Scheidender Küster Wistop: „Ich hatte oft Tränen in den Augen“

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Lilli Schönleben heißt die neue Küsterin in der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Asseln. Sie löst Birger Wistop ab, der seit 20 Jahren diese Position innehatte.

Asseln

, 21.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der evangelisch-lutherischen Gemeinde Asseln steht ein Küsterwechsel an. Lilli Schönleben, die bereits seit dem 1. Dezember in der Gemeinde tätig ist, löst Birger Wistop ab, der seit knapp 20 Jahren Küster der Gemeinde ist.

Birger Wistop (63), ein gelernter Bäcker, gibt zu, dass ihm der Abschied nicht leicht falle, je näher er rücke. Zu viele emotionale Erlebnisse verbinde er mit dieser Zeit. Und wenn der jeweilige Pfarrer nicht greifbar gewesen sei, haben die Menschen ihn angerufen, um mit ihm über ihre Sorgen und Nöte zu sprechen. Birger Wistop sagt. „Ich habe nah am Wasser gebaut und musste immer mal wieder mit den Tränen kämpfen.“ Ganz am Anfang zum Beispiel, als es drei Beerdigungen an einem Tag gegeben habe. Als er dann gesehen habe, dass einer der Särge ein Kindersarg war, sei es um ihn geschehen gewesen.

Taufen und Hochzeiten als schöne Erinnerungen

Lieber erinnert er sich an die schönen Dinge: Taufen und Hochzeiten zum Beispiel. Einmal sei eine Familie so arm gewesen, dass sie zu Fuß und in normaler Straßenkleidung zur Kirche kommen musste. Seine Frau Karen, die ebenfalls lange in der Gemeinde angestellt war, habe noch schnell einen Blumenstrauß vom Rewe für sechs Euro besorgt. Das sei dann noch sehr schön geworden. Auch seine eigene Taufe, die damals Einstellungsvoraussetzung war, habe er in lebhafter Erinnerung, weil er gemeinsam mit seiner Tochter getauft wurde. Nur ins Taufbecken heben wollte der Pfarrer ihn damals nicht. Als Bäcker habe er wegen einer Backmittelallergie nicht weiterarbeiten können.

Scheidender Küster Wistop: „Ich hatte oft Tränen in den Augen“

Die Lutherkirche in Asseln ist ein ortsteilprägendes Gebäude für den östlichen Dortmunder Stadtteil. © Andreas Schröter

Birger Wistop will künftig wieder häufiger angeln gehen, seinen Garten pflegen und zum Campen an die Ostsee fahren. Außerdem freue er sich auf das erste Heiligabend seit 20 Jahren ohne die Hektik, die er an diesem Tag immer gehabt habe.

Eine gelernte Tischlerin

Nachfolgerin Lilli Schönleben, die 1993 aus Kasachstan nach Deutschland kam und heute in Körne lebt, ist gelernte Tischlerin. Das sei angesichts der vielen handwerklichen Arbeiten, die sie als Küsterin zu erledigen habe, von großem Vorteil. Ein Küster sei fast so etwas wie ein Hausmeister, nur dass es auch noch viele lithurgische Aufgaben zu erledigen gelte, wie den Paramenten-Wechsel und viele andere Dinge, die auch mit den ganz speziellen Traditionen der jeweiligen Gemeinde zu tun haben. Lilli Schönleben: „Das ist deutlich vielseitiger als der Beruf der Tischlerin.“ Sie ist verheiratet und hat einen Sohn.

Birger Wistop wird am Sonntag (26.1.) in einem Gottesdienst um 14 Uhr gemeinsam mt dem Gartenarbeiter Dietmar Jahn in der Lutherkirche am Asselner Hellweg 118 verabschiedet. Letzterer war auch als stellvertretender Küster tätig. Zugleich wird Lilli Schönleben eingeführt.

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