Eigentümer des Karstadt-Hauses verhandeln mit Karstadt Kaufhof

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Will Galeria Karstadt Kaufhof tatsächlich den Kahlschlag in Dortmund? Wie es scheint, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Zudem bekommt der Konzern jetzt Gegenwind aus den Städten.

Dortmund

, 24.06.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie ernst sind die Ankündigungen des Konzerns gemeint, unter anderem die drei Dortmunder Warenhäuser Karstadt, Karstadt-Sports und Kaufhof zu schließen? Pokern die Konzernspitzen beziehungsweise der Insolvenzverwalter, um die Immobilien-Eigentümer zu drastischen Mietminderungen zu bewegen?

Oder sollen die Städte und Standorte unter Druck gesetzt werden, um dem Warenhaus-Konzern bessere Konditionen einzuräumen? Der „Runde Tisch“, zu dem Oberbürgermeister Ullrich Sierau mehrere Dortmunder Akteure ins Rathaus eingeladen hat, versucht darauf Antworten zu finden.

Nach aktuellem Stand der Dinge ist das Aus für die Häuser offenbar noch nicht in Stein gemeißelt: Nach Informationen der Stadtspitzen befindet sich der Konzern weiter in Mietverhandlungen mit dem Eigentümer des Karstadt-Haupthauses, einem Fonds.

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Auch die Eigentümer des Sporthauses seien zu weiteren Gesprächen bereit, sagt Sierau. Unklar ist die aktuelle Gemengelage beim Kaufhof-Gebäude, das gleich mehreren Eigentümern gehört.

Karstadt wollte Sonntagsöffnung

„Wir werden um alle drei Häuser kämpfen“, gab Sierau am Dienstag (23.6.) nach der Sitzung des Verwaltungsvorstandes die weitere Marschrichtung vor. Man sei dabei, „die Mauer des Schweigens zu durchbrechen“, sagte der OB in Anspielung auf das Verhalten von Seiten des Konzerns.

Nach wie vor haben die Stadtspitzen keine Gründe oder Erklärungen für die angekündigten Schließungen erhalten. Sierau: „Das ist unsäglich und befremdlich.“

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Erst recht, da es bereits 2019 das Angebot der Stadt gegeben habe, Karstadt bei der Entwicklung des Standortes behilflich zu sein. Was der damalige Karstadtchef Fanderl prompt mit einem umfangreichen Forderungskatalog beantwortet hatte.

Die Liste reichte von besseren Park & Ride-Angeboten über Konkurrenzausschluss auf der „Grünen Wiese“ bis zur Sonntagsöffnung. „Und genau die Städte, von denen man Hilfe wollte, werden in der jetzigen Situation nicht informiert“, schimpfte Sierau. Stattdessen werde eine Drohkulisse aufgebaut.

Die Lage könnte nicht viel besser sein: Galeria Kaufhof liegt direkt am Westenhellweg - trotzdem soll die Filiale geschlossen werden.

Die Lage könnte nicht viel besser sein: Galeria Kaufhof liegt direkt am Westenhellweg - trotzdem soll die Filiale geschlossen werden. © Oliver Schaper

Seine klare Botschaft an die Karstadt-Zentrale in Essen und an Karstadt-Eigentümer Benko: Über Hilfe könne man reden. „Aber erpressbar sind wir hier nicht“, so Sierau. „Da hat man sich schwer verschätzt.“ Die Lage der Häuser an einer der stärksten Einkaufsstraßen Deutschlands, ein ergiebiger Einzugsbereich, Kennziffern beim Umsatz: Wenn all diese Faktoren keine Rolle spielen – welche dann? Das fragen sich die Stadtspitzen.

Mitarbeiter gehen auf die Straße

„Man könnte spekulieren“, formulierte Sierau vieldeutig, „dass hier eine versteckte Agenda favorisiert wird.“ Damit sprach der OB an, was viele hinter vorgehaltener Hand vermuten: dass es in Wahrheit um schnöden Immobilienhandel gehe.

Ähnliche Ansagen sollen am Mittwoch (24.6.) vom Deutschen Städtetag kommen. Unterstützung erhoffen sich die Stadtspitzen auch vom Land NRW. Weshalb kurzfristig Kontakt mit den drei NRW-Ministerin Pinkwart (Wirtschaft), Laumann (Arbeit) und Scharrenbach (Kommunales) aufgenommen werden soll.

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Auch mit dem österreichischen Karstadt-Eigner und Immobilienmogul Rene Benko (Signa-Gruppe) will man ins Gespräch kommen. Welche Schritte im Einzelnen konkret unternommen werden, hänge von der Kommunikation mit Galeria Karstadt Kaufhof ab, sagte Sierau.

Während sich die Stadtspitzen um Gespräche bemühen, sammeln die Beschäftigten der drei Häuser (knapp 450) seit Montag (22.6.) Unterschriften. Am Mittwoch (24.6.) werden Kunden und Passanten vor den Warenhäusern direkt angesprochen, Donnerstag (25.6.) gibt es einen „Infostand“ am Platz von Netanya (vis a vis des Karstadthauses). Am Freitag (26.6.) plant Verdi einen Marsch durch die City. Mit zahlreichen Betriebsräten mehrerer Karstadt/Kaufhof-Häuser, die sich in Dortmund treffen.

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