Rudel-Radler treten für Frieden im Straßenverkehr in die Pedalen

mlzCritical Mass

Dortmunder Radfahrer bilden an jedem dritten Freitag im Monat eine „kritische Masse“. Im Pulk fahren sie durch die Stadt. Die Gruppe der Rudel-Radler wird immer größer.

Dortmund

, 19.09.2018, 18:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Critical Mass“ heißt die Radfahrer-Bewegung, die vor 30 Jahren in San Francisco an den Start gegangen ist und längst deutsche Großstädte erreicht hat. Mal sind es „nur“ mehrere Hundert Radfahrer, die durch eine Stadt fahren, mal auch Tausende.

In Dortmund nahm die „kritische Masse“ vor acht Jahren beim „Radeln im Pulk“ den Anlauf – jetzt nehmen sie immer mehr Fahrt auf. Wenn mehrere Hundert Radfahrer von der Innenstadt aus in die Bezirke fahren, dürfen sie nebeneinander auf der Straße fahren und als Einheit auch rote Ampeln überqueren. „Wir stören nicht den Verkehr. Wir sind der Verkehr. Von Anfang an war das auf friedliche Koexistenz ausgelegt“, sagt Konrad Tischler als einer der „Critical Mass“-Teilnehmer der ersten Stunde in Dortmund.

Als die Polizei intervenierte

Vor acht Jahren waren es bis zu 30 Radfahrer. 2018 waren es schon 500. Im Sommer. Im Winter. Mit Musik. Ohne Musik. 2012 starteten Unentwegte den Versuch, die Teilnehmerzahl so auszudehnen, dass alle Radfahrer ohne Lücke um den Wall herum fahren können. Die Idee scheiterte, weil die Polizei intervenierte. Inzwischen fährt das Präsidium eine andere Linie: „Lieber Radfahrer auf dem Wall statt Raser“, lautet der Kommentar von Polizeisprecher Gunnar Wortmann. „Inzwischen werden wir freundlich toleriert“, stellt Teilnehmer Christoph Hinz fest.

In Dortmund soll die Zahl steigen

Bis zu 1000 Radfahrer in Wuppertal. Über 1000 in Köln. 3000 in Berlin und über 5000 in Hamburg. Für die Critical-Mass-Bewegung sind diese Zahlen ein Hinweis darauf, dass Radfahrer in der deutschen Verkehrspolitik keine Priorität genießen. „Interessant ist doch: In Städten mit einer guten Verkehrspolitik gerade auch für Radfahrer gibt es keine Critical Mass“, stellt Astrid Wendelstigh fest.

Von drei Teilnehmern an einem kalten Novembertag über 200 und 250 soll die Zahl der Teilnehmer in Dortmund weiter wachsen. Rund 500 war bisher die Spitze. „Fitness und Bewegung stehen ganz hinten an“, sagt Christoph Hinz, es gehe darum, „mit netten Menschen etwas Spaß zu erfahren.“

Sichere Fahrt in der Radfahrer-Menge

Und das geht so: Ohne Anmeldung treffen sich am Friedensplatz in der Dortmunder Innenstadt an jedem dritten Freitag um 19 Uhr die Radfahrer, die nach einigen Aufwärmrunden zu einem für die Masse unbekannten Ziel aufbrechen. Erreicht der Verband eine Kreuzung, wird diese kurz „zugekorkt“, um den motorisierten Verkehr anzuhalten. Schon geht es weiter.

Die Fahrt in der Masse sei „viel sicherer“ als ein Radfahrer im Großstadtverkehr allein, meint Konrad Tischler. In den acht Dortmunder Critical-Mass-Jahren sei noch kein Radfahrer zu Schaden gekommen. Man sei einer von vielen Radfahrern, werde viel besser wahrgenommen und höre das Gehupe der Autofahrer, was aber nicht als Protest zu verstehen sei. „Das Hupen ist Applaus aus Fröhlichkeit heraus“, gibt Christoph Hinz zu verstehen.

Mehr Bürger aufs Rad

Einen starren Verhaltenskodex gibt es nicht, aber eine klare Regel: „Jeder ist für sich verantwortlich“ – und damit für die Masse. „Regeln, die man für sich in Anspruch nimmt, muss man natürlich auch anderen zugestehen“, erklärt Konrad Tischler. Als Radfahrer dazugelernt hat Tobias Stockhausen: „Ich bin zu einem umsichtigeren Radfahrer geworden“, lautet seine persönliche Critical-Mass-Bilanz.

Ein Satz, den langjährige Teilnehmer gerne hören. Denn sie wissen, dass es Dortmunder gibt, die sich im Großstadtverkehr unsicher fühlen und deshalb erst gar nicht aufs Rad steigen. Die Critical-Mass-Bewegung will nicht nur die Verkehrspolitik umleiten, sondern auch mehr Bürger zum Radfahren motivieren.

Critical Mass in Dortmund: An jedem dritten Freitag im Monat ab 19 Uhr auf dem Friedensplatz. Bei jedem Wetter. Keine Anmeldungen. Teilnahme: kostenlos.
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