Roboter aus Dortmund kämpft mit Strahlung gegen Corona und MRSA

mlzHygiene und Desinfektion

Mit der Zerstörungswut elektromagnetischer Strahlung gegen Coronaviren und Keime: ein Desinfektionsroboter aus Dortmund soll seinen Siegeszug nach Europa antreten.

Dortmund

, 01.09.2020, 05:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Möglicherweise heißt er aus gutem Grund Hero21. Jedenfalls wird der in Dorstfeld entwickelte Desinfektionsroboter von seinen „Vätern“ als ein möglicher Held des 21. Jahrhunderts gefeiert - gerade während der Coronavirus-Pandemie.

Der hochmoderne Hygienefachmann, der über jede Menge programmierte Logik verfügt, kommt in dieser Zeit wie gerufen. Hero21 befreit Operationssäle, Intensivstationen oder andere hochsensible Bereiche eines Krankenhauses sowohl von Coronaviren als auch von MRSA-Keimen.

Etwa 1,5 Millionen Euro hat sich das mittelständische Unternehmen ICA, das eigentlich Fahrkarten- und Kassenautomaten herstellt, die Entwicklung des Hygieneroboters kosten lassen. ICA verzeichnete 2019 einen Umsatz von 31 Millionen Euro und hat Kunden in ganz Deutschland – etwa die Deutsche Bahn oder die Rheinbahn. ICA beliefert aber auch hiesige Verkehrsunternehmen wie die Stadtwerke (DSW) und den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR). Beispielsweise sind alle Fahrkartenautomaten im Dortmunder Hauptbahnhof von ICA.

Hygieneroboter kann Zukunftsoptimismus verbreiten

Zum Geburtstag des neuartigen Familienmitglieds und vermeintlichen Wunderkindes Hero21 war jetzt eigens die Bundesbildungs- und -forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) zu Besuch bei ICA an der Höfkerstraße 32.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (vorne r.) informierte sich in Dortmund über den Desinfektionsroboter Hero21

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU, vorne r.) besuchte gemeinsam mit OB-Kandidat Andreas Hollstein (hinten, 2.v.l.) und Matthias Nienhoff, Kandidat für den Rat der Stadt Dortmund (l.), die Firma ICA in Dorstfeld. Dort wurden sie von den Geschäftsführern Heinz Sander (r.) und Stefan Walko (vorne l.) begrüßt. In einem Besprechungsraum wurde der Roboter Hero21 schon zigfach getestet. „Sie sind zu Gast in dem wohl am besten desinfizierten Raum Deutschlands“, sagte Heinz Sander zu den Politikern. © Peter Wulle

Und ihr Kommen hatte nicht nur etwas mit dem laufenden Kommunalwahlkampf und der Unterstützung ihres ebenfalls anwesenden Parteikollegen und OB-Kandidaten Dr. Andreas Hollstein zu tun.

„Corona wird eventuell nicht die letzte Pandemie gewesen sein. Wir brauchen dringend neue Möglichkeiten zur Desinfektion. Innovationen wie diese erzeugen zudem neue Arbeit und sind daher wichtig, um unseren Wohlstand zu organisieren. Unabhängig von Wahlkampf müssen wir diese Dinge sichtbar machen, damit wir einen Zukunftsoptimismus für die Gesamtgesellschaft ausprägen“, sagte die Ministerin.

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Die neben der ICA Traffic GmbH neu gegründete ICA Health GmbH steht mit dem Hero21 kurz vor dem Markteinstieg. Im Pilotbetrieb wird das Gerät jetzt in einem Universitätskrankenhaus in Bochum eingesetzt, im Oktober beginnt der Verkauf. „Corona ist natürlich ein Entwicklungstreiber und die Nachfrage ist bereits groß“, sagt der Vertriebschef Steffen Kriege.

Der Roboter legt da erst richtig los, wo herkömmliche Desinfektionsmittel an ihre Grenzen stoßen. Ganz wichtig: er reinigt nicht, er desinfiziert. Das heißt, die Schmutzecken bleiben, aber Viren werden abgetötet. Der Hero21 setzt dabei auf UV-C-Licht. Die kurzwellige UV-Strahlung beeinflusst das Erbmaterial und verändert Zellen so, dass die nicht mehr reproduktionsfähig sind. Geschäftsführer Stefan Walko sagt es so: „Da kann kommen, was will, wir kriegen mit dem Hero21 alles kaputt.“

Strahlung des Hygieneroboters ist gefährlich

Was sich schon danach anhört, als sollte man dem Roboter unbedingt aus dem Wege gehen, ist auch so. „Die Strahlung ist für den Menschen gefährlich“, sagt Walko. Wenn er seine Leuchtstoffröhren ausfährt und rundum abstrahlt, darf niemand mehr in der Nähe sein. Also wird der Roboter über eine App ferngesteuert. Er hat mehrere Sicherheitsstufen eingebaut und schaltet sich zum Beispiel sofort ab, sobald jemand den Raum betritt.

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Firmenchef Heinz Sander, der das Unternehmen vor 34 Jahren gründete und nach eigenen Angaben in Deutschland zum Marktführer im Bereich Ticketing entwickelte, hatte aus Asien Mitte 2019 gehört, wie mit UV-C-Strahlung Fahrkarten-Automaten desinfiziert werden. „Ich habe mir aber gedacht, dass die Anwendung in Krankenhäusern viel wichtiger ist, denn dort kommen alle Krankheitserreger zusammen“, sagt Sander. Außerdem habe das die Gelegenheit geboten, für die Firma und ihre zurzeit 127 Beschäftigten ein zusätzliches Standbein im Gesundheitsbereich zu schaffen.

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Von Corona war vor gut einem Jahr noch nicht die Rede, aber von MRSA. „An dem Keim sterben im Jahr 20.000 Menschen in Deutschland“, sagt Heinz Sander. Der Hero21 soll nun bei der Bekämpfung beider Übel helfen.

„Die Bedeutung von Desinfektion hat erheblich zugenommen – und das nicht erst durch die Corona-Pandemie. Herkömmliche Desinfektionsverfahren, wie die händische Desinfektion, lösen das Problem nur unvollständig, erzeugen sogar oft resistentere Keime. UV-C-Roboter können hier helfen: zuverlässig, mit modernster Technologie und hoher Effizienz“, so Heinz Sander.

Wirksamkeit des Hygieneroboters ist wissenschaftlich belegt

Das Gerät ist innovativ, aber eine richtige Weltneuheit ist es nicht. „Es gibt Konkurrenzprodukte, aber wir wollen mit diesem Desinfektionsroboter neue Maßstäbe setzen“, sagt Steffen Kriege. Die Entwicklung erfolgte in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum. Der Lehrstuhl Allgemeine Elektro- und Plasmatechnik half bei der Wirksamkeitsmessung und der Lampenauswahl. „Bisher“, so Steffen Kriege, „gibt es keinen anderen Hygieneroboter, bei dem die Wirksamkeit auch wissenschaftlich belegt ist.“ Die Endfertigung der Roboter erfolgt in Dortmund.

Mit Hochdruck wird noch an einer DIN-Zertifizierung gearbeitet. Der Ritterschlag für den Hero21 wäre, so sagt Stefan Walko, wenn er als Medizinprodukt offiziell genormt würde. Ein Medizinprodukt – genau das soll der „HEalth ROboter“ sein. Deshalb auch, so lernte Ministerin Anja Karliczek noch kurz vor ihrer Abreise, wurde er auf den Namen Hero getauft.

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