„Schweinerei“ oder nötig? – Dortmunder diskutieren über Polizeidrohnen

Coronavirus

Ist es in Ordnung, dass die Polizei Kameradrohnen einsetzt, um das Kontaktverbot zu überwachen? Dortmunder Bürger diskutieren diese Frage aktuell hitzig.

Dortmund

, 20.04.2020, 13:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine Polizistin lässt eine Kameradrohne steigen (Symbolbild).

Die Polizei lässt seit einiger Zeit Kameradrohnen steigen (Symbolbild). © picture alliance/dpa

Die Polizei schickt am Osterwochenende Kameradrohnen über Parks, und etliche Dortmunder fragen sich: Ist das eine notwendige Kontrolle zur Einhaltung des Kontaktverbotes oder ein nicht gerechtfertigter Eingriff in die Privatsphäre?

Unser Autor Kevin Kindel forderte die Polizei in einem Kommentar auf, das Filmen wie im Tremoniapark über Ostern zu beenden, als sich viele Dortmunder auf der Wiese gesonnt haben und nicht wussten, wessen Drohne da gerade über ihren Köpfen fliegt.

„Wer halbnackt in die Öffentlichkeit geht, scheint ja eh kein Problem damit zu haben, so gesehen zu werden“, schreibt ein Facebook-User als Reaktion im entsprechenden Posting unseres Facebook-Kanals. Die Drohnen überwachten schließlich öffentliche Orte.

„Sie sollten sich schämen!“

Ein anderer User weist auf die technischen Möglichkeiten moderner Drohnen hin. „Die Drohnen haben eine hochauflösende Kamera an Bord. Mit dieser ist es möglich in Wohngebäude und Gärten zu blicken, und genau aus diesem Grund ist ja auch der private Einsatz von Drohnen stark eingeschränkt.“

In ihrem Recht auf Privatsphäre eingeschränkt fühlt sich eine Dortmunderin. In einem Brief an Polizeipräsident Gregor Lange, der dieser Redaktion vorliegt, schildert sie, dass am Ostersonntag eine Drohne der Polizei zweimal über ihren Garten und den ihrer Nachbarn gekreist sei.

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Sie habe Angst verspürt, „weil man nicht weiß, ob die Drohne nicht bewaffnet ist und von einem psychopathischen Terroristen gelenkt wird oder von einem geifernden Spanner“, schreibt sie.

Seit Ostern fühle sie sich wie nach einem Wohnungseinbruch. „Für diese Stasimethoden fehlt mir jegliches Verständnis. Herr Lange, Sie sollten sich schämen!“

Soziale Medien kein Problem, Drohnen aber schon?

Während andere Facebook-User den Einsatz der Polizei als „erbärmlich“ oder „Schweinerei“ bezeichnen, zeigen die meisten Dortmunder Verständnis für das Vorgehen.

„Der Einsatz von Drohnen dient unserer Sicherheit und sichert der Polizei eine schnelle und effektive Handlungsfähigkeit“, schreibt einer.

Ein anderer User berichtet davon, dass der Einsatz notwendig gewesen sei. „Denn leider gab es viel zu viele Gruppen in den Parks, die sich bedauerlicherweise in diesen Tagen nicht an die Abstandsregeln gehalten haben.“

Ein anderer User erinnert: „Die gleichen Bürger, die diese Drohnen als Eingriff in die persönliche Freiheit verteufeln, posten in den sozialen Medien täglich private und teilweise intimste Details ohne das Gefühl zu haben die persönliche Freiheit einzuschränken.“

„Wenn es, wie in dieser Krise, um Menschenleben geht“, schreibt wiederum ein anderer User, „ist alles gerechtfertigt“.


Anmerkung der Redaktion: Rechtschreibfehler in den Original-Zitaten haben wir für diesen Artikel korrigiert, um das Verständnis und die Lesbarkeit zu gewährleisten.

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