Extremwetterfolgen

„Schlimmstes Ereignis meines Lebens“: Dortmunderin erlebte Jahrhundertflut im Urlaub

Noch immer zeigt sich in vielen Orten das dramatische Ausmaß des Extremwetters. Eine Dortmunderin musste aus einer stark betroffenen Region evakuiert werden - und möchte nun „Danke“ sagen.
Die Dortmunderin Dorothea Neuhaus hat zum Zeitpunkt des Starkregens in der Region Ahrweiler Urlaub gemacht. © Privat

„Ich hab nicht an den Tod gedacht, nur daran, dass ich das nie überwinden kann“, sagt Dorothea Neuhaus, nachdem sie aufgrund der Flutkatastrophe aus einem Hotel evakuiert werden musste. Die Dortmunderin befand sich zum Zeitpunkt des Unwetters in Bad Neuenahr, eine der stark vom Unwetter betroffenen Regionen.

Von den Fluten eingeschlossen musste sie mit den anderen Hotelgästen mehrere Stunden im Hotel ausharren. Die Situation hat starke Auswirkungen auf sie gehabt – doch behält sie einiges durchaus positiv in Erinnerung.

Urlaub sollte eigentlich Entspannung bringen

Am Dienstag (13.7.) ist Dorothea Neuhaus von Dortmund aus mit dem Zug aufgebrochen. Acht Tage Urlaub in Bad Neuenahr standen ihr bevor, „du wolltest doch mal Entspannung“, habe ihr eine Freundin noch gesagt. Doch hielt die erhoffte Entspannung nicht lange an – sondern endete jäh mit dem Eintreten des Starkregens am Mittwoch (14.7.).

„Nachts ging dann der Alarm“, erinnert sich die 74-Jährige, da habe die Rezeption im Erdgeschoss bereits unter Wasser gestanden, „und keiner wusste so genau, wohin.“

„Da kann ein Mensch nichts gegen ausrichten“

Von dem Moment an saßen die Hotelgäste fest, während der Wasserpegel stieg. „Das ganze Hotel stank nach Diesel wegen der Dämpfe“, so Neuhaus.

Inmitten der Flut stand das Hotel, in dem die Dortmunderin für ihren geplanten Urlaub in Bad Neuenahr unterkam.
Inmitten der Flut stand das Hotel, in dem die Dortmunderin für ihren geplanten Urlaub in Bad Neuenahr unterkam. © Neuhaus © Neuhaus

Außerhalb des Hotels, nur wenige Meter unter dem Fenster, sei die Flut gewesen. „Da schwamm eine Matratze vorbei mit solch einer Geschwindigkeit, da war schon klar: Da kann ein Mensch nichts gegen ausrichten.“

Ihr Dank gilt den jungen Mitarbeitern des Hotels

Ein Lichtblick seien für sie in der Situation vier Auszubildende des Hotels gewesen, die sich „wirklich in herausragendster Weise um uns gekümmert haben“, berichtet Neuhaus. „Die sind die ganze Zeit treppab, treppauf, um uns Gäste zu versorgen“, so die 74-jährige Dortmunderin.

Doch trotz aller Mühen haben die besagten Auszubildenden erst nach zehn Stunden zumindest Trinkwasser für die Eingeschlossenen auftreiben können. Mehr Verpflegung gab es kaum: Die Hotelküche sei bereits von den Wassermassenzerstört gewesen.

Evakuierung verlief beschwerlich

Rund 20 Stunden habe es letztlich gedauert bis zur Evakuierung. Denn für Boote sei die Strömung bis dahin zu stark gewesen, erzählt Neuhaus. „In den Berichten im Fernsehen sieht man immer glattes Wasser. Aber man empfindet das in Wirklichkeit ganz anders. Der beste Schwimmer hätte da keine zehn Meter geschafft, so tosend war das.“

Inmitten der Flut stand das Hotel, in dem die Dortmunderin für ihren geplanten Urlaub in Bad Neuenahr unterkam.
Inmitten der Flut stand das Hotel, in dem die Dortmunderin für ihren geplanten Urlaub in Bad Neuenahr unterkam. © Neuhaus © Neuhaus

Als die Flut schließlich zurückgegangen war, haben die eingeschlossenen Hotelgäste über den Zugang eines Modegeschäfts im Erdgeschoss das Gebäude verlassen können, erzählt Neuhaus. „Die Scheiben waren eingedrückt, außer Schlamm und Glassplittern war da nichts mehr“, fügt sie hinzu.

Busse sollten schließlich die Hotelgäste aus dem Flutgebiet heraus ins nahegelegene Bonn bringen. Doch der Weg zu den Bussen sei beschwerlich gewesen. Die 74-Jährige hat bereits mehrere Operationen am Knie hinter sich und Probleme beim Treppensteigen. „Aber ein Azubi hat mich unterm Arm gegriffen und gestützt“, sagt sie und betont erneut ihre Dankbarkeit gegenüber den jungen Hotelmitarbeitern.

Das Erlebte hinterlässt Spuren

„Schockstarre“, so beschreibt die Dortmunderin die Wahrnehmung der Situation inmitten der Fluten rückblickend. „Ich hab den Krieg nicht mehr mitgekriegt. Aber das ist das schlimmste Ereignis meines Lebens gewesen.“

Abgesehen davon, dass all ihr Gepäck im Hotel in Bad Neuenahr zurückgeblieben ist, wird sie das Erlebte auch aus anderen, mentalen Gründen noch weiter beschäftigen. „Ich bin von der ganzen Sache schon ziemlich mitgenommen“, sagt sie. Was zunächst wichtig sei, sei „das Streben nach Normalität“.

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