Oberbürgermeister Ullrich Sierau tritt 2020 nicht mehr zur Wahl an

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Das Rätselraten hat ein Ende: Oberbürgermeister (OB) Ullrich Sierau (63) wird bei der Kommunalwahl 2020 nicht mehr antreten. Ein möglicher Nachfolger bereitet sich bereits vor.

Dortmund

, 29.08.2019, 17:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

SPD-Oberbürgermeister Ullrich Sierau läutet das Ende seiner Ära ein: Wie in SPD-Kreise durchgesickert ist, hat Sierau am Freitag (23. August) bei einem Treffen mit dem Parteivorstand angekündigt, bei der Kommunalwahl im Herbst 2020 für eine Kandidatur nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Nachdem nun der engste Führungszirkel der SPD im Bilde ist, will Sierau seine Entscheidung beim SPD-Familienfest am Sonntag, 8. September, öffentlich auf großer Bühne am Phoenix-See bekannt geben. Er selbst wollte sich aktuell auf Anfrage dazu nicht äußern.

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Ungewohnt wortkarg gab sich auch die Dortmunder SPD-Chefin Nadja Lüders, die Sieraus Entscheidung „weder bestätigen noch dementieren“ mochte. Der OB habe den Parteivorstand über seine Entscheidung informiert, sagte Lüders. Man habe aber Stillschweigen vereinbart. „Daran halte ich mich.“ Der OB habe angekündigt, er werde sich beim SPD-Familienfest erklären. „Das ist zu respektieren“, so Lüders. Nicht weniger zurückhaltend zeigt sich SPD-Fraktionschef Norbert Schilff. „Ich werde das in keiner Weise kommentieren.“

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Sieraus Rückzug war 2018 schon Thema in Düsseldorf

Tatsächlich herrschte in SPD-Kreisen bis zuletzt Rätselraten, ob Sierau ein viertes Mal antreten werde. Darauf angesprochen, hatte Sierau vor den Sommerferien am Rande einer Veranstaltung im Rathaus zu Protokoll gegeben, er habe seine Entscheidung „bereits vor langer Zeit getroffen“.

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Dazu passt, dass Sieraus Verzicht auf einer erneute Kandidatur vor gut einem Jahr schon Thema im politischen Düsseldorf war. Im Frühsommer 2018 hatte der damals amtierende SPD-Landeschef Michael Groschek nach einem Gespräch mit Sierau die Landtagsfraktion über die Ansage des Dortmunder OBs in Kenntnis gesetzt. Auf Nachfrage von Medien sprach Sierau von „einem möglichen Kommunikationsfehler“. Es sei nicht die Zeit – zwei Jahre vor den Wahlen – eine OB-Kandidatur zu diskutieren. Das könne „frühestens im September 2019“ geschehen.

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Sierau hatte die Befürchtung, im Falle einer allzu frühen Verzichtserklärung innerhalb der Verwaltung und im politischen Raum an Einfluss und Gestaltungsmöglichkeiten zu verlieren und gemäß dem Werdegang vieler US-Präsidenten mehr und mehr als „lame duck“ zu gelten, die nur noch wenig bewegen könne. Dabei ist Dortmunds OB alles andere als eine politisch „lahme Ente“.

Das glatte Gegenteil ist der Fall: Sowohl in der SPD als auch in der CDU wird wahrgenommen, dass der OB einen ungebrochen hohen Arbeitseifer an den Tag legt – und sich dabei auch strategische und personelle Weichenstellungen für die Zeit nach 2020 nicht aus der Hand nehmen lässt. Das hatte viele Genossen bis zuletzt am Verzicht auf seine erneute Kandidatur zweifeln lassen.

Potenzieller Nachfolger läuft sich bereits warm

Welche Pläne Sierau für die Zeit nach seinem Rückzug hegt, bleibt unklar. Sein potenzieller Nachfolger als SPD-OB-Kandidat, Wirtschaftsförderer Thomas Westphal, bereitet sich intensiv auf den Wahlkampf vor.

Sollte Westphal im Herbst 2020 tatsächlich ins Amt gewählt werden, würde er einen OB beerben, der sich in insgesamt drei Wahlen durchgesetzt hat. Dabei lief Sieraus erste Amtszeit lediglich von Oktober 2009 bis Januar 2010. Sie wurde durch die damalige „Haushaltsaffäre“ gesprengt, bei der Sierau vorgeworfen wurde, im Vorfeld der Wahl „erhebliche Finanzierungslücken“ im Stadthaushalt verschwiegen zu haben.

Sierau bestritt, die Zahlen gekannt zu haben und stellte sich einer Wiederholungswahl, die er im Mai 2010 gewann. Nach einer um zwei Jahre verkürzten Amtszeit ging er 2014 ein drittes Mal als OB-Kandidat ins Rennen und setzte sich per Stichwahl gegen CDU-Bewerberin Annette Littmann durch.

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