freibad im Dortmunder Westen gekommen, die abends wieder nach Hause wollten. Ein Dutzend Streifenwagen waren im Einsatz, um das Chaos aufzulösen.

Das Chaos dauert an

Und auch vor dem Sprung ins kühle Nass herrscht regelmäßig Chaos am Freibad. Zuletzt bei der zweiten Hitzewelle in der vergangenen Woche. Maßnahmen wie die Sperrung des Bad- und Stiegenweges, sobald der Parkplatz am Freibad voll ist, haben nicht viel genützt. „Das Problem hat sich nur verlagert“, sagt Reiner Schramowski, der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft.

Stattdessen suchen die Freibadbesucher nun in umliegenden Straßen nach Parkplätzen - und sind so wohl auch auf dem Weg zum Freibadeingang den Mitgliedern der AG Do-West in die Arme gelaufen. „Ich habe mitbekommen, dass hier Flugblätter verteilt wurden“, sagt Reiner Schramowski. „Ich habe aber keins angenommen.“ Stattdessen zeigt er ein Exemplar, das erschrockene Nachbarn aufgehoben haben.

Die Plakate sind angeschlagen

Dass die Deusener mit der rechten Hetze in ihrem Stadtteil nicht einverstanden sind, zeigt der Zustand der Plakate. Die meisten sind kaum noch lesbar, abgeknibbelt und zerkratzt.

Die Polizei war am Montag (29.7.) vor Ort und hat die Plakate abfotografiert. Was die Polizei unternehmen wird, war bei Redaktionsschluss noch nicht klar.

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