Lastwagen quetschen sich durch Tunnel: Anwohner sieht Statik gefährdet

mlzEnge Unterführung

Versuchen Lkw-Fahrer, ihr Fahrzeug durch die S-Bahn-Unterführung Am Zehnthof zu manövrieren, bringt das Probleme. Anwohner berichten von Lärmbelästigung und Beschädigungen.

von Daniel Reiners

Dortmund

, 18.08.2020, 19:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Ralph-Alexander Keidel von zu Hause aus arbeitet, vernimmt er selbst durch geschlossene Fensterscheiben regelmäßig ein Geräusch, das ihn mittlerweile zur Weißglut bringt. Auf lange Sicht erfüllt ihn das mit ernsthafter Sorge.

Der Dortmunder wohnt etwa 30 Meter entfernt von der S-Bahn-Unterführung der S4, Am Zehnthof. Schon vor seinem Wechsel ins Homeoffice hatte er aus der Richtung des Tunnels häufiger Schleifgeräusche vernommen, und auch seinen Nachbarn seien laute Geräusche aus diesem Bereich nicht fremd.

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Nun, da Keidel häufiger zu Hause ist, ist ihm die Tragweite des Problems allerdings erst in vollem Umfang klar geworden. Mehrmals pro Tag, sagt er, versuchen Lkw-Fahrer, ihre Fahrzeuge unter der besagten S-Bahn-Linie herzumanövrieren. Da dieses Unterfangen aber in den seltensten Fällen erfolgreich sei, käme bei fast jedem Fahrzeug die Abdeckplane - oder schlimmer noch Teile des Fahrzeuges - mit dem Mauerwerk der Unterführung in Berührung.

Alexander Keidel stellt zunehmend mehr Beschädigungen des Mauerwerks innerhalb des Tunnels fest.

Alexander Keidel stellt zunehmend mehr Beschädigungen des Mauerwerks innerhalb des Tunnels fest. © Alexander Keidel

„Es entsteht durch das Durchmanövrieren nicht nur eine Lärmbelästigung für uns Anwohner, sondern die Statik des Tunnels wird auch stark beansprucht", so Keidel. Es sei in der Vergangenheit schon vorgekommen, dass ein „beratungsresistenter" Lkw-Fahrer Teile des Tunnelportals eingerissen hätte. „Beratungsresistent" deshalb, weil vor dem Tunnel durchaus die vorgeschriebene Durchfahrtshöhe angebracht ist.

Das reicht Keidel allerdings nicht aus. Wenn es nach ihm geht, muss ein hängender Balken mit optischem Signal à la „Du passt hier nicht durch" angebracht werden.

Zuständigkeits-Spagat zwischen Deutscher Bahn und Stadt Dortmund

Auf Anfrage hat die Stadt Dortmund Stellung genommen zu der Lkw-Problematik „Am Zehnthof". Laut Pressestelle habe die Stadtverwaltung großes Interesse daran, dass Straßen, Brücken, Fuß- oder Radwege sicher seien.

Hinweisen und Beschwerden von Bürgern werde daher stets nachgegangen. Allerdings lägen dem Tiefbauamt bisher keine Hinweise über Probleme rund um die Brücke vor. Davon abgesehen käme es aber regelmäßig zu stadteigenen Kontrollen an Brücken sowie auf den Verkehrswegen.

Die betroffene S-Bahn-Unterführung befindet sich im Besitz der DB Netz AG. Auf Bitte einer Stellungnahme verwies man von dieser Seite allerdings zurück zur Stadt Dortmund. Für die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung sowie für die Beschilderung der Brücke sei der „Straßenbaulastträger“ verantwortlich. Das erläuterte eine Bahnsprecherin.

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