Regen-Sommer 2020? Das Wetter ist besser, als man meint

mlzSommer in Dortmund

Oft bewölkt, wenige Freibadtage - der Sommer in Dortmund zeigt sich bisher nicht unbedingt von seiner schönsten Seite. Doch der Schein trügt. Ein wenig, zumindest.

Dortmund

, 22.07.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wirklich entkommen kann man der Corona-Pandemie ja nicht. Auch im Urlaub im sonnigen Süden ist die Bedrückung greifbar, hat ihr Handtuch bereits auf der benachbarten Liege ausgebreitet, wenn man so will.

Abstandsregelungen am Strand, Maskenpflicht im Restaurant - hat man da überhaupt noch Lust, sich in der Hitze Italiens oder dem spanischen Glutofen grillen zu lassen? Wer sich bewusst dafür entschieden hat, den Sommer über in Dortmund zu bleiben oder wer womöglich gar keine andere Wahl hat, merkt allerdings auch: Gutes Wetter geht anders. Meist zumindest: Das vergangene Wochenende war ein sonniger Lichtblick. Aber schon am Montag, 20. Juli, sah es wieder ziemlich trübe aus.

Meteorologe bestätigt Schlechtwetter-Eindruck

„Die letzten Wochen war es schon deutlich bewölkter, wechselhafter und regnerischer als sonst um diese Zeit“, sagt David Bötzel, Wetterberater des Deutschen Wetterdiensts (DWD). Beim Blick auf die Statistik bestätigt sich dieser Eindruck: In der ersten Julihälfte zum Beispiel hat es an 11 von 15 Tagen geregnet.

Freibad statt Adriaküste? Nicht bei diesem Wetter. Das weiß auch Jörg Husemann, Geschäftsführer der Sportwelt, zu der die Freibäder Hardenberg, Volkspark und Wellinghofen zählen: „An vielen Tagen muss man ja nur in den Himmel schauen. Wer geht schon ins Freibad, wenn es regnet, bewölkt ist oder unter 20 Grad hat?“

Schwimmbad-Chef bleibt gelassen

Obwohl sich Husemann in der ersten Sommerhälfte nur über zwei Tage mit voller Auslastung freuen konnte (geplant sind mindestens zehn), bleibt er gelassen: „Man muss sehen, wie sich das weiter entwickelt.“ Ein Zwischenfazit will er deshalb zu diesem Zeitpunkt noch nicht ziehen.

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Meteorologe David Bötzel betont die Dynamik des Wetters, die eine Prognose über den Verlauf der zweiten Sommerhälfte schwierig mache. Zudem: Eine Prognose über einen so langen Zeitraum - immerhin sind es noch knapp sechs Wochen bis Ende August - sei sowieso nicht seriös zu machen. Auch Meteorologen könnten das Wetter nur sieben bis zehn Tage im Voraus vernünftig prognostizieren.

Ein Phänomen, dass man momentan angesichts des oft nasseren Wetters gar nicht so sehr auf dem Schirm hat, möchte er explizit nicht ausschließen: die Gefahr einer Dürre.

Der Juni war ziemlich warm

„Da reicht es schon, wenn es mal einen Monat fast gar nicht regnet“, erklärt Bötzel. Und über all die grauen Tage vergisst man am Ende schnell, dass selbst dieser Juni wärmer war als normal.

Bauer Manfred Budde hätte sich mehr Regen gewünscht. Er rechnet mit Ernteverlusten (Archiv).

Bauer Manfred Budde hätte sich mehr Regen gewünscht. Er rechnet mit Ernteverlusten (Archiv). © Holger Bergmann

Wie der DWD berichtet, wurde der Durchschnittswert aus den Junis von 1961 bis 1990 für NRW von 15,4 Grad Celsius im ersten Sommermonat 2020 mit 17,3 Grad nämlich deutlich überschritten. Da sei jeder zusätzliche Tag ohne Rekordtemperaturen, vielleicht sogar mit etwas Regen, eine Wohltat für die Natur, meint der DWD-Experte.

Landwirt Manfred Budde sieht das etwas anders: „Im April und Mai hat es zwar nicht genug geregnet. Jetzt soll es aber besser warm und trocken bleiben“, sagt er. Begründung: der Wachstumszyklus der Pflanzen. Sie brauchen irgendwann auch die sommerliche Wärme-Phase, um gut zu gedeihen.

2019 war ein richtiger Dürre-Sommer

Aktuell sei die Lage insgesamt aber nicht so schlimm wie 2019, einem echten Dürre-Sommer. Im Vergleich zu einem „guten Jahr“ erwartet der Landwirt trotzdem Ernte-Einbußen von 30 bis 40 Prozent.

Über all den Ärger um zu viel oder zu wenig Regen, genug Sonnenstunden oder nicht meint er allerdings, eine Rückkehr zum „normalen“ Wetter zu erkennen. Nach den oft von starker Hitze und regelrechten Hitzewellen gekennzeichneten Sommern der vergangenen Jahre sei dieser Sommer mal wieder eher einer, wie er früher mal üblich gewesen sei. Mit wechselhafterem Wetter, aber immer wieder guten Tagen.

Wie sehen das die Experten? Die Meteorologen vom DWD möchten zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage darüber treffen, wie normal (oder wenig normal) der Sommer ist. Das könne man letztlich erst im Rückblick beurteilen.

Ein „Sommer in Zeiten des Klimawandels“

Aktuell deute vieles darauf hin, dass auch der Sommer 2020 wohl ein „Sommer in Zeiten des Klimawandels“ wird - und damit unterm Strich deutlich deutlich wärmer als in den Jahren 1961 bis 1990. Dieser Zeitraum werde übrigens herangezogen, weil das Wetter damals noch nicht so stark von den Folgen menschlichen Handelns - dem Klimawandel eben - beeinflusst gewesen sei, wie dies heute der Fall sei.

Der Sommer 2020 werde vermutlich insgesamt aber wohl nicht so extrem heiß wie in den Jahren 2018 und 2019 - die mit dem Sommer 2003 die heißesten drei Sommer in Deutschland überhaupt waren.

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