Ruhrallee: Zahl der geblitzten Autos steigt um mehr als 1000 Prozent

mlzTempo 30

Die neuen Verkehrsregeln auf der Ruhrallee sind für viele Autofahrer offenbar immer noch gewöhnungsbedürftig. Es gibt bei Tempo 30 eine große Zahl an Temposündern.

Dortmund

, 02.07.2020, 04:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit dem 24. April gilt Tempo 30 auf der Ruhrallee. Und eine Ampel in Höhe B1 reguliert den Zufluss. Pförtnerampel nennt man dieses Prinzip. Sie soll den Autoverkehr und damit die Belastung mit Stickstoffdioxid verringern, die bislang in diesem Bereich besonders hoch war.

Die Maßnahme ist ein zentrales Element der Vereinbarung, die Stadt, Land und Deutsche Umwelthilfe vor dem Oberverwaltungsgericht geschlossen haben, um die Luftbelastung zu reduzieren.

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Immerhin: Die befürchteten langen Staus vor der Pförtnerampel scheinen bislang auszubleiben. Insgesamt hat sich die Zahl der Fahrzeuge verringert, bilanziert Andreas Meissner, Verkehrsplaner im Stadtplanungsamt. Waren es ab Ende April 2019 bis zum 22. Juni 842.050 Fahrzeuge, fuhren in diesem Jahr in dem knapp zweimonatigen Zeitraum nur noch rund 678.000 über die Ruhrallee in Richtung City.

Genau das war auch beabsichtigt mit der neuen Verkehrsregelung. Wobei die Frage ist, ob die ausbleibenden Staus und der geringere Autoverkehr eher eine Folge der Corona-Krise und des damit verringerten Berufsverkehrs sind.

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Verbessert habe sich aber auch der Verkehrsfluss auf der Ruhrallee mit der neu geschalteten grünen Welle bei Tempo 30, meint Tobias Ricken, Fachmann für Verkehrssteuerung im städtischen Tiefbauamt.

16.000 Tempoverstöße

Für viele Autofahrer ist die neue Tempo-Regelung auf einer der Hauptzufahrtsstraßen in die City aber noch gewöhnungsbedürftig. Denn der Blitzer kurz hinter der B1-Zufahrt in Richtung Innenstadt hat reichlich Verstöße gegen Tempo 30 dokumentiert. Seit Ende April wurden rund 16.000 Autos geblitzt, weil sie schneller als 30 km/h fuhren. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum des Vorjahres fuhren bei damals noch geltendem Tempo 50 an gleicher Stelle nur 1.440 Fahrzeuge zu schnell.

Den Rekord hält ein Autofahrer, der mit 76 statt 30 km/h erwischt wurde. Ihn erwarten ein Bußgeld in Höhe von 200 Euro, zwei Punkte in der Verkehrssünder-Kartei und ein Fahrverbot von einem Monat, berichtet Stadtsprecher Maximilian Löchter.

Tempo 30 gilt seit dem 24. April an der Ruhrallee. Der Blitzer erwischte in den ersten Tagen zahlreiche Temposünder.

Tempo 30 gilt seit dem 24. April an der Ruhrallee. Der Blitzer erwischte in den ersten Tagen zahlreiche Temposünder. © Oliver Volmerich

Die Quote der Temposünder liegt an der Ruhrallee deutlich über dem Durchschnitt. Hier waren vom 28. April bis 22. Juni 15.994 von 678.608 Autos zu schnell unterwegs - das entspricht einer Quote von 2,35 Prozent.

„Falschfahrer“ auf der Umweltspur

Zum Vergleich: Dem Blitzer vor den Westfalenhallen an der B1 gingen im selben Zeitraum „nur“ 0,25 Prozent der gut 1,6 Millionen dort durchfahrenden Autos in die Falle. Wobei hier aber der Temporekord aufgestellt wurde. Ein Auto wurde mit 113 km/h statt der erlaubten 50 km/h geblitzt.

Reichlich Verstöße gibt es auch gegen die neue Verkehrsregelung an der Brackeler Straße, die auch Bestandteil des vor Gericht erzielten Vergleichs ist. Dort gilt bei der Einfahrt zum Borsigplatz ebenfalls Tempo 30. Und es ist eine Umweltspur für Busse, Fahrräder und E-Autos eingerichtet. Seit März 2020 wurden hier mehr als 4.260 Verwarnungen wegen unberechtigter Nutzung erteilt.

Alle Blitzer zusammen bescherten der Stadt in den ersten fünf Monaten dieses Jahres Einnahmen von 526.831 Euro. Ein Anstieg ist dabei aber nicht festzustellen. Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es gut 600.000 Euro.

Der Vergleich hinkt allerdings - weil der Verkehr in der heißen Phase der Corona-Krise deutlich geringer war. Der Ostwall-Außenring mit dem dort stationierten Blitzer war über Wochen auch nur einspurig befahrbar. Der Blitzer am Hiltropwall war im Januar längere Zeit wegen der Blindgänger-Suche am Wall abgeschaltet.

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