Die Stadt muss strenger gegen Falschparker vorgehen. Die bisherigen Maßnahmen reichen nicht aus – zumindest, wenn man sich die Praxis in Dortmund mal genauer anschaut. Ein Meinungsbeitrag.

Dortmund

, 08.07.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Immer wieder rückt sie an. Eine ganze Armada von Abschleppfahrzeugen. Sie nehmen Pkw an den Haken, die in der Silberstraße parken. In einem verkehrsberuhigten Bereich, wie das Schild an der Einfahrt zu dem Straßenabschnitt am Kreisverkehr vor der Thier-Galerie deutlich macht. Ein Schild, das landäufig als Hinweis auf eine „Spielstraße“ bezeichnet wird.

Verkehrsberuhigter Bereich bedeutet: Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger sind hier gleichberechtigt. Und eine der Regeln zu Zeichen 325.1 der Straßenverkehrsordnung lautet: „Wer ein Fahrzeug führt, darf außerhalb der dafür gekennzeichneten Flächen nicht parken, ausgenommen zum Ein- oder Aussteigen und zum Be- oder Entladen.“

Regel ist oft nicht bekannt

Als Parkraum gekennzeichnete Flächen sucht man in der Silberstraße vergebens. Und so parken viele Autofahrer am Rand der Straßenfläche, an der Schaufensterseite der Thier-Galerie - und riskieren so, abgeschleppt zu werden. Das Problem: Manche, vor allem jüngere Autofahrer, geben an, das Parkverbot in Spielstraßen gar nicht zu kennen, wie Mitarbeiter des Ordnungsamtes berichten.

Abzocke, schimpfen deshalb die Einen. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, argumentieren die anderen. Und dass sich so langsam herumgesprochen haben müsste, dass das Parken hier nicht erlaubt ist.

Das stimmt grundsätzlich. Doch wäre es angesichts der weit verbreiteten Unwissenheit nicht sinnvoller, Aufklärung zu leisten, statt Abschleppwagen zu schicken?

Das gilt besonders für den Bereich der Silberstraße etwas weiter östlich. Hier, auf der anderen Seite des Kreisverkehrs, ist die Silberstraße frisch umgebaut worden. Und das auch nur halb. Weil das neue Pflaster bis zum Kirchentag im Juni nicht mehr komplett verlegt werden konnte, ist die Hälfte der Fläche bislang nur provisorisch asphaltiert.

Verschwunden sind indes schon die Parkplätze, die es bis vor wenigen Wochen noch rechts und links der Fahrbahn gab. Und so stellen viele Autofahrer ihren Pkw in alter Gewohnheit hier ab.

Anders als weiter westlich vor der Thier-Galerie, wo unter Umständen große Entfluchtungsflächen vorgehalten werden und deshalb Parkverstöße geahndet werden müssen, gibt es hier noch nicht einmal Sicherheitsgründe, die ein so konsequentes Vorgehen erfordern. Denn hier durften bis vor wenigen Wochen noch ungerührt Autos parken. Verändert hat sich nur der Straßenuntergrund, nicht die Nachbarbebauung.

Geänderte Regeln

Einen Hinweis, dass sich die Regeln hier geändert haben und aus der Straße ein verkehrsberuhigter Bereich wurde, liefert indes nur das Spielstraßen-Schild an der Einfahrt. Ich finde: Natürlich ist die Stadt nicht verpflichtet, besser auf die neue Regelung aufmerksam zu machen. Aber es wäre ein fairer Zug, zumindest vorübergehend augenfälliger auf die Änderung und den drohenden Abschlepphaken aufmerksam zu machen.

Ein solcher Service ist an anderer Stelle durchaus üblich - etwa, wenn sich eine Vorfahrtsregelung geändert hat und man nun statt auf einer Vorfahrtsstraße zu fahren auf die Rechts-vor-Links-Regelung achten muss. Hier dürfte sogar jeder Autofahrer die Regel kennen - sie wird bei einer plötzlichen Änderung nur nicht immer wahrgenommen. Deshalb sind zusätzliche Schilder, die zumindest vorübergehend auf die Neuerung aufmerksam machen, richtig und sinnvoll. Genau das macht den Unterschied zwischen obrigkeitsstaatlicher Behörde und einer Verwaltung als Dienstleister im Sinne des Bürger aus.

Aus alter Gewohnheit

Schwer verständlich ist die Konsequenz, mit der das Ordnungsamt in der Silberstraße vorgeht, auch angesichts des Gleichmuts, mit denen Parkverstöße an anderen und deutlich sensibleren Stellen geduldet werden. Anwohner im Kreuzviertel oder anderen dichtbebauten Innenstadt-Quartieren haben täglich mit zugeparkten Gehwegen zu kämpfen. Nicht selten müssen Fußgänger hier auf die Straße ausweichen, um voranzukommen.

Mehr Konsequenz würde man sich auch wünschen, wenn Radwege zugeparkt werden. Hier gefährden Falschparker akut die Verkehrssicherheit, wenn Radler auf die Fahrbahn ausweichen müssen. Die fehlende Falschparker-Kontrolle auf Radwegen ist so regelmäßig einer der Hauptkritikpunkte von Radfahrern beim Fahrradklima-Test des ADFC.

Wir können nicht überall sein, das Personal ist knapp, lautet meist die Reaktion der Verwaltung bei Forderungen nach mehr Kontrolle. Deshalb muss es heißen: Geht dahin, wo es wirklich nötig ist. Und informiert dort, wo es für viele nicht offensichtlich ist, dass sie sich falsch verhalten. Das wäre dann bürgerorientierte Verwaltung.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt