Rund jeder fünfte Junge erhält bei Schulanfang Sprachtherapie

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Etwa jeder fünfte Junge in Dortmund erhielt im Jahr 2019 rund um den Schulbeginn eine Sprachtherapie. Bei den gleichaltrigen Mädchen waren es etwas weniger.

von Julien März

Dortmund

, 28.08.2020, 14:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für 20,7 Prozent der sechsjährigen Jungen in Dortmund hieß es zum Schulanfang nicht nur lesen, rechnen und schreiben zu lernen, sondern auch das richtige Sprechen. Bei den gleichaltrigen Mädchen waren es 17,4 Prozent, wie die AOK Nordwest in einer Pressemitteilung bekannt gab.

„Das kann als Hinweis verstanden werden, dass viele Kinder heute offensichtlich Expertenhilfe benötigen, um die anstehenden schulischen Herausforderungen meistern zu können“, sagt AOK-Serviceregionsleiter Jörg Kock.

Bei Kindern mit Entwicklungsstörungen der Sprache oder des Sprechens werden Sprachtherapien überwiegend ab einem Alter von vier Jahren verordnet. In Dortmund erhielten bereits 8,3 Prozent der vierjährigen Jungen eine Sprachtherapie. Bei den Mädchen lag der Anteil bei 4,4 Prozent.

Am meisten werden die Therapien im Alter von fünf bis sieben Jahren in Anspruch genommen, der Schwerpunkt liege eindeutig bei den sechsjährigen Kindern, sowohl bei den Jungen als auch bei den Mädchen, heißt es in der Pressemitteilung.

Konstant hohes Niveau

Laut AOK Nordwest sind die Verordnungswerte für Therapien bei sechsjährigen Kindern schon seit mehreren Jahren auf einem sehr hohen Niveau. Seit dem Jahr 2015 erhielt jeder fünfte Junge in der Region Westfalen-Lippe eine Sprachtherapie zum Zeitpunkt seiner Einschulung. Im gleichen Zeitraum erhielt ungefähr jedes sechste Mädchen eine Sprachtherapie.

17,4 Prozent aller sechsjährigen Mädchen in Dortmund mussten im Jahr 2019 zum Schulbeginn nicht nur lesen, rechnen und schreiben lernen, sondern auch das richtige Sprechen.

17,4 Prozent aller sechsjährigen Mädchen in Dortmund mussten im Jahr 2019 zum Schulbeginn nicht nur lesen, rechnen und schreiben lernen, sondern auch das richtige Sprechen. © AOK/hfr

Auffällig ist zudem, dass Dortmund unter dem Durchschnitt der Region Westfalen-Lippe liegt. Der Anteil der Kinder, die eine Sprachtherapie erhalten, wird nach der Zeit des Schuleintritts geringer.

Mehrere mögliche Ursachen

Über die möglichen Ursachen der starken Verbreitung von sprachtherapeutischen Behandlungen rund um den Schuleintritt wird in der Fachwelt seit Jahren diskutiert. Eine Erklärung ist, dass sich die in diesem Alter angemessenen sprachlichen Fähigkeiten bei den Kindern verschlechtert haben.

Es wird aber auch ein Wandel der Anforderungen von Schule und Elternhaus an die Kinder beobachtet. Doch auch ärztliches Diagnoseverhalten und Therapiemöglichkeiten unterliegen kontinuierlichen Veränderungsprozessen und liefern damit eine mögliche Erklärung für die hohen Zahlen.

Vorlesen und Lesen statt fernsehen

„Auch wenn Sprachtherapien helfen können, Defizite der kindlichen Entwicklung positiv zu beeinflussen, sollten Verhaltens- und verhältnispräventive Maßnahmen in Kindergärten und Schulen sowie im Elternhaus wie beispielsweise das gemeinsame Lesen oder Vorlesen statt fernzusehen in ihrer Wirkung nicht unterschätzt werden. Dies kann helfen, Entwicklungsstörungen schon in frühen Jahren vorzubeugen“, so Jörg Kock.

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