In Corona-Zeiten geht der Trend zu Craft-Bier und hochwertigem Obstbrand

mlzGetränke Rudat

Aufgrund ausgefallener Veranstaltungen und Feiern hat auch der Getränkehandel Rudat die Corona-Krise zu spüren bekommen. Doch anstatt zu sparen, legten die Kunden viel Wert auf Qualität.

Castrop-Rauxel

, 22.09.2020, 17:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hochzeiten werden im kleinen Kreis zelebriert, Betriebsfeste fallen komplett aus und auch private Feiern finden – wenn überhaupt – nur mit einer überschaubaren Gästeanzahl statt. Flossen die Getränke bei solchen Veranstaltungen in der Zeit vor Corona oft in Strömen, so steht der Zapfhahn derzeit meist still. Und das trifft nicht nur die Feierwütigen, sondern auch die Getränkehändler, denen solche Feste in der Jahresbilanz fehlen.

Keine existenzielle Frage

„Als der Lockdown kam, haben wir in den ersten zwei Wochen schon ziemlich bescheiden geguckt“, sagt Christian Rudat, Juniorchef des gleichnamigen Oespeler Getränkehandels. Aber Existenzängste? „Nein“, fügt der 28-Jährige an und klopft auf Holz, „eine existenzielle Frage war Corona bei uns nicht. Wir sind vielmehr glücklich, ganz gut dabei weggekommen zu sein.“

Eine durch und durch positive Sichtweise. Und das, obwohl der Traditionsbetrieb mit über 50-jähriger Geschichte seit jeher viele Veranstaltungen mit Getränken und Equipment wie Zapfanlagen, Bierzeltgarnituren oder Gläsern beliefert. Veranstaltungen, die zuletzt größtenteils ganz ausfielen oder zumindest wesentlich schrumpften.

„Das war schon sehr mau“

„Hochzeiten fanden nicht statt, Betriebe verzichteten aufgrund der Kurzarbeit auf Feiern und auch private Feste fielen vor allem anfangs weg“, sagt Rudat. „Das war schon sehr mau.“

Aber erneut kommen bei dem Juniorchef der Optimismus und auch ein wenig Mitleid für diejenigen Unternehmer durch, deren Auftragslage wegen des Virus gegen Null tendierte: „Man könnte sich theoretisch ja ausweinen, aber tatsächlich sind wir froh, dass unser Geschäft geöffnet bleiben durfte. In der Haut von anderen Geschäftsleuten, für die das nicht galt, möchte ich nicht stecken.“

Viele neue Gesichter im Laden

Zwar fallen Partys noch immer ein, zwei Nummern kleiner aus als in der Vor-Corona-Zeit, doch der Ladenverkauf sei in den vergangenen Monaten verhältnismäßig gut gelaufen. Und sogar ein paar positive Veränderungen stellte Rudat fest: „Gerade während des Lockdowns habe ich viele neue Gesichter im Geschäft gesehen. Da scheinen wir sogar Kunden hinzugewonnen zu haben.“

Ob’s daran lag, dass Kurzarbeiter einfach mehr Zeit zum Shoppen hatten oder Alternativen zum Einkaufsbummel schlichtweg wegfielen? Dafür eine logische Begründung zu finden, gleicht dem Lesen im Kaffeesatz, aber eines weiß Christian Rudat genau: „Die Kunden haben in dieser Zeit sehr auf Qualität geachtet.“

Griff zu teureren Produkten

Gerade bei den Spirituosen, unter anderem bei Obstbränden, sei verstärkt zu hochwertigeren und somit teureren Produkten gegriffen worden. Aber auch bei Weinen stellte der Juniorchef einen Trend zum Qualitäts-Tropfen fest. Und – man höre und staune – selbst beim Bier, des Dortmunders liebstem Kind, bemerkte er eine Veränderung.

Denn die Kunden griffen nicht, wie man aufgrund von Kurzarbeit oder Zukunftsängsten vermuten könnte, zum Billig-Bier, sondern probierten stattdessen Spezialitäten aus. „Craft-Biere liefen gerade in den ersten Wochen besser als sonst“, berichtet der Juniorchef von einem gestiegenen Interesse an Bieren aus kleineren, handwerklich geprägten Brauereien.

Genuss trotz Krise

Warum dem so ist? Rudat zuckt mit den Schultern, um dann aber zumindest eine These zu wagen: „Vielleicht haben die Kunden zum normalen Einkauf noch etwas hinzugenommen. Etwas zum Genießen.“

Mittlerweile normalisieren sich die Nachfrage und das Kaufverhalten aber wieder; und auch die anfänglichen Engpässe mancher Brauereien bei Pfandflaschen und einigen speziellen Produkten gehören heute weitgehend der Vergangenheit an. "Das Geschäft ist noch nicht wieder so wie vorher", sagt der 28-Jährige, "aber es wird besser." Und dabei lächelt der Optimist.


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