Kein richtiges nächstes Schuljahr? Lehrerin: „Das wäre der Super-GAU“

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Das Schulsystem steht seit Wochen auf dem Kopf und wird für einige Zeit nicht auf die Füße kommen. Eine Dortmunder Lehrerin erzählt, was es bedeutet, unter den neuen Bedingungen zu arbeiten.

Dortmund

, 13.05.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Mitte März hat sich nicht nur für Tausende Schüler, sondern auch für Lehrer in Dortmund der Alltag komplett gewandelt. Die Dortmunder Grundschullehrerin Monika Stöcker-Haag erzählt, wie sie die vergangenen Wochen zwischen Distanzlernen und langsamer Rückkehr zur Normalität erlebt.

Sie und viele ihrer Kolleginnen haben parallel die Notbetreuung in der Aplerbecker Grundschule organisiert und den Distanzunterricht für die anderen Schüler aufrechterhalten. „Es macht mich deshalb fassungslos, dass von Seiten des Ministeriums lange so getan wurde, als hätten wir nichts gemacht“, sagt Monika Stöcker-Haag.

Arbeiten mit einer „Besenstiel-Länge“ Abstand

Seit dem 8. Mai arbeitet die Deutsch-, Mathe-, Sport- und Sachkunde-Lehrerin der Aplerbecker Grundschule wieder mit Kindern in den Klassenräumen der „Gelben Schule“, mit einer „Besenstiel-Länge“ Abstand, wie sie hier sagen.

„Ich sehe meine Schüler noch sieben Mal bis zu den Ferien, vier Stunden pro Tag. Das ist dann wiederum Zeit, die fehlt, um das Homeschooling vorzubereiten“, sagt Monika Stöcker-Haag.

Denn die Unterrichtsvorbereitung hat sich komplett verändert. Die Aplerbecker Lehrerin verschickte Aufgaben in den ersten Wochen per E-Mail, seit zwei Wochen ist ihre Schule auch an das Bildungsportal „iServ“ angebunden. Es gibt Lernpläne, nach denen sich Lehrer richten können, aber sie können auch individuelle Arbeitsblätter entwerfen.

Spezialaufgaben mit „Smarties“ bringen Abwechslung

Um Abwechslung hinein zu bringen, hat Stöcker-Haag zum Teil kleine Spezialaufgaben eingestreut – zuletzt etwa das Schätzen des Inhalts einer Packung „Smarties“, damit Viertklässler ein erstes Gefühl für Statistik bekommen. Sie hielt mit vielen Familien persönlich Kontakt, überreichte Aufgaben über den Gartenzaun oder am Fenster.

„Ich muss ständig ein Auge auf E-Mails, Apps und Lernplattformen haben, ständig auf dem Sprung sein, auch abends“, sagt die Grundschullehrerin.

Probleme machen ganz simple technische Dinge. Etwa, dass auf eine Aufgabe über „iServ“ nur 6 von 27 Schülern antworten, weil manche die Bearbeitung per E-Mail verschicken und das System dies nicht zählt.

„In der Grundschule ist Präsenz nicht zu ersetzen“,

Sich darauf einzustellen, dass dieser Wechselzustand noch bis weit ins nächste Schuljahr ab August anhält, fällt der Grundschullehrerin im Moment noch schwer. „Wenn es kein richtiges Schuljahr geben würde, wäre das der Super-GAU.“ Sie sagt: „In der Grundschule ist Präsenz nicht zu ersetzen“.

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Zugleich ist es aus ihrer Sicht notwendig, Schulen technisch besser auszustatten und ein Konzept für das digitale Lernen zu entwerfen.

Wann kommen die 150 Euro für jedes Kind - und wohin damit?

Ein Hilfsprogramm des Bundes von 150 Euro für jeden Schüler ist beschlossene Sache. „Viele Eltern fragen, wann und wie man etwas damit machen kann. Wir können aber bisher nichts antworten, weil wir nichts wissen“, sagt Monika Stöcker-Haag.

Innerhalb der Stadtverwaltung gibt es nach Informationen dieser Redaktion Pläne, Schulen besser auszustatten und Modellprojekte zur Medienkompetenz zu starten. Dabei soll vor allem die digitale Teilhabe von Kindern aus einkommensschwachen Familien verbessert werden.

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Viele Detailfragen, wie etwa datenschutzrechtliche Fragen bei der Benutzung von Videochat-Programmen, die über US-Server laufen, oder der Nutzung von Cloud-Diensten kommen dabei jetzt gerade erst auf.

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