In dem Päckchen befinden sich viele kleine Teile - von der Bedienungsanleitung über die beiden Lanzetten bis hin zum kleinen Desinfektionstuch. © Maximilian Konrad
Corona-Pandemie

Selbstversuch: So funktioniert der Coronavirus-Antikörper-Test von DM

Seit ein paar Tagen kann man in der DM-Drogerie einen Coronavirus-Antikörper-Test kaufen. Damit kann nachgewiesen werden, ob man an Covid-19 erkrankt war. Wir haben den Test ausprobiert.

Seit vielen Monaten begleitet uns das Coronavirus nun schon. Die Zahlen stiegen gerade in den vergangenen Wochen enorm – auch hier in Dortmund. Ich hatte zum Glück bisher keine Symptome, die zu einer Infektion passen könnten. Keinen Husten, kein Fieber, keine Geruchs- oder Geschmacksstörungen. Aber wer weiß, vielleicht war da doch mal was. Vielleicht habe ich das Virus ganz ohne Symptome in mir getragen.

Um herauszufinden, ob man mit dem Coronavirus infiziert war (oder ist), kann man einen Antikörper-Test machen. Der weist, anders als die bekannten PCR-Tests, nicht das Virus selbst nach, sondern die Reaktion des Immunsystems darauf. Und solch einen Test kann man aktuell bei der Drogerie-Kette DM kaufen.

Anlass genug für einen Selbsttest. Weil ich kein Infektiologe bin, habe ich zusätzlich Bernhard Schaaf um eine wissenschaftliche Einordnung gebeten. Er ist Infektiologe und Direktor des Lungenzentrums am Klinikum Dortmund. Seine Einordnungen sind im Text kursiv hervorgehoben.

Während ich DM bei Google eingebe, wird mir die Suche „DM Corona Test“ direkt vorgeschlagen. Dabei ist es ja streng genommen gar kein Corona-Test, sondern eben ein Test darauf, ob sich im Blut Antikörper gegen das Coronavirus gebildet haben.

Bestellprozess

Bestellen kann ich den Test nur online. In einer Filiale in meiner Nähe bekommt man das Produkt (noch) nicht. Der Bestellprozess ist schnell und unkompliziert. Ich kann als Gast bestellen und muss mir nicht vorher einen Account anlegen. Die üblichen Daten muss ich allerdings eingegeben: Name, Adresse und Co. Als Bezahloptionen gibt es einige – unter anderem Rechnung, PayPal, Kreditkarte.

Fotostrecke

Corona-Anitkörpertest von DM

Als ich bestellt habe, kostete der Test mit Versand 63,39 Euro. Der Preis hat sich inzwischen jedoch geändert. Mit Stand vom 11. Dezember zahlt man aktuell 53,64 Euro inklusive Versand via DHL. Drei Werktage dauert es, dann ist der Test bei mir.

In dem Paket sind überraschend viele Einzelteile. Mein erster Blick geht in die Gebrauchsanweisung. Vor dem eigentlichen Test muss ich mich noch bei Cerascreen, dem Hersteller, online registrieren oder die App herunterladen. Dort soll mir dann später anhand einer ID-Nummer ein Ergebnisbericht erstellt werden.

Vor dem Test

Dann geht´s los: Zuerst muss ich meine Hände unter warmes Wasser halten, damit meine Blutgefäße erweitert werden. Gründlich abtrocknen und anschließend den Arm, von dessen Finger ich das Blut für den Test abzapfen werde, zehn Mal mit Schwung kreisen, um die Blutzirkulation anzuregen.

Der Test

Danach soll ich die entsprechende Stelle am Finger desinfizieren und kurz warten, bis der Finger wieder trocken ist. Mit der Lanzette, einer kleinen Stechhilfe, pikse ich dann in meine Fingerkuppe, während meine Hand flach auf dem Tisch liegt. Ich warte kurz bis es „klack“ macht und drücke mit dem Daumen leicht von unten nach, damit das Blut besser fließen kann.

Die Anleitung gibt vor, dass ich den ersten Bluttropfen mit einem Tupfer abwischen soll. Anschließend soll ich mein Blut in ein kleines Röhrchen fließen lassen, während ich den angestochenen Finger massiere. Insgesamt sollen es 300 Mikroliter, also 0,3 Milliliter werden.

Bei mir läuft es jedoch nicht so richtig. Es tropft höchstens ein wenig, aber mehr nicht. Mit weniger als 300 Mikrolitern sei die Probe aber nicht auszuwerten, lerne ich. Also lasse ich noch mal meinen Arm kreisen, halte meine Hand wie empfohlen unterhalb des Herzens. Hilft aber nicht.

„Der Vorgang kann mehrere Minuten dauern“, heißt es in der Anleitung. Ich probiere es nochmal, Armkreisen, Kniebeuge – aber es tut sich (fast) nichts. Mist!

Was nun? In dem Päckchen befindet sich noch eine zweite Lanzette – also zweiter Versuch! Das gleiche Spielchen von vorn: Hände waschen, Finger desinfizieren und so weiter. Diesmal nehme ich natürlich einen anderen Finger. Aber leider bleibt das Resultat das Gleiche. Ich halte mich an alle Empfehlungen, aber es passiert nichts.

Dr. Schaaf: „Sicher kann es passieren, dass nicht die richtige Stelle des Fingers getroffen wird. Nicht ohne Grund lernen medizinische Fachkräfte, wo sie das Blut am besten entnehmen. Daher ist es absehbar, dass hier eine Fehlerquelle liegt.“

Weil bei mir leider nicht genug Blut geflossen ist, kann ich den Test am Ende gar nicht einschicken. Schade.

Das Fazit

Zudem entsteht grundsätzlich die Frage, was die Erkenntnis des Tests bringt. Selbst wenn jemand weiß, dass er infiziert war, ändert das nichts für die getestete Person oder für andere Menschen im jeweiligen Umfeld. Denn: Aktuell ist noch nicht sicher erforscht, ob nicht auch eine erneute Ansteckung möglich ist.

Dr. Schaaf: „Der Selbsttest ist sehr teuer und scheint nicht reibungslos zu funktionieren. Es ist zudem nicht sicher, ob das Blut den Transport übersteht. Wer im Nachhinein den Verdacht hat, mit dem Virus infiziert gewesen zu sein, empfehle ich eher einen Besuch beim Hausarzt. Der kann dann eine Blutprobe anordnen, um das zu überprüfen. Unter dem Strich würde ich den Selbsttest nicht machen.

Über den Autor
Volontär
Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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Maximilian Konrad

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