Schwertkämpfe direkt neben der Reinoldikirche – das ist der Grund

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Haufenweise Waffen mitten in der Innenstadt, und jeder kann sie nutzen: Eine Dortmunder Gruppe hat sich eine besondere Aktion einfallen lassen.

Dortmund

, 14.08.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

An der Reinoldikirche vorbei, das Smartphone in der Hand. Das Klirren von Metall auf Metall. Geräusche, die direkt aus einem Mittelalterfilm entsprungen sein könnten. Und plötzlich findet man sich selbst mitten in einem Schwertkampf wieder: So kann es Passanten in der Dortmunder Innenstadt am Samstag (24.8.) ergehen. Der Verein Tremonia Fechten hat sich hier eine auf den ersten Blick kuriose Aktion ausgedacht:

Von 10 bis 18 Uhr können Passanten gegen eine Spende auf sechs eingegrenzten Flächen im Dreieck zwischen Peek&Cloppenburg, Burgerking und Backwerk Kurzunterricht in historischen Kampfkünsten nehmen, wie einer der Organisatoren, Jan Hoffmann, erklärt.

Ob mit Schwertern, Stangenwaffen oder anderem Kampfgerät. Das Ganze läuft unter dem Titel „Fight against... 2019“.

Auch Kinder können kämpfen

Die offizielle Bezeichnung für die Sportart, die hier dann öffentllich praktiziert wird, lautet in Deutschland ‚Historisches Fechten‘. „Wir sagen aber eigentlich lieber ‚Historische europäische Kampfkünste‘, damit es nicht mit dem Fechten, wie die meisten es kennen, verwechselt wird“, sagt Jan Hoffmann, der selbst Trainer in eben jenen Kampfkünsten ist.

Der Begriff Fechten hat den gleichen Ursprung wie das englische Wort „to fight“ (dt. kämpfen). „Das muss also nicht mit dem Säbel sein. Man kann auch ohne Waffe fechten“, sagt er.

Sechs Trainer des Vereins unterrichten auf den Flächen von etwa 20 bis 25 Quadratmetern. Auch für Kinder ab 9 Jahren bringt der Verein Ausrüstung mit.

„Haufenweise“ Waffen mitten in der Innenstadt

Waffen mitten in der Innenstadt und das „haufenweise“, wie Hoffmann sagt, dem spontan keine genaue Zahl einfällt. Viele unterschiedliche Waffen und davon „jeweils zwei, drei, vier Stück“.

Schwertkämpfe direkt neben der Reinoldikirche – das ist der Grund

Ob Metallklinge oder Übungswaffe aus Nylon. Die Kämpfer von Tremonia Fechten haben einiges im Gepäck. © Wilco Ruhland

Nicht verwunderlich, dass die Genehmigung der Veranstaltung durch das Ordnungsamt spannend war. Das Ordnungsamt hätte das erst genau prüfen müssen – „sowas hatten wir noch nicht“, sei eine Reaktion des Amtes gewesen, erinnert sich Hoffmann. „Das war eine Sache von Monaten“, sagt er.

Hinweis auf einen durchaus realen Kampf

Trotz der ganzen Waffen sei Sicherheit gegeben, versichert er. „Nichts findet ohne Aufsicht statt. Wir stellen Trainingsausrüstung und Schutzkleidung. Außerdem sind die Flächen doppelt abgesperrt“, sagt er.

Also mit Luft zwischen zwei Reihen von Zäunen, damit auch Zuschauer nicht zufällig einen Schwerthieb abkriegen können.

Guter Zweck

So kann man spenden

Die ganze Veranstaltung soll laut Veranstalter dem guten Zweck dienen. Mit den Übungs-Kämpfen an der Reinoldikirche wollen die Veranstalter auf den durchaus realen Kampf gegen Depressionen hinweisen und ihn unterstützen. Deshalb werden Spenden für die Stiftung Deutsche Depressionshilfe gesammelt.

„Eine gewisse Achtsamkeit lernen“

Hoffmann ist nicht nur Kampfsportlehrer, sondern auch beruflich Lehrer. Im Arbeitsalltag seien ihm schon häufiger Menschen mit Depressionen begegnet, sagt er. So entstand die Idee. Es sei dringend Aufklärung nötig. „Sport ist gut für die geistige Gesundheit – gerade Kampfsport“, sagt er. Die inneren Konflikte bei Depressionen seien wie ein Kampf.

„Man muss beim Kampfsport auf vieles achten und ein Gefühl für sich und den anderen bekommen. Man muss eine gewisse Achtsamkeit lernen“, meint der Kampflehrer.

Mindestspenden verlangen die Kämpfer nicht für die Schnupperkurse, doch der Trainer in historischen europäischen Kampfkünsten hofft, dass die Leute „sich nicht lumpen lassen.“ Im Kampf gegen Depressionen „gibt es genug zu tun. Es wird Zeit, dass es einer macht.“

Übrigens: Neben dem eigenen Schnupper-Unterricht kann man sich bei dem parallel stattfindenden Fechtmarathon davon überzeugen, wie das Ganze bei geübten Kämpfern aussehen kann. Es gibt also genug zu sehen.

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