Richter: Ich werfe kein Steuergeld zum Fenster raus

24.09.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Dortmunder Justiz war lange Zeit geduldig. Auch mehr als zwei Jahre nach einem gescheiterten und offensichtlich betrügerischen Autogeschäft zwischen zwei Männern aus Dortmund waren Staatsanwaltschaft und Gericht noch bereit, zu versuchen, den komplizierten Sachverhalt aufzuklären. Bis gestern. Bis sich im Amtsgericht wieder einmal zeigte, dass es Fälle gibt, in denen offensichtlich weder Täter noch Opfer an einer Aufklärung interessiert sind.

Es war schon ein merkwürdiges Bild, das sich Amtsrichter Reiner Kollenberg bot. Der Angeklagte kam nicht, stattdessen sprach sein Vater vor und erklärte dem verdutzten Richter, sein Sohn sei vor ein paar Tagen - nachdem er die Nachricht vom Prozesstermin erhalten hatte - verschwunden. Man solle ihm doch bitte schön helfen, den 25-Jährigen zu suchen. Er habe Angst, der Filius tue sich was an.

Dieser Bitte wären Richter und Staatsanwältin sicherlich auch nachgekommen, wäre da nicht ein weiteres Problem gewesen. Denn auch der Hauptbelastungszeuge, der Mann, der von dem Angeklagten im Sommer 2005 so gemein übers Ohr gehauen worden sein will, erschien nicht. Stattdessen hatte er eine Bekannte geschickt. "Mit Vollmacht", wie diese dem nun noch verdutzteren Richter offenbarte.

Der Zeuge habe sich eine Magen-Darm-Grippe eingefangen und sei nicht bereit gewesen, den Weg ins Gericht anzutreten, hieß es. Allerdings: Schon bei einem ersten Prozessversuch vor einigen Monaten hatte sich der Mann ebenfalls kurzfristig krank gemeldet. "Aber ich kann Ihnen alles beantworten", sagte die Bekannte.

Richter Kollenberg hatte da jedoch schon genug gehört. Kurzerhand verwarf er den Plan, den Angeklagten per Haftbefehl suchen zu lassen, sondern stellte das Verfahren ein. "Wenn ein angebliches Opfer offensichtlich keine Lust daran hat, dass der Fall im Prozess aufgeklärt wird, werfe ich nicht noch weiter Steuergeld zum Fenster raus", polterte der Jurist. "Soll der Mann doch per Zivilklage versuchen, an sein angeblich unterschlagenes Geld zu kommen. Hier und heute ist jedenfalls Schluss." von

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