Sierau hört 2020 auf - So begründet er die Entscheidung

mlzSPD-Familienfest

Nun ist offiziell, was schon bekannt war: OB Ullrich Sierau tritt 2020 nicht mehr bei der Kommunalwahl an. Bisher hat der SPD-Spitzenmann dazu geschwiegen. Nun erklärte er sich offiziell.

Dortmund

, 08.09.2019, 15:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

45 Minuten dauerte die Rede des Oberbürgermeisters am Sonntag beim SPD-Familienfest am Phoenix-See. Und 40 Minuten lang konnte man meinen: Da spricht einer, der es noch mal wissen will.

Breitbeinig stand Ullrich Sierau auf der Bühne. Mit heiserer Stimme ließ er seine bisher zehnjährige Amtszeit vor mehreren Hundert Zuhörern, darunter Ex-OB Dr. Gerd Langemeyer, Revue passieren.

Von Erfolgen war da die Rede. Von der Senkung der Arbeitslosigkeit. Dem Ausbau von Kitas und Schulen. Von den Fortschritten dabei, Dortmund zur sozialen Stadt zu machen. Von den positiven Auswirkungen der sozialdemokratischen Politik auf die örtliche Wirtschaft. Von den Erfolgen im Bereich der Jugendarbeit, und und und.

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Im Grunde, das kann man mit Recht so sagen, kam die Ansprache einer Wahlkampfrede gleich, zusammengefasst in der Botschaft: „Das kann nur die SPD“.

Als Sierau sich erklärte, fing es an zu regnen

Kurz nach der Hälfte seiner Rede schauten immer mehr Zuhörer besorgt zur dunklen Wolke am Himmel. Die Hintergrundgeräusche nahmen zu.

Dann, quasi auf den letzten Metern, ließ Ullrich Sierau jene Katze aus dem Sack, die eigentlich seit Wochen frei ist – und bestätigte erstmals offiziell, was in Dortmund längst die Runde gemacht hat: 2020 werde er sich bei der Kommunalwahl nicht erneut zur Wahl stellen.„Ich plane nicht, im nächsten Jahr wieder als Oberbürgermeister zu kandidieren.“

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Zu diesem Zeitpunkt hatte es bereits zu regnen begonnen, erste Tropfen fielen. Die Reihen auf den Sitzbänken vor der Bühne hatten sich gelichtet, da es hier keine Möglichkeit zum Unterstellen gab.

Sierau bleibt im Ungefähren

Warum diese Entscheidung? Hier bleibt der OB im Ungefähren: Er habe immer gesagt, so Sierau, Posten wie das Amt des Oberbürgermeisters seien Mandate auf Zeit. Er habe immer dafür geworben, dass Menschen nicht an ihren Sesseln kleben sollten. Irgendwann verlören sie „die Spannkraft, die es braucht, um diese Ämter vernünftig auszufüllen. Deshalb meine ich, man sollte es nicht überziehen.“

Der Stadt werde er weiter erhalten bleiben, versprach Sierau: „Ich arbeite weiter für Dortmund – vielleicht an anderer Stelle. Das wird sich dann finden.“

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Gleichzeitig betonte der OB, er sei ein glücklicher Mensch als jemand, der das Privileg habe, für Dortmund und seine Bürger zu arbeiten, ausgestattet mit dem Willen der Partei und der Bürger. Dortmunder OB zu sein, sei der „allerschönste Job der Welt, zurzeit sogar besser als Papst“. Sierau pathetisch: den „Vertrag mit dem Volk, mit dieser Stadt“ werde er bis zuletzt erfüllen. Bis zum 31. Oktober 2020 also, „bis zum letzten Schweißtropfen, bis zum letzten Blutstropfen.“

„Kein Zuckerschlecken“

Er sei, betonte Sierau, kein bisschen amtsmüde. Da brauche sich niemand Hoffnungen zu machen. „Diese Zeit wird für manche kein Zuckerschlecken“, sagte der Noch-OB, ließ aber offen, wer sich jetzt warm anziehen muss.

Er sei „nicht unersetzbar“, ließ Sierau wissen. Dortmund sei bei der SPD in guten Händen. Über seinen Nachfolger entscheidet zwar ein SPD-Parteitag, doch seinen Favoriten nannte Sierau schon: Thomas Westphal, Chef der Wirtschaftsförderung. Auch keine Überraschung. Westphal wurde schon länger als OB-Kandidat gehandelt.

Auch wenn er selbst nicht mehr antritt – Sierau hat an diesem Sonntag am Phoenix-See den Wahlkampf eröffnet. Jetzt sind die anderen Parteien am Zug, ihre OB-Kandidaten zu präsentieren.

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