Schon wieder Baum eingestürzt – die Ursache ist beunruhigend

mlzAn der B1

Mehrere Bäume sind binnen weniger Tage zerbrochen und auf die Straße gestürzt, diesmal auf die B1. Das Tiefbauamt ist alarmiert. Im Kreuzviertel müssen Bäume gefällt werden.

Dortmund

, 17.10.2019, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lars Terme vom Tiefbauamt mausert sich zum Medienprofi. Allerdings ungewollt. Wieder ist am späten Dienstagabend ein Baum plötzlich zerborsten, dieses Mal eine Kaukasische Flügelnuss am Westfalendamm/Ecke Obere Brinkstraße. Sie stürzte über zwei Fahrbahnen auf die B1. Zum Glück ist niemandem etwas passiert.

Wieso zerbrechen plötzlich Straßenbäume in Dortmund? „Das ist der Klimawandel“, sagt Lars Terme. Der hat zumindest im Fall der Kaukasischen Flügelnuss an der B1 das Pilzwachstum im Inneren begünstigt. Dieses Mal war es der Wulstige Lackporling, ein Schwächeparasit, der den nur scheinbar jungen, vitalen, neuneinhalb Meter großen Baum von innen an der Haltewurzel faulen ließ und fällte.

Bei der letzten Baumkontrolle unauffällig

Der Fruchtkörper als äußeres sichtbares Zeichen für das Pilzmyzel, das im Inneren gewütet hat, war durch den Stamm und neue Triebe verdeckt - und wurde so bei der letzten Baumkontrolle am 7. Januar 2019 nicht entdeckt. Er sei unauffällig gewesen, sagt Terme. Ein Nachbarbaum dagegen musste damals einige Äste lassen und wurde geschnitten.

Die beiden letzten trockenen Sommer seien Stress für die Bäume gewesen, erläutert Bezirksmeister Terme. Die Kaukasische Flügelnuss habe es offensichtlich nicht geschafft, an statisch neuralgischen Punkten zusätzliches Holz anzulagern und sich so zu verstärken. Auch deshalb habe sich der Baum vielleicht nicht länger gegen den Parasiten-Pilz wehren können, vermutet Terme. Zumal dieser feuchte, aber warme Oktober ideale Lebensbedingungen für Pilze biete.

Eigentlich ein klimafester Baum

Dieser letzte Baumbruch ist auch deshalb so alarmierend, weil es sich bei der Kaukasischen Flügelnuss um einen stadtklima-resistenten, windfesten Baum handelt, der normalerweise mit Trockenheit und Abgasen wie an der B1 gut zurecht kommt. „Der hat Orkane wie Kyrill und Ela überstanden“, sagt Terme. Mit seinen relativ bodennahen Ästen sei er keinen Windlasten ausgesetzt. „Dass so eine Baumart auch versagt, ist selten und untypisch.“

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Der Zucker-Ahorn, dem am vergangenen Sonntag an der Liebigstraße im Kreuzviertel die gesamte Krone abbrach, war vom Flachen Lackporling befallen – nicht der einzige betroffene Baum in der Liebigstraße. Bei Kontrollen mit Leitern wurde der Befall jetzt an allen Zucker-Ahornen entdeckt, sieben weitere an der Zahl. Auch sie werden gefällt, kündigt Terme an.

Würde die Stadt ein Totalfungizid als Schädlingsbekämpfungsmittel spritzen, würden auch die Pilze abgetötet, die für ein aktives, intaktes Bodenleben und damit für die Baumgesundheit wichtig sind, so der Bezirksmeister. Also keine Lösung. Beim Tiefbauamt denke man jetzt über zusätzliche Baumkontrollen nach.

Die Japanische Flügelnuss als enge Verwandte der Kaukasischen Flügelnuss steht auf der Liste der Zukunftsbäume der Stadt Dortmund. Allerdings wird diese Liste aufgrund von gesammelten Erfahrungen permanent fortgeschrieben und gegebenenfalls verändert.
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