Schüler entfernen in Marten Neonazi-Propaganda

mlzAktion gegen Rechts

Gut 40 Dortmunder Schüler haben im Stadtteil Marten am Donnerstag Aufkleber mit rechten Parolen entfernt. Es war ein ungewöhnlicher „Frühjahrsputz“ mit Symbolwirkung an einem speziellen Tag.

Marten

, 28.03.2019, 17:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist eine Art „Putzdemonstration“, die an diesem Nachmittag des 28. März durch den Stadtteil Marten zieht. Das Dortmunder Bündnis gegen Rechts führt solche Aktionen, bei denen mit Putzmittel und Kratzer rechte Propaganda-Aufkleber entfernt werden, seit einigen Jahren an verschiedenen Stellen durch.

Für das Treffen in Marten hatten die Organisatoren die Heinrich-Böll-Gesamtschule als Kooperationspartner angefragt. An der Lütgendortmunder Schule fand sich laut der Lehrer schnell eine große Gruppe von Schülern, die freiwillig beim Nachmittagstermin mitmachen wollten. Von Oberstufenschülern bis zu Fünftklässlern sind rund 40 Jugendliche mit dabei.

„Das war für mich selbstverständlich. Ich bin in der Anti-Rassismus-AG, wohne in Marten und mache auch sonst Aufkleber ab, wenn ich sie sehe“, sagt eine 15-Jährige. Viele der Schüler, die mitmachen, wohnen in Marten. Sie möchten nach eigener Aussage zeigen, dass ihr Bild vom Stadtteil ein anderes ist, als es die rechten Aktivisten zeichnen wollen.

Hohe Dichte an Aufklebern mit rechter Propaganda

Tatsächlich zeigt sich schnell, dass die Dichte an Aufklebern aus dem rechten Spektrum hoch ist. Mitglieder des Bürgervereins „Martener Forum“ beklagen seit einigen Monaten Farbschmierereien und Bedrohungen und „ein Klima der Angst“.

Marten ist ein Hauptbetätigungsfeld der so genannten Aktionsgruppe Dortmund-West. Im Stadtteil hielt sich auch Steven F. auf, gegen den am Mittwochmorgen ein Prozess am Amtsgericht Dortmund begann.

Die Polizei begleitet den Ausflug, was für einige Schüler sichtbar eine ungewohnte Situation ist. Zu Störungen kommt es nicht.

Häuserwände sind wegen Eigentumsrechten tabu

Die Jugendlichen bekommen Sprühflaschen und Kunststoffkratzer in die Hand. Häuserwände sind tabu, weil hier die Rechte der Eigentümer gelten. Nach dem Rundgang durch mehrere Straßen bleiben immer noch viele Sticker kleben. Und aller Voraussicht nach dürfte es nicht lange dauern, bis die freigekratzten Stellen wieder überklebt sind.

Doch die Aktion hat Symbolwert und sie passt noch aus einem anderen Grund zu diesem 28. März: An diesem Datum starb vor 14 Jahren der Dortmunder Punker Thomas Schulz an der U-Bahn-Haltestelle Kampstraße durch Messerstiche eines Rechtsradikalen. Eine Tat, die daran erinnert, welche Folgen extremistischer Hass haben kann.

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