In der Schleswiger Straße ereignete sich am Dienstagabend (15.12.) eine Massenschlägerei, zu der mehrere Polizei- und Rettungswagen anrückten. © Karsten Wickern
Schleswiger Viertel

Schlägerei mit Holzlatten in der Nordstadt: „Jeden Tag ist hier was los“

In Dortmunds Nordstadt hat es erneut eine größere Schlägerei gegeben. Die Angst der Anwohner wächst. Die Zustände werden immer schlimmer, sagen sie. Die Polizei sieht das anders.

Im Schleswiger Viertel in der Dortmunder Nordstadt hat es am Dienstagabend gekracht – und zwar ordentlich. Nach Polizeiangaben prügelten sich rund 30 Personen. Zwei Menschen wurden festgenommen. Die Ursache für die Auseinandersetzung ist noch unklar.

Passiert das hier öfter? „Öfter? Jeden Tag ist hier was los. Die Gegend hier ist schlimm. Drogen, Diebstahl. Es ist das gewohnte Bild“, sagt ein Mittdreißiger, der im Supermarkt in der Schleswiger Straße arbeitet.

Die Straße scheint ein heißes Pflaster zu sein: Auch im Juni 2019 ereignete sich in der Schleswiger Straße eine Massenschlägerei mit 80 Personen.

Scherben auf Bürgersteigen prägen das Bild

„Wir sind hier im Drogenkiez. Die Polizei bekommt die Zustände nicht in den Griff“, sagt der Supermarkt-Mitarbeiter, der seit einiger Zeit in Brackel lebt, aber in der Nordstadt groß geworden ist.

Müllberge häufen sich vor dem Haus in der Schleswiger Straße, in der sich am Dienstagabend eine Massenprügelei ereignet hat.
Müllberge häufen sich vor dem Haus in der Schleswiger Straße, in der sich am Dienstagabend eine Massenprügelei ereignet hat. © Maximilian Konrad © Maximilian Konrad

Am Tag danach ist von der Prügelei, bei der auch Holzlatten als Waffen eingesetzt wurden, nichts mehr zu sehen. Vor dem Haus, in dessen Nähe die Auseinandersetzung ausgetragen wurde, häufen sich die Müllberge. Aber das scheint hier kaum einen zu interessieren – genauso wie die Scherben, die das Bild der Bürgersteige prägen.

Viele stehen am Straßenrand und quatschen miteinander, andere machen ihren Einkauf im nahegelegenen Supermarkt, Familien sind mit ihren Kindern auf dem Spielplatz – der nur ein Steinwurf vom Ort des Geschehens entfernt ist.

„Krücken bei Prügelei eingesetzt“

Ein paar Meter weiter auf der gegenüberliegenden Straßenseite erzählt ein junger Mann, vielleicht um die 20, von seinem Vater. „Mein Vater hat Angst, vor die Tür zu gehen. Er befürchtet, vielleicht irgendwann einmal Opfer einer Attacke zu werden. Auch mache ich mir große Sorgen um ihn.“

Er berichtet von seinem Lebensweg: Schule abgeschlossen, dem Papa ein Auto gekauft und wenig später seinen eigenen Kiosk eröffnet. Gerade kommen Kinder rein und kaufen Süßigkeiten. Die Schlägerei habe er auch mitbekommen. „Das waren aber nicht 30 Leute. Das waren eher so sechs oder sieben, die auf einen los sind. Dabei haben sie auch Krücken eingesetzt. Die Polizei war dann aber recht schnell da.“

Dieser Spielplatz liegt direkt neben dem Ort des Geschehens.
Dieser Spielplatz liegt direkt neben dem Ort des Geschehens. © Maximilian Konrad © Maximilian Konrad

Der junge Mann findet, dass es in letzter Zeit schlimmer geworden ist. Er vermutet, dass es auch mit Corona zusammenhängt.

Polizei: Delikte gehen zurück

Trotz der Schilderungen der Anwohner und Gewerbetreibenden sagt Gunnar Wortmann von der Polizei Dortmund. „Die Entwicklung in der Nordstadt ist positiv. Sicher ist die nördliche Innenstadt ein belasteter Stadtteil, aber kein Hotspot. Die Anzahl der Straftaten geht in den vergangenen Jahren zurück.“

Eine Statistik vom Juni dieses Jahr zeigt, dass die Gesamtzahl der Straftaten seit 2016 von 14.459 Fällen auf 10.669 im Jahr 2019 sank. Im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um 1180 Fälle – und damit um zehn Prozent, im Vergleich zu 2016 sogar um 26 Prozent.

Soziale Konflikte vorprogrammiert

Der Supermarkt-Mitarbeiter von der Schleswiger Straße meint, dass sie im Laden Diebstähle oder andere Taten eher selbst regeln, als die Polizei zu rufen. „Wenn wir etwas mitbekommen, sprechen wir mit den Leuten ein ernstes Wort und sie wissen dann schon Bescheid. Die Polizei tut meiner Meinung nach zu wenig. Meist werden nur die Namen notiert und dann kommt der erhobene Zeigefinger – das war´s.“

Polizeisprecher Wortmann meint dazu: „Was Diebstähle betrifft, haben wir in den Läden selbst wenig Handhabe. Die Geschäfte sollten das für sich klären. Wir können eine Anzeige aufnehmen, aber mehr können wir nicht tun.“

Er ergänzt zudem, dass soziale Konflikte bei Menschen aus 140 Nationen auf engem Raum vorprogrammiert seien. Trotzdem versuche die Polizei mit „Präsenzmaßnahmen und viel Manpower“ die Delikte, die vor allem dem Drogenmilieu und der Clan-Kriminalität zuzuordnen sind, immer weiter zu bekämpfen.

Über den Autor
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Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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Maximilian Konrad

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