Roy Black ruhte unterm Dach

Sein Rasierpinsel steht noch im Bad, sein Bühnenanzug hängt ungereinigt im Schrank, sein Bett ist frisch bezogen. Die Erinnerung an Roy Black lebt auf 120 Quadratmetern unterm Dach.

21.01.2008, 19:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Irmgard und Friedhelm Tiemann haben ein Museum für den Schlagersänger eingerichtet, der am Freitag (25.1.) 65 Jahre alt geworden wäre.

Journalisten aller Art geben sich in dieser Woche die Klinke in die Hand in dem schlichten Siedlungshaus im Dortmunder Süden. Nach dem Tod des Sängers - er starb 1991 im Alter von 48 Jahren - avancierte es zur Pilgerstätte für Roy Black-Fans.

Fast 20 Jahre hat Roy Black bei den Tiemanns gewohnt. "Mindestens einmal die Woche war er bei uns, nach oder vor Auftritten", erzählt Friedhelm Tiemann. Meist zog er sofort seinen Hausanzug an und setzte sich als Gerd Höllerich, so der bürgerliche Name des Künstlers, aufs Sofa. Oder an den Küchentisch der Tiemanns. "Gerd hat unheimlich gern gegessen, Grünkohl war sein Leibgericht. Auch Buletten musste ich ihm oft machen", sagt Irmgard Tiemann. Häuslichkeit statt Hotel.

1971 hatte das Ehepaar Tiemann den Schlagerstar bei einem Auftritt in Köln kennen gelernt. Eine Begegnung, die das Leben der Dortmunder von Grund auf veränderte. Roy wurde ein Teil von ihm. Roy wurde Rhythmus. "Urlaub haben wir nie gemacht, wir waren immer für ihn da."

Umgekehrt öffnete der Schlagersänger, der es sich in ihrer bescheidenen kleinen Welt bei Bedarf gemütlich machte, den Tiemanns die Tür zur großen, glamourösen Welt des Showgeschäfts. Die beiden begleiteten ihn ab und an bei seinen Tourneen, residierten in Hotels, "die wir allein nie zu betreten gewagt hätten. Roy hat uns geprägt", urteilt Friedhelm Tiemann (73), der früher als Magazinverwalter bei Hoesch gearbeitet hat, "er hat uns weltoffener gemacht."

Akribisch pflegen die Tiemanns das Andenken an Roy Black. Es soll keinen Staub ansetzen. Es soll strahlen wie der ausgesprochen gut aussehende Sänger, der von den vielen Fotos der Dachgeschosswohnung lächelt. Flankiert von ungezählten Auszeichnungen, Schallplatten, Filmen und Fanartikeln in den Regalen. 53 prallvolle Ordner fassen das Leben des Sängers im Spiegel der Presse; auch dessen tragisches Ende.

Freitag werden die Tiemanns eine ("seine") Kerze anzünden und seinen Liedern lauschen. Vielleicht auch einem seiner größten Hits: "Schön ist es auf der Welt zu sein."

Steffi Tenhaven

Das Roy-Black-Museum der Eheleute Tiemann öffnet sich für Fans nur nach Anmeldung bzw. Absprache unter Tel. 48 40 46.

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