Sankt Reinoldi bekommt zwei neue Orgeln statt der alten – für 2,5 Millionen

mlzEvangelische Kirche

Völlig marode war die alte Orgel von St. Reinoldi. Jetzt bekommt die Kirche gleich zwei neue. Das geht ordentlich ins Geld - und der Umbau wird lange dauern.

Dortmund

, 17.02.2020, 14:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein großes Loch klafft oberhalb des Durchgangs zwischen Kirchenschiff und Kirchturm von St. Reinoldi. Der Blick geht nun direkt in den Turmraum - und gibt den Blick auf einen Spitzbogen frei, der bislang unbekannt war. Denn der Freiraum war bislang von der Orgel der Reinoldikirche verdeckt.

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Die ist im Sommer vergangenen Jahres abgebaut worden. Denn die altgediente Walcker-Orgel aus den 1950er Jahren war marode. So marode, dass sich nach Ansicht der Experten auch eine Sanierung nicht mehr lohnte. Deshalb soll die evangelische Stadtkirche nun eine neue Orgelausstattung bekommen. Und das ist langwierig und teuer. Bis 2021 werden 2,5 Millionen Euro investiert.

Gottesdienste ohne Orgel

Die Folgen des Umbaus haben Besucher der Reinoldikirche schon zu spüren bekommen. Im Sommer 2019 war die Kirche lange Zeit geschlossen, später im Herbst nur zeitweise geöffnet. Denn schon der Ausbau der alten Orgel war kompliziert. „Sie bestand aus Hundertausenden Einzelteilen, die abgebaut werden mussten“, berichtet Susanne Kideys als Architektin des Evangelischen Kirchenkreises.

Auch in den Gottesdiensten fällt das Fehlen der Orgel auf. Denn die können nun nur mit dem Klavier begleitet werden. Und auch Chöre und Bläser-Kreis kommen nun öfter zum Einsatz.

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Aktuell ist St. Reinoldi wochentags zumindest vormittags wieder geschlossen. Die Kirche wird grundgereinigt. „So gründlich wie seit der Wiedereröffnung 1956 nicht mehr“, schätzt Reinoldi-Pfarrer Michael Küstermann. Es gilt, beste Voraussetzungen für die neuen Orgeln zu schaffen.

Neue Orgeln? Richtig. St. Reinoldi hat künftig zwei Orgeln. Zusätzlich zum großen Instrument an der Turmseite wird über dem Südosteingang eine Chororgel eingebaut. Sie fungiert als kleineres Teilinstrument der neuen Orgelanlage, die von der Firma Mühleisen aus dem schwäbischen Leonberg gebaut wird, und thront auf einem stählernen Unterbau, der wie ein Tor an den Eingang gebaut wird.

Eine neue Chororgel

Die Bauarbeiten dafür beginnen voraussichtlich im März. „Die Chororgel steht schon in Kisten verpackt bereit und wird dann in die Stahlhülle hineingebaut“, erklärt Susanne Kideys. Bis Ende Juli soll sie spielfertig sein und wenig später dann auch Gottedienste begleiten können.

570 Orgelpfeifen wird das neue Instrument haben. Zum Vergleich: Die neue Hauptorgel wird über 4230 Pfeifen verfügen, aufgeteilt auf 63 Register. 20 Register werden aus der alten Walcker-Orgel wiederverwendet.

Große Orgel hinter Glas

Für den Einbau wurde vom Hamburger Architekten Prof. Bernhard Hirche ein besondere Konstruktion entwickelt. Über dem Durchgang zum Turmraum entsteht eine Orgelempore aus Glas und Metall, zum Turmraum eine große Glaswand, die den Blick auf die Orgelpfeifen ermöglicht. „Alles wird transparent“, verspricht Susanne Kideys.

Die Seitenflügel der Orgel schweben vom Kirchenschiff aus gesehen gewissermaßen an der Wand, können nur über ausklappbare Brücken von der Empore aus erreicht werden. Neben einem Spieltisch auf der Empore gibt es einen weiteren elektronischen Spieltisch, der im Kirchenraum frei bewegt werden kann. Mit ihm kann auch die Chororgel gespielt werden, erklärt Küstermann.

Stimmen der Orgel braucht Zeit

Klanglich und gestalterisch soll die neue Orgel an die hochgerühmte Walcker-Orgel von 1909 anknüpfen, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Bis sie aber wieder klingt, wird noch einige Zeit vergehen. Im Frühjahr 2021 soll die neue Orgelempore gebaut und die Orgel aufgebaut werden.

Dann muss sie vor Ort gestimmt werden. Orgelbaumeister und weitere Experten prüfen den Klang jeder einzelnen der 4230 Pfeiffen. Voraussíchtlich im Sommer oder Herbst 2001 kann die neue „Königin der Instrumente“ in St. Reinoldi dann wieder erklingen.

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