Kirchderner Graben wird renaturiert – riesige Betonröhren irritieren

mlzKirchderner Graben

Der Kirchderner Graben wird mit großem Aufwand renaturiert. Jetzt aber sind am Karrenberg große Betonröhren angeliefert worden. Wer vorbeikommt, fragt sich, was es damit auf sich hat.

Kirchderne

, 25.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer in diesen Tagen durch den Karrenberg fährt, dem fallen die riesigen Rohre auf, die im unteren Teil auf der Brücke über den Kirchderner Graben lagern. Dabei wird doch der Bach gerade aus seinem kleinen Betonbett herausgeholt.

Wie Lippeverband-Sprecherin Anne-Kathrin Lappe erklärt, werden diese Teilstücke im Ein- und Ausgang unter dem Tunnel darunter verbaut.

Und das ist im Rahmen der Gesamtmaßnahme Renaturierung Kirchderner Graben durchaus eine Besonderheit. An den meisten der insgesamt 16 Unterführungen im Baugebiet sind „Hamco-Profile“ verbaut worden. Das sind Elemente aus gewelltem Stahl, die gegenüber den herkömmlichen Betonrohren einige Vorteile haben. Zum Beispiel lagere sich in ihnen besser Material wie Sand ab als in glatten Rohren. Und das sei besser für die Ansiedlung von Pflanzen und Fischen.

Tunnelstrecke von 30 auf 23 Meter verkürzt

Dass der Lippeverband am Karrenberg dennoch anders verfahre, liege an der verkürzten Tunnelstrecke, die sich mit den Betonrohren im Gegensatz zu den Hamco-Profilen erreichen lasse, so Lappe weiter. Für die Ansiedlung von Leben sei es besser, wenn es möglichst wenige stockdunkle Tunnelstrecken gebe. Man könne an der Karrenberg-Unterführung die Dunkelheitsstrecke so von 30 auf 23 Meter verkürzen. Um im Rohr dennoch einen für Pflanzen und Tiere vorteilhaften Untergrund zu bekommen, werde ein spezielles Sohlsubstrat hinzugegeben, das sich auch im glatten Rohr ablagere und nicht weggespült werde.

Der Kirchderner Graben ist zum Großteil bereits von seiner Betonsohle befreit. Bis alles wieder natürlich mit bewachsenen Ufern aussieht, wird es allerdings noch etwas dauern

Der Kirchderner Graben ist zum Großteil bereits von seiner Betonsohle befreit. Bis alles wieder natürlich mit bewachsenen Ufern hergestellt ist, wird es allerdings noch etwas dauern. © Andreas Schröter

Der Lippeverband ist zufrieden mit dem Fortschritt der gesamten Renaturierungs-Arbeiten, für die der Spatenstich im Juni 2018 in der Nähe der Straße Am Beisenkamp erfolgt war. Von der Gesamtstrecke von 7,5 Kilometern sei das meiste geschafft. Dazu gehören auch Gewässer wie Böckelbach, Borlandgraben und Erlenbach. Lediglich der letzte Abschnitt bis zur Kläranlage fehlt noch. Sie rechne mit Fertigstellung im Juli dieses Jahres, sagte Anne-Kathrin Lappe. Zuletzt - im August vorigen Jahres - hatte ein Lippeverband-Mitarbeiter den April als Fertigstellungstermin genannt.

Früher als geplant beendet ist dagegen die halbseitige Sperrung der Derner Straße. Den Platz hatte der Lippeverband für Baumaterial gebraucht, was jetzt nicht mehr nötig sei, so Lappe.

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Zwischen 12,5 und 14 Millionen Euro werden am Ende verbaut sein, um den Kirchderner Graben wieder in einem natürlichen Umfeld fließen zu lassen. Bereits 2012 war das Schmutzwasser vom Reinwasser getrennt und in ein separates Rohr abgeleitet worden. Schwierigkeiten bei den Bauarbeiten seien einige durch Teer belastete Stellen gewesen - beispielsweise direkt in der Nähe des Ausgangspunktes am Beisenkamp. Auch habe das Team an einigen Stellen zwei Sohlschalen übereinander vorgefunden, was dazu geführt habe, dass mehr Beton habe entsorgt werden müssen.

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