Selmina und Efe aus Mazedonien lernen Deutsch mit dem Erlkönig von Goethe

mlzFlüchtlingsprojekt in Eving

Erst vor kurzer Zeit sind Selmina und Efe nach Deutschland gekommen. Die neue Sprache fällt ihnen bisher noch schwer. Goethes Erlkönig hat jetzt Abhilfe geschaffen.

Eving

, 17.07.2019 / Lesedauer: 3 min

„Wer reitet so spät durch Nach unt Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind.“ Zum ersten Mal sehen sich Selmina und Efe selbst auf dem großen Bildschirm in der Hauptschule Am Externberg die Sätze aus Goethes Erlkönig sprechen. Es ist ihr erster eigener, selbstproduzierter Film. Und als ob der Erlkönig und ein eigener Film nicht schon besonders genug wären: Der Film ist auch noch auf Deutsch.

Efe ist erst seit zwei Jahren in Deutschland, Selmina seit einem. Die beiden 14-Jährigen sind aus Mazedonien nach Dortmund gekommen und gehen auf die Hauptschule Am Externberg in Eving. Und auch, wenn sie hier mit offenen Armen empfangen wurden: die Sprache bleibt ein Hindernis.

Das Filmprojekt war eine Herausforderung

„In der Schule kriegen wir zusätzlichen Deutschunterricht“, erzählt Efe. Als der Schulsozialarbeiter Holger Steinrücke sie aber für das Filmprojekt von der Organisation In Via und der Künstlerin Susanne Wilhelmina angeworben hatte, erkannten sie schnell: Das wird eine Herausforderung.

Aber so erging es nicht nur ihnen. Schon oft hat die Künstlerin Susanne Wilhelmina gemeinsam mit In Via Flüchtlingsprojekte organisiert. In erster Linie ging es dabei um die Sprach- und Persönlichkeitsförderung. Doch weil die Kinder so viel Spaß vor der Kamera hatten, ging es dieses Mal nicht wie sonst um ein einmaliges Theaterstück, sondern um einen Film.

Zu lang, zu kompliziert oder zu unverständlich

„Meinen Plan habe ich schnell über Bord geworfen“, erzählt Susanne Wilhelmina über die Dreharbeiten. Denn: Auf Deutsch einen ganzen Film zu drehen, ist für Selmina, Efe und die anderen 14 Flüchtlingskinder schwer. Sätze waren zu lang, zu kompliziert oder zu unverständlich. Kein Problem für die Künstlerin: „Wir haben das Drehbuch geändert, daran waren wir ja nicht gebunden.“

Herausgekommen ist der Film „Von Jandel bis Gretchen“, ein Zusammenschnitt verschiedener Szenen, die dem ausgewählten Publikum in der Schule aus berühmten Filmen oder Büchern bekannt waren. Für Selmina und Efe war die Hürde besonders groß: Sie spielten ihre Interpretation von Goethes Erlkönig.

Am Selbstbewusstsein gefeilt und die Persönlichkeit gestärkt

„Das war ganz schön schwierig, den Text zu sprechen“, sagt Selmina. „Aber Susanne hat uns viel geholfen.“ So haben die Jugendlichen nicht nur auf den Film hingearbeitet. Sie haben auch am Selbstbewusstsein gefeilt. „Für den Film war das wichtig“, sagt Susanne Wilhelmina.

Am Ende sind Selmina und Efe ein bisschen stolz. Besonders, weil sie das Deutschsprechen im Film ziemlich gut hinbekommen haben. „Das war toll, sich selbst da zu sehen“, finden sie. Nach der Premiere durften sich die Schauspieler von morgen einmal fühlen wie die Stars von heute: Susanne Wilhelmina überreichte allen Jugendlichen einen (fast) echten Oscar.

Filmvorstellung

Schüler können Film beim Schulfest sehen

Der Film wird auch auf dem Schulfest der Hauptschule Am Externberg nochmal gezeigt. Zudem soll er auf der Schulhomepage zum Download bereitgestellt werden.
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