Rockermord: Bandidos provozierten mit Kuchen-Foto

mlzSchwurgericht

Nach dem gewaltsamen Tod eines Freeway-Riders haben die Bandidos mit einer Provokation reagiert. Vor Gericht wollen die angeklagten Rocker – darunter ein Dortmunder – jedoch nichts sagen.

Dortmund/Essen

, 09.12.2019, 18:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es dauerte nicht lange, bis das Foto unter den Freeway-Riders die Runde machte. Es tauchte nach dem gewaltsamen Tod eines Clubmitglieds auf und war eine echte Provokation.

Das Bild kam von den Bandidos, die mit der Bluttat vor rund einem Jahr in Verbindung gebracht werden. Vier von ihnen stehen seit Mitte Oktober in Essen vor Gericht – darunter auch ein ehemaliger Kickboxer aus Dortmund.

„Expect No Mercy“ - Erwarte keine Gnade

Das Foto zeigt einen Kuchen mit der Aufschrift „Expect No Mercy“ (Erwarte keine Gnade). Denselben Schriftzug gibt es auch als Aufnäher für die Kutte. Angeblich sollen damit Mitglieder der Bandidos ausgezeichnet werden, die für den Club einen Menschen getötet oder schwer verletzt haben.

Offiziell wird das jedoch nicht bestätigt. Die Angeklagten schweigen dazu, die als Zeugen gehörten Mitglieder der Freeway-Riders wollen die Bedeutung angeblich nicht kennen. „Keine Ahnung, das ist nicht mein Club“, sagte einer von ihnen am Montag vor dem Essener Schwurgericht.

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Von einem „Foto-Geständnis“ kann ohnehin keine Rede sein. Es steht wohl fest, dass das „Kuchen-Bild“ schon lange vor der Tat entstanden ist. „Eine klare Provokation – mehr nicht“, sagte Burkhard Benecken, einer der Verteidiger, am Rande des Prozesses.

Freeway-Rider auf offener Straße erstochen

Den vier Angeklagten wird vorgeworfen, in der Nacht auf den 13. Oktober 2018 den Vize-Präsidenten der Freeway-Riders Hattingen auf offener Straße erstochen zu haben. Außerdem soll die Kutte des Opfers geraubt worden sein – als eine Art Trophäe. Der 64-Jährige hatte damals eine Club-Party in Gelsenkirchen besucht und war auf dem Rückweg auf offener Straße umgebracht worden.

Eine Anwohnerin hatte zwar Lärm gehört und auch Personen gesehen, die mit einem dunklen Auto weggefahren sind. Direkte Augenzeugen gibt es allerdings nicht.

Handy-Spur führte nach Dortmund

Der Dortmunder und seine drei Mitangeklagten waren erst Monate später festgenommen worden. Die Polizei hatte ausgewertet, welche Handys am Tatort eingeloggt waren. Außerdem gibt es offenbar eine Blutspur im Auto des Dortmunders – möglicherweise ein Abrieb von der Kutte. Ob das für eine Verurteilung reicht, ist allerdings noch völlig unklar.

Über die Hintergründe der tödlichen Bluttat kann ebenfalls nur spekuliert werden. Zumindest in Hagen sind die Rockergruppen Freewayriders und Bandidos verfeindet.

Das Opfer war damals am Tatort verblutet. Die Anklage lautet auf Totschlag. Laut Gericht könnte das Urteil im Falle eines Tatnachweises aber auch auf Mord lauten.

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