Seltener Mercedes: Diesen Wagen gibt’s nur zwei Mal in Deutschland

mlzHistorische Fahrzeuge

Dieser Lieferwagen ist eine wahre Wucht: Wendig, kompakt und praktisch. Das mehr als 40 Jahre alte Fahrzeug gibt es nur noch zwei Mal in Deutschland. Eines steht in Dortmund.

Buchholz

, 27.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Mercedes-Benz LPK 913 ist eine Besonderheit. Der Frontlenker-Kipper, wie das Fahrzeug offiziell heißt, besticht durch seine enorme Zuladung. Die kann so groß sein, dass der Führer des Fahrzeuges einen Führerschein benötigt, mit dem Fahrzeuge über 7,5 Tonnen bewegt werden können.

Ein Fahrzeug, das prädestiniert für die Arbeit in einem Steinbruch ist. Bei dem Familienunternehmen Oberste, das einen Steinbruch betreibt, tut so ein Fahrzeug seinen Dienst. Und das seit 10 Jahren.

Wie selten der Mercedes aber wirklich ist, das wusste dort niemand. Auch nicht Thomas Oberste, der vor gut 10 Jahren ein Firmen-Fahrzeug gegen den LPK 913 eintauschte.

Thomas Oberste mit dem restaurierten Mercedes-Kipper

Thomas Oberste mit dem restaurierten Mercedes-Kipper © Dieter Menne

„Es war ein Geschäft mit einem Landschaftsbauer auf Sylt. Beim Aldi, auf dem Parkplatz“, sagt Thomas Oberste, der persönlich einen alten Lieferwagen der Firma Oberste auf die Nordseeinsel chauffierte, um mit dem Mercedes LPK 913 wieder nach Dortmund zu tuckern. „Es ist schon ein entspanntes Fahren“, sagt Oberste. Der Mercedes kann bis zu 80 km/h schnell fahren.

Entspanntes Fahren auf der Autobahn

„Auf der Autobahn habe ich meistens keinen vor mir. Nur hinter mit entsteht dann langsam eine ziemliche Schlange.“ Also geht es manchmal ein paar Minuten auf den Parkplatz, um alle vorbeizulassen. Dann geht die Fahrt weiter.

So sieht der LPK 913 von hinten aus.

So sieht der LPK 913 von hinten aus. © Dieter Menne

Über die Autobahn geht es öfter mit dem Fahrzeug, das seit knapp 10 Jahren ein H-Kennzeichen tragen darf. Das H steht für Historische Fahrzeuge, die älter als dreißig Jahre alt, also Oldtimer, sind. Der Mercedes-Kipper mit dem Baujahr 1979 hat dieses Alter erreicht und darf ein H-Kennzeichen tragen.

Jetzt lesen

Im November 2019 musste der Wagen zum TÜV. „Eigentlich war ich da guter Dinge“, sagt Thomas Oberste. Doch das dicke Ende kam noch. Bei der Prüfstelle sagten die Gutachter „Nein“.

Der Grund: Für ein H-Kennzeichen muss ein Fahrzeug in einem guten oder im Original-Zustand sein. Und genau das war bei dem betagten 913, der schon 480.000 Kilometer auf dem Buckel hatte, so nicht gesehen.

Der Mercedes vor der Sanierung. So kam er nicht über den TÜV.

Der Mercedes vor der Sanierung. So kam er nicht über den TÜV. © Thomas Oberste

„Wir dachten schon daran, das Fahrzeug zu verschrotten“, sagt Thomas Oberste, der aber zum Glück aller Mercedes-Fans mit der Recherche über die Geschichte des Fahrzeuges begann.

Bei einer Anfrage an das Kraftfahrzeugbundesamt kam Erstaunliches heraus: Von besagtem Mercedes LPK 913 gibt es nur noch zwei zugelassene Fahrzeuge in ganz Deutschland. Eins davon in Dortmund.

Gehörten zum Straßenbild im Ruhrgebiet

Damit war klar, dass der Mercedes saniert werden soll. „Das ist ein Stück Ruhrgebietsgeschichte“, sagt Thomas Oberste. Denn noch vor einigen Jahren gehörten die kleinen Kipper der Reihe 913 und 918 zum Straßenbild im Pott. „Jetzt sind sie irgendwie verschwunden“, sagt Oberste.

Jetzt lesen

Aber wie bekommt man einen alten Lkw wieder in Schuss, ohne ein Vermögen auszugeben? Hier spielte der Zufall eine große Rolle, denn im Steinbruch Oberste gibt es einen Mitarbeiter, der ein Händchen für Sanierungen aller Art hat. Eben auch für Fahrzeuge.

Vier Wochen dauerte die Sanierung

„Ich habe erst nicht daran geglaubt, dass das klappen würde“, sagt Thomas Oberste. Denn der Mercedes wurde in alle Einzelteile zerlegt, sandgestrahlt, lackiert und wieder zusammengebaut. Vier Wochen hat das Projekt „Rettet den 913“ gedauert. Dann war das „Gebrauchsfahrzeug“ wieder wie neu.

Als Belohnung gab es im Januar den TÜV-Stempel und das H-Kennzeichen. Und jetzt tut der Mercedes-Kipper wieder seinen Dienst – im Steinbruch. Als vorletzter seiner Art.

Lesen Sie jetzt