Auch im Lockdown zur Schere greifen? Für einige Kunden und Frisöre ist es offenbar eine Frage des Preises. © picture alliance / dpa
Friseure im Lockdown

Schwarzarbeit: „Manchen ist es egal, wenn ein Haarschnitt 300 Euro kostet“

Wieso schneiden Friseure auch im Lockdown Haare, obwohl es verboten ist? Ein Ladenbesitzer aus Dortmund weiß, welche Summen angeboten werden. Und ab wann er Verständnis für Kollegen hat.

„Momentan lege ich für meine Mitarbeiter noch die Hand ins Feuer.“ – Dass da jemand zuhause Haare schneidet, obwohl die Friseursalons geschlossen bleiben müssen? Der Chef ist sich sicher: Seine eigenen Leute nicht.

Seit vielen Jahren hat er sein Geschäft in Dortmund, es sei gut gelaufen die letzten Jahre. So gut, dass er seinen Mitarbeitern das Kurzarbeitergeld aus eigener Tasche habe aufstocken können.

Im Frühjahr geschlossen, im Sommer offen, jetzt wieder zu

Natürlich habe Corona 2020 auch seinen Laden getroffen, so wie die ganze Branche. Im Frühjahrs-Lockdown mussten Friseure schließen. Später im Jahr gab es viele Regeln, neue Abläufe, viel Desinfektion und so viel Abstand, wie es eben möglich ist, wenn einer dem anderen die Haare schneidet.

Kostenfaktoren waren das für die Geschäfte, die dann im Dezember wieder schließen mussten. Aber er wolle nicht meckern, sagt der Mann. Der Kampf gegen das Virus sei nun einmal wichtiger – so bitter es auch sei. Lieber ein wirklicher Lockdown, ein Erfolg gegen das Virus, um dann umso rascher wieder öffnen zu können.

„Ich mache das nicht, auf keinen Fall“

Seinen Namen möchte der Mann nicht öffentlich lesen. Und das liegt daran, was er auch zu berichten weiß. Natürlich gebe es auch jetzt Friseure, die Haare schneiden – trotz des Verbots. Und das habe mehrere Gründe.

Zum einen seien da die Wünsche der Kunden. Auch ihn hätten schon Stammkunden kontaktiert, Freunde, Bekannte. Ob er nicht mal.. ?

„Ich mache das nicht, auf keinen Fall“, stellt der Dortmunder klar. Selbst bei der eigenen Familie möchte er aus gutem Grund nicht zur Schere greifen: „Was für ein Signal sende ich denn damit aus, wenn meine Kinder als einzige frisch geschnittene Haare haben?“

Es geht um die Vorbildfunktion

Es gehe um die Vorbildfunktion, da ist der Dortmunder derselben Meinung wie der Chef des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks. Der hatte unlängst öffentliche Kritik an den Profis der Fußball-Bundesliga geübt. Schon erstaunlich, wie frisch deren Haare aussähen.

Mittlerweile der Konter vieler Vereine: Die Spieler könnten das selbst oder hätten Freundinnen oder Frauen, die frisieren könnten. Ist das realistisch?

Der Friseur aus Dortmund winkt ab. Lieber möchte er ganz allgemein etwas dazu sagen. Von einem Kollegen wisse er, welche Summen den Friseuren angeboten werden, um im Lockdown vorbeizukommen oder im Laden bei heruntergelassenen Läden zur Schere zu greifen. „Es gibt halt auch Menschen, den es egal sein kann, wenn ein Haarschnitt 300 Euro kostet.“

Was, wenn der Lockdown bis April verlängert wird?

Doch um so viel Geld mag es gar nicht in allen Fällen gehen. „Die Kollegen müssen ja einfach ihre Miete und ihre Autos weiter bezahlen.“ Seine Mitarbeiter hätten für Dezember und Januar noch Geld bekommen, mehr sogar, als er zwingend hätte zahlen müssen.

„Aber wenn der Lockdown verlängert wird, vielleicht bis März oder April, dann ist der Punkt erreicht, an dem ich für meine Mitarbeiter auch nicht mehr die Hand ins Feuer lege.“

Der Frisör bekommt vom Kunden auch Applaus

Wie denn auch? Keine Einnahmen, dann eine Anfrage zur Schwarzarbeit? Dass sich einige aus der Branche dazu hinreißen lassen würden – das sei doch ganz klar. „Auch wenn es natürlich total falsch ist“, verdeutlicht der Dortmunder.

Letzten Endes spielten eine Menge kleinerer Gründe mit hinein: „Wenn wir den Haarschnitt gemacht haben, ist es, wie wenn der Vorhang im Theater fällt.“ Dann gebe es Applaus von den Kunden. Die Sehnsucht nach diesem sozialen Kontakt in Zeiten der Vereinsamung sei nicht zu unterschätzen.

Trotzdem, was sich der Dortmunder wünscht: mehr gesellschaftlichen Druck. Es müsse einfach klar sein: Ein Haarschnitt jetzt, das ist unsolidarisch.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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