Sessel mit Baustellenblick

Berghofen "Über diese ganze Zeit hätten wir ein Buch schreiben können. Hätten wir es mal gemacht", sagt Elisabeth Büddeker und muss lachen.

08.07.2008, 16:36 Uhr / Lesedauer: 1 min

Mit "dieser ganzen Zeit" meint die 75-jährige Berghoferin den Bau des Tunnels an der B236.

Genau an ihrem Gartenzaun zog sich die riesige Baustelle seit dem Jahr 2003 entlang. Bei den Büddekers saß man in der ersten Reihe. Freier Blick auf die Tunnelbaustelle von der Ostbergstraße bis zum Falterweg. Elisabeth Büddeker bekam jeden Handschlag der Handwerker mit. Unzählige Stunden hat sie in ihrem Wintergarten im ersten Stock gesessen und das muntere Treiben auf der Baustelle beobachtet. "An den Lärm hat man sich mit der Zeit gewöhnt. Punkt sechs Uhr ging es morgens los", so die 75-Jährige.

Und alles wurde genauestens dokumentiert - auf zahlreichen Fotos. Das Interesse an der Baustelle teilt sie mit ihrer Freundin Ingeborg Claus, die gleich um die Ecke wohnt. Seit 39 Jahren ist die gelernte Fotografin am Falterweg zu Hause. Auch sie erinnert sich gerne an die Zeit zurück, als mitten durch Berghofen ein großes Loch ging. "Hier war immer etwas los. Die Leute trafen sich auf der Straße, schauten sich die Baustelle an und quatschten miteinander."

Natürlich habe es auch viel Dreck gegeben, aber daran "haben wir uns mit der Zeit gewöhnt. Nur das viele Schuheputzen war doch ein wenig lästig." Auch der Kontakt zu den Bauarbeitern sei sehr gut gewesen. Und immer wieder der Blick in den Schlund der Tunnelbaustelle. "Ich war jeden Tag mit dem Fotoapparat unterwegs", erzählt Ingeborg Claus. Sie hat dabei jeden Fortschritt auf der Groß-Baustelle im Sucher gehabt und für die Ewigkeit festgehalten.

Jetzt ist wieder Ruhe im Falterweg eingekehrt, der Tunnel ist fertig und wird am Montag für den Verkehr freigegeben. Elisabeth Büddeker und Ingeborg Claus nutzen nun die neu angelegten Wege für Spaziergänge. Was bleibt, sind die Erinnerungen an eine Großbaustelle, die beide, trotz aller Schwierigkeiten, doch ein wenig vermissen. jöb

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