Schatzsuche mit Dave Phipps

Stockumer Straße

Der Uhrzeiger stand Fünf vor Zwölf, aber sonst war fast alles kaputt an der französischen Taschenuhr von 1800, die Dave Phipps aus der Erde buddelte. Für den Sondengänger war die Uhr ein Zeichen: "Mein Leben stand immer 5 vor 12", sagt der Metallsucher. Er sucht mit Genehmigung der Bezirksregierung und im Auftrag von Dortmunds Archäologen. Wir haben ihm bei der Arbeit über die Schulter geschaut.

DORTMUND

, 07.03.2015, 00:12 Uhr / Lesedauer: 1 min
David Phipps bei der Schatzsuche auf einem Feld an der Stockumer Straße.

David Phipps bei der Schatzsuche auf einem Feld an der Stockumer Straße.

David Phipps, genannt Dave, steht auf einem Feld an der Stockumer Straße, der Metalldetektor in seiner Hand brummt, schon am Klang hört er „das ist bestimmt wieder nur ein rostiger Nagel“, sticht mit dem Spaten ins Erdreich und bückt sich. Phipps krümelt lehmigen Boden durch die Finger, gut belüftet dank zahlreicher Regenwürmer und zack, da steckt er: ein fünf Zentimeter langer, rostiger Eisennagel. Archäologisch wertvoll? Oh nein.

David Phipps über seine Spurensuche:

„Was glauben Sie, was die Leute alles wegschmeißen“, sagt der Experte und holt dann aus seiner Tasche ein paar Prachtstücke, die vor weit über 100 Jahren verloren gingen. Zwei Silbermünzen sind darunter, ein Kronentaler aus Österreich von 1794 und ein Reichsmark-Stück aus reinem Silber von 1875, das heute einen Wert hat von 9 Euro. Dave Phipps hatte die kohlrabenschwarz-oxidierten Silberschätze aus der Felderde gefischt, aber auch eine zerbrochene Pfeife aus empfindlichem Delfter Porzellan.

Aus dem Acker buddelte der gebürtige Engländer außerdem über 100 Bleiplomben. Je älter diese Relikte zur Versiegelung sind, desto weißer verfärbt liegen die Bleistückchen im Erdreich. Zu welchen Zwecken die Plomben aus dem 19. Jahrhundert verwendet wurden, können Archäologen nur mutmaßen. 

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Auf Spurensuche mit Sondengänger David Phipps

Der Uhrzeiger stand Fünf vor Zwölf, aber sonst war fast alles kaputt an der französischen Taschenuhr von 1800, die Dave Phipps aus der Erde buddelte. Für den Sondengänger war die Uhr ein Zeichen: "Mein Leben stand immer 5 vor 12", sagt der Metallsucher. Er sucht mit Genehmigung der Bezirksregierung und im Auftrag von Dortmunds Archäologen. Wir haben ihn bei der Suche begleitet.
06.03.2015
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Eindrücke von der Spurensuche mit David Phipps.© Foto: Dieter Menne
Eindrücke von der Spurensuche mit David Phipps.© Foto: Dieter Menne
Eindrücke von der Spurensuche mit David Phipps.© Foto: Dieter Menne
David Phipps bei der Schatzsuche auf einem Feld an der Stockumer Straße.© Foto: Dieter Menne
Eindrücke von der Spurensuche mit David Phipps.© Foto: Dieter Menne
Eindrücke von der Spurensuche mit David Phipps.© Foto: Dieter Menne
Eindrücke von der Spurensuche mit David Phipps.© Foto: Dieter Menne
Eindrücke von der Spurensuche mit David Phipps.© Foto: Dieter Menne
Eindrücke von der Spurensuche mit David Phipps.© Foto: Dieter Menne
Eindrücke von der Spurensuche mit David Phipps.© Foto: Dieter Menne
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Ein- bis zweimal in der Woche zieht der 63-Jährige mit seiner Sonde los. Der gebürtige Londoner darf das, was nicht jeder darf: nach Metall suchen. Das Suchgen hat Phipps von seinem Vater, der im Zweiten Weltkrieg Mienensucher in Italien und Nordafrika war.

Sechs Jahre in der englischen Armee

Sechs Jahre war Dave Phipps in Diensten der englischen Armee in Brackel stationiert, dort, wo jetzt der BVB trainiert. Vier Kinder zog er alleine groß, schlug sich nach seiner Militärzeit durch in einer Spedition und als selbstständiger Gärtner, durchlitt mehrere Herzinfarkte und schwere Operationen und erinnert dabei an die Taschenuhr, seinem bisher bedeutendsten Fund: „Mein Leben, immer steht‘s auf 5 vor 12.“

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