Schulleiterin fühlt sich alleingelassen: Sie kämpft seit Jahren für einen Sozialarbeiter

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Die Dortmunder Grundschulleiterin Sabine Wahrenburg fordert schon lange Unterstützung: Ein Schulsozialarbeiter soll ihr Team komplettieren. Und sie ist nicht die Einzige, die auf Hilfe wartet.

Marten

, 10.12.2019, 15:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 2014 ist Sabine Wahrenburg Grundschulrektorin in Dortmund. Vorher hat sie eine Bielefelder Grundschule geleitet. „Als ich hier angefangen habe, haben wir unser pädagogisches Konzept komplett neu entwickelt“, sagt Wahrenburg. „Ich habe ein tolles Team.“

Allerdings sei das Team der Steinhammer-Grundschule in Marten auch eines, in dem eine Fachkraft eindeutig fehle: ein Schulsozialarbeiter.

Bereits 2016 hat Sabine Wahrenburg einen Antrag für einen Schulsozialarbeiter bei der Stadt Dortmund eingereicht. Seitdem habe sie unzählige Male an ihren Antrag erinnert. „Aber es hieß immer, es seien keine Stellen und kein Geld da.“

Durchschnittlich bis zu fünf Kinder pro Klasse sind auffällig

Momentan beanspruche die Arbeit, die ein Schulsozialarbeiter übernehmen könnte, mindestens ein Viertel ihrer Arbeitszeit, sagt Wahrenburg. Auch die Klassenlehrer seien stark eingebunden.

„Inzwischen sind die Kolleginnen und ich oft mehr mit der Lösung von Problemfällen beschäftigt als mit dem eigentlichen Kerngeschäft – dem Unterricht“, schrieb die Schulleiterin bereits 2016 in ihrem Antrag, der unserer Redaktion vorliegt.

Schulleiterin fühlt sich alleingelassen: Sie kämpft seit Jahren für einen Sozialarbeiter

Die Steinhammer-Grundschule in Marten hat aktuell knapp 160 Schüler. © Carolin West

„Unsere Kinder sind toll, aber bei manchen haben wir fast täglich mit Respektlosigkeit, körperlichen Übergriffen oder Familienproblemen zu tun“, sagt Sabine Wahrenburg.

Im Durchschnitt zeigen bis zu fünf Kinder pro Klasse emotionale und soziale Auffälligkeiten. Darunter seien auch Kinder, die aus Krisengebieten geflüchtet und teils traumatisiert sind.

Lehrer an der Steinhammer-Grundschule können nicht alles auffangen

Die Lehrer gäben ihr Bestes, könnten aber nicht das Gleiche leisten wie ein Schulsozialarbeiter, der ein Profi auf seinem Gebiet sei und mehr Zeit mitbringe, sagt Wahrenburg.

„Ein Schulsozialarbeiter kommuniziert auf einer ganz anderen Ebene mit den Kindern und Eltern, lernt sie anders kennen und hat andere Möglichkeiten, zu helfen.“ Sein Knowhow könnte an der Schule sehr wertvoll sein. Die Unterstützung in Problemfällen und in der OGS sowie Ansprechpartner für Bildung und Teilhabe zu sein, seien mögliche Tätigkeitsfelder.

„An meiner ehemaligen Schule hat der Sozialarbeiter eine Eltern- und eine Kinder-Sprechstunde angeboten“, erzählt Wahrenburg. „Manchmal ist es für Eltern und Schüler wichtig, dass wir Lehrer nicht alles sofort mitbekommen.“

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Derzeit hat die Steinhammer-Grundschule zwei sozialpädagogische Fachkräfte, die sich aber nur um die Förderung der Schüler neben dem Unterricht kümmern und den jüngeren den Übergang vom Kindergarten auf die Grundschule erleichtern sollen.

„Die beiden sind eine große Bereicherung für uns“, sagt Sabine Wahrenburg. Dennoch: Ein Schulsozialarbeiter fehle an allen Ecken und Enden.

Die Stadt will sich um neue Stellen bemühen

Derzeit stehen 26 Dortmunder Schulen auf der Warteliste für einen Sozialarbeiter. „Die Stadt Dortmund hat im Jahr 2011 insgesamt 23 Stellen für Schulsozialarbeit an Grundschulen eingerichtet“, sagt Stadt-Pressesprecherin Katrin Pinetzki.

Verglichen mit stadtweit 89 Grundschulen ein Tropfen auf den heißen Stein. „Die Stadt Dortmund würde es sehr begrüßen, wenn die Sozialarbeit an allen Schulen, die entsprechenden Bedarf haben, eingerichtet werden könnte.“

Das Land NRW sei hier in der Verantwortung, die Finanzierung und Ausstattung der für die Schulen wichtigen Stellen sicherzustellen. Zumindest habe das Land zum Schuljahr 2017/18 in Dortmund weitere Stellen finanziert, die sich speziell um neu zugewanderte Kinder kümmern.

„Aber das reicht nicht aus. Die Stadt wird nun auf die Schulaufsicht zugehen und prüfen, ob und wie der Bedarf an der Steinhammer-Grundschule gedeckt werden kann“, verspricht Katrin Pinetzki.

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