Als junger BVB-Spieler wohnte Rudi Assauer zwei Jahre lang als Untermieter im Dortmunder Stadtteil Rahm. Sein damals zehnjähriger Zimmernachbar, der Sohn des Vermieters, erinnert sich.

Dortmund

, 08.02.2019, 11:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Armin Emmerich besitzt noch eine alte Postkarte. Vorn 60er-Jahre-Strandidylle. Auf der Rückseite ein kurzer Gruß. „Die besten Urlaubsgrüße aus dem sonnigen Süden sendet Ihnen R. Assauer.

Zehn Jahre alt war Armin Emmerich, als Rudi Assauer bei seinen Eltern einzog. „Meine Eltern hatten zwei Zimmer ihres Hauses möbliert, um sie zu vermieten. Das eine hat Rudi Assauer bezogen, in das andere sollte eigentlich Stan Libuda einziehen. Doch das hat sich zerschlagen“, erinnert sich der 64-Jährige.

Warum, weiß er nicht mehr, aber Libudas Absage war sein Glück. „Denn nun durfte ich das Zimmer neben ihm beziehen.“

Ein distanziertes Verhältnis zum Sohn des Vermieters

Aber obwohl die beiden Wand an Wand wohnten, blieb das Verhältnis der beiden distanziert. „Wir haben uns nicht geduzt. Er war der Herr Assauer und ich der Armin“, sagt Emmerich. „Es gab allerdings auch nicht viele Gelegenheiten für Gespräche.

Denn Herr Assauer ging morgens aus dem Haus und wenn er abends wiederkam, verschwand er sofort in seinem Zimmer. Er hat auch nicht bei uns gegessen.“

„Er war ein sehr netter ruhiger junger Mann“

Armin Emmerichs Mutter Rosemarie sagt: „Der Herr Assauer war ein sehr netter ruhiger junger Mann. Auffällig an ihm war nur sein roter BMW.“ Der war natürlich damals die Sensation in der Siedlung. „Einmal“, erinnert sie sich, „hatte ihm jemand den Außenspiegel abgerissen, da war er ganz traurig.“

Für mehr Reichtümer als einen roten BMW reichte es bei Assauer, der 1964 zum BVB gekommen war, allerdings nicht. „Die haben damals nebenbei gearbeitet. Ich glaube, der Rudi Assauer war bei Hoesch“, berichtet Armin Emmerich.

„Abends hat mir Herr Assauer stolz seine neuen Lederschuhe gezeigt“

Seine Mutter weiß noch, dass Rudi Assauer eines Abends ganz glücklich ins Haus kam. „Da hatte er ein nagelneues Paar schwarze Lederschuhe vom Verein geschenkt bekommen. Das war in den 1960er-Jahren schon etwas Besonderes.“

Und natürlich war Rudi Assauer auch Autogramm-Lieferant für Armin Emmerich. „In der Schule wollten alle Mitschüler, dass ich ihnen Autogrammkarten von den BVB-Spielern besorge“, weiß Emmerich noch ganz genau. „Und Herr Assauer hat sie mir immer mitgebracht.“

Eine Ansichtskarte mit den Autogrammen aller Europapokalsieger

Eines der schönsten Souvenirs ist Armin Emmerich allerdings verloren gegangen: „Nach dem Sieg im Europapokal gegen Liverpool 1966 in Glasgow hat mir Rudi Assauer eine Postkarte mit den Unterschriften aller Spieler geschenkt. Schade, aber die ist irgendwann verloren gegangen.“

Rudi Assauers roter BMW war in den 60er-Jahren die Sensation im Jungferntal

Eine alte Postkarte von Rudi Assauer mit „besten Urlaubsgrüßen aus dem sonnigen Süden“ hat Armin Emmerich heute noch. © Matthias vom Büchel

Überhaupt hatte der Briefträger im Jungferntal wegen Rudi Assauer ganz schön viel zu tun. „Es kamen ganz viele Karten mit Autogrammwünschen bei uns an“, erinnert sich Emmerich. „Einmal hat er dann abends seine Freundin mitgebracht. Die musste ihm beim Beantworten der Post helfen“, weiß Emmerich noch.

100 Mark Miete pro Monat für 16 Quadratmeter

100 Mark pro Monat musste der spätere Schalke-Manager für sein 16 Quadratmeter großes Zimmer bezahlen. Wie die Verbindung zu seiner Familie zustande kam, weiß Armin Emmerich nicht mehr. „Mein Vater Walter war ja viele Jahre SPD-Lokalpolitiker in Huckarde. Vielleicht ist der Kontakt damals über die Partei zustande gekommen“, vermutet Emmerich.

„Damals rauchte er noch keine Zigarren“

Nur einmal konnte Walter Emmerich seinen prominenten Untermieter zu einem öffentlichen Auftritt überreden. „Die SPD hat im Rahmen ihrer Politischen Woche damals ein Radrennen organisiert. Da hat Rudi Assauer den Startschuss gegeben. So wie man ihn kennt, nur ohne Zigarre.“ Und zum Schluss verrät Armin Emmerich noch ein Geheimnis: „Aber Zigaretten hat er schon damals geraucht.“

„Wir haben uns nie wiedergesehen“

1966 zog Rudi Assauer dann in eine eigene Wohnung. „Die Miete für die neue Bleibe hat ein Mäzen übernommen“, berichtet Emmerich. Seit dem Auszug hatte die Familie auch keinen Kontakt mehr zu dem späteren Schalke-Manager. „Mein Vater hat ihn einmal ins Jungferntal eingeladen, aber darauf hat er nicht reagiert. Wir haben uns nie wiedergesehen.“

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