Schottergärten in Körne: „Hier ist jetzt Wüste“ - Edeltraud Moneke (86) macht mobil

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Grauer Schotter anstelle von bunten Blumen: Im Vorgarten der Seniorenresidenz „Alloheim“ sieht es wüst aus. Edeltraud Moneke wohnt nicht da, ärgert sich aber. Nicht nur über diesen Garten.

Körne

, 03.09.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bäume rund um das „Alloheim“ versinken gerade im Schotter. Bis zu den Fensterbänken im Untergeschoss häufen sich die großen, grauen Steine im Vorgarten der Seniorenresidenz am Bertholdshof.

Anwohnerin Edeltraud Moneke geht hier täglich vorbei. „Da bekommt man ja Schüttelfrost“, sagt die 86-Jährige. „Keine Blumen, nix. Was ist das denn für ein Anblick? Auch für die Leute, die dort wohnen. Die haben immer vorne auf der Bank gesessen, im Grünen. Und jetzt ist hier eine Schotterwüste.“

Im Schotter gibt es keine Nahrung für Insekten

Edeltraud Moneke wohnt seit 53 Jahren in Körne. Sie mag die bunten Blumen auf ihrem Balkon und den Gartenteich hinter ihrer Mietwohnung. Sie beobachtet aber auch, dass sich in ihrem Stadtteil immer mehr Vorgärten in versiegelte Schotterflächen verwandeln – ein Phänomen, das nicht neu ist und in Zeiten des Klimawandels mittlerweile auch politisch diskutiert wird.

Schottergärten in Körne: „Hier ist jetzt Wüste“ - Edeltraud Moneke (86) macht mobil

Edeltraud Moneke ist 86 Jahre alt. Sie mag Blumen gern. Und schüttelt den Kopf über versiegelte Steinflächen. © Martina Niehaus

In manchen Neubaugebieten ist es inzwischen sogar untersagt, Schotterflächen anzulegen. Denn Stein-, Schotter- und Pflasterflächen heizen sich im Sommer stark auf, bieten keine Nahrung für Insekten und keine Unterschlupfmöglichkeiten für Vögel.

„Früher war hier ein grüner Rasen, Bäumchen und Sträucher. Jetzt sieht es hier aus wie eine Schutthalde“, sagt die Anwohnerin. Auch ihre Nachbarin von gegenüber, die ihren Namen aber nicht nennen möchte, findet den Anblick schrecklich. Nicht nur an der Seniorenresidenz, sondern auch am benachbarten Hotel sei wenig Grün im Vorgarten zu finden.

Schottergärten in Körne: „Hier ist jetzt Wüste“ - Edeltraud Moneke (86) macht mobil

Viele Vorgärten in der Umgebung verabschieden sich von Gras und Pflanzen. Doch auch auf „pflegeleichtem“ Belag sammeln sich Blätter. © Martina Niehaus

Die großen Steine ärgern Edeltraud Moneke auch, weil sie sie für gefährlich hält: „Wenn jetzt jemand hier anfängt, Scheiben einzuwerfen oder Autos zu verkratzen, muss man sich nicht wundern. Das sind ja richtige Wurfgeschosse“, schimpft sie. Und fügt hinzu: „Nach dem Krieg musste ich als Zwölfjährige genug Schutt schleppen. Ich kann sowas echt nicht mehr sehen.“

Gärtnerarbeiten sollen im Oktober starten

Doch für die Schotterwüste gibt es offenbar eine Erklärung: „In den vergangenen Monaten ist das Gebäude unserer Einrichtung kernsaniert worden, wovon auch das Außengelände betroffen war. Die Restarbeiten am Außengelände wurden dabei vor genau einer Woche abgeschlossen“, erklärt die Leiterin der Seniorenresidenz, Cornelia Lüdicke, auf Anfrage. Im nächsten Schritt sei die Anlage und Gestaltung eines Gartens geplant.

Es sei ein Landschaftsgärtner beauftragt, „der im Oktober, dem üblichen Monat zur Bepflanzung, den Garten anlegen wird“, heißt es in der schriftlichen Antwort der Seniorenresidenz. Geplant sei ein Mottogarten „mit bunter und abwechslungsreicher Bepflanzung mit Bäumen, Büschen, Blumen und Rasen“, zählt Cornelia Lüdicke auf. Auch ein großer Olivenbaum werde dabei sein.

„Wenn nichts passiert, stelle ich selber eine Hortensie da hin“

Auf die Nachfrage, ob die Bewohner der Residenz über die Art der Gartengestaltung informiert worden seien, antwortet Lüdicke, dass man die „Wünsche unserer Bewohner eingeholt“ habe. Und dass sich alle auf den neuen Garten freuen würden.

Schottergärten in Körne: „Hier ist jetzt Wüste“ - Edeltraud Moneke (86) macht mobil

Im Vorgarten der Seniorenresidenz "Alloheim" liegen momentan nur graue Schottersteine. © Martina Niehaus

Die Schottersteine, erklärt die Leiterin weiter, seien lediglich „im Vorfeld dieser Gartenbauarbeiten“ aufgebracht worden. Edeltraud Moneke bezweifelt allerdings, dass der „Motto-Garten“ auch im Vorgartenbereich auftaucht. „Der Garten der Residenz ist eigentlich im Innenhof. Aber viele der Bewohner sitzen gerne vorne auf der Bank. Ich bin gespannt, ob auch hier bunte Blumen wachsen werden“, sagt die Anwohnerin.

Spätestens im Oktober werden die Anwohner am Bertholdshof erfahren, ob der Landschaftsgärtner auch den an der Straße gelegenen Bereich der Residenz gestalten wird. „Wenn hier vorne nichts passiert, stell ich selbst eine Hortensie da hin“, kündigt Edeltraud Moneke jetzt schon an.

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