Schulbeginn und Abitur: Klare Forderungen von Dortmunds Stadteltern

mlzSchule und Corona

Wie und wann die Unterricht wieder aufgenommen wird, soll nach Ostern entschieden werden. Dortmunds Stadteltern haben dazu klare Forderungen – und sehen auch Gutes in der Corona-Krise.

Dortmund

, 08.04.2020, 05:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Durch die Corona-Krise steht der Schulbetrieb seit Mitte März still – und das mindestens noch bis zum 20. April. Nach Ostern soll wohl die Entscheidung der Länder fallen, wann und wie der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden soll.

„Ich glaube, wir wissen mittlerweile alle, dass nicht alle Schüler wieder am 20. April normal starten können“, sagt Anke Staar, Vorsitzende der Stadteltern Dortmund im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Die Frage ist nicht wann, sondern wie“

„Die Frage ist nicht wann, sondern wie“, sagt sie zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs. Die Frage sei: „Wie kann das gelingen, mit größtmöglichem Schutz aber auch größtmöglichem Nutzen“, meint Staar.

Dabei geht es um verschiedene Aspekte: Wie kann der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden? Wie sollten die Abschlussprüfungen dieses Schuljahres geregelt werden? Oder auch die allgemeine Frage der Digitalisierung der Schulen.

Alles vor dem Hintergrund der zentralen Position der Stadteltern: auf kurze, aber auch lange Sicht eine Chancengleichheit zu schaffen.

Wie kann der Unterricht starten?

„Aufgrund der Abstandsregel ist klar – der Unterricht kann nicht für alle Schüler/innen gleichzeitig beginnen – ein schrittweises Vorgehen wird notwendig sein“, formulieren die Stadteltern in einem langen Schreiben. Dieses schrittweise Vorgehen bedeute auch: „Bestimmte Jahrgänge sollten bevorzugt starten.“

Anke Staar, Vorsitzende der Stadteltern.

Anke Staar, Vorsitzende der Stadteltern. © Sarah Rauch

„Es muss doch machbar sein, dass wir den Schüler als Mensch betrachten.“

Damit seien vor allem „die ganz Kleinen“ gemeint, sagt Staar. Die, die sich noch nicht selbstständig Lernmaterial beschaffen können und deshalb in so einer Situation auch nicht unbedingt in der Lage seien, autonom zu lernen. Also: Kindergarten- und Grundschulkinder.

Sonst werde die „Kluft zwischen den Kindern, wo die Eltern den Stoff vermitteln können und denen, wo das nicht geht, zu groß“, sagt Anke Staar dazu. Da gehe es um elementare Dinge wie Lesen oder Rechnen lernen.

Das Thema Abiturprüfungen birgt Zündstoff

Nicht viel Verständnis zeigen die Stadteltern für die derzeitige Regelung der Abschlussprüfungen: Im Gesetzentwurf zur Pandemie gebe es die Option, die zentrale Abschlussprüfung nach der 10. Klasse – als odie Prüfung zum Erlangen der mittleren Reife – entfallen zu lassen oder durch dezentrale Schulklausuren zu ersetzen.

Abiturprüfungen sollen hingegen in NRW, Stand jetzt, am 12. Mai 2020 beginnen. Heiße das also, das Abitur sei mehr Wert als andere Abschlüsse? Im Endeffekt sei das Abitur auch nur ein weiterführender Abschluss, meint Staar. Die Abiturprüfungen binden ihrer Meinung nach so viele Kräfte, dass die anderen Schüler darunter leiden müssen.

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Chancengleichheit – eine zentrale Position

„Es muss machbar sein, dass wir den Schüler als Mensch betrachten. Die Abiturienten haben jetzt schon zwei Drittel der Leistung erbracht“, plädiert Staar dafür, für die aktuellen Abiturprüfungen eine andere Lösung zu finden – um nicht zu sagen: sie ausfallen zu lassen. Die Vornoten und Zensuren der jüngeren Vergangenheit, die besagte zwei Drittel der Endnote ausmachen, könnten genügen.

Und weiter sagt sie: „Chancengleichheit muss für alle gelten.“ Und damit kommt sie zur zentralen Position der Dortmunder Stadteltern.

Aus der Krise lernen

Chancengleichheit bezieht sich etwa auf das große Thema der Digitalisierung an Schulen – und die bereits länger bestehende Forderung nach Leih-Endgeräten für die Schüler, damit sie in ihren Bildungsmöglichkeiten nicht mehr so auf die finanzielle Situation des Elternhauses angewiesen seien. Und letztlich die Möglichkeiten, ein virtuelles Klassenzimmer zu schaffen.

Beim Thema Chancengleichheit sieht Staar auf lange Sicht nicht nur die Chance, für die Schule etwas Gutes aus der Corona-Krise zu ziehen. Auch für das soziale Miteinander könne man lernen. Jetzt werde deutlich, „wo wir Chancen-Ungleichheit haben“ - und wo man ansetzen könne.

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