Signal-Iduna-Chef Ulrich Leitermann befindet sich auch in der Corona-Pandemie mit der Versicherungsgruppe weiter auf Wachstumskurs. 2020 wurde erstmals Beitragseinnahmen von über 6 Milliarden Euro erzielt. © (A) Stephan Schütze
Jahresbilanz

Signal-Iduna-Chef: „So etwas kann man sich nur einmal erlauben“

Im Corona-Jahr 2020 waren es vor allem zwei Versicherungen, die sich beim weiter wachsenden Signal-Iduna-Konzern auffällig entwickelten. Eine davon brachte ein dickes Minus.

Unter das herausfordernde Corona-Jahr 2020 hat die Dortmunder Versicherungsgruppe Signal Iduna jetzt einen Strich gemacht und bei einer digitalen Pressekonferenz die Jahresbilanz vorgestellt.

Den Wachstumskurs des Unternehmens hat die Corona-Pandemie trotz unterschiedlicher Entwicklungen in einzelnen Versicherungsbereichen nicht gebremst. Erstmal stiegen die Beitragseinnahmen über 6 Milliarden Euro (plus 3,2 Prozent gegenüber 2019).

Die Hälfte der Einnahmen machten die Krankenversicherungsbeiträge aus. Mit 3,1 Milliarden Euro an gebuchten Bruttobeiträgen (Vorjahr: 2,9 Milliarden Euro) macht diese Sparte den größten Geschäftsanteil bei Signal Iduna aus.

Signal Iduna spürt den Rückgang der Arztbesuche

Wegen Corona, so möchte man meinen, standen den Einnahmen bestimmt auch höhere Ausgaben gegenüber. Das war aber nicht der Fall. „Bei den Leistungsausgaben war eine gegenläufige Entwicklung festzustellen. Denn erhöhten Behandlungskosten bei Corona-Intensivpatienten standen reduzierte Leistungszahlungen, zum Beispiel aufgrund geringerer Arztbesuche und verschobener Operationen, gegenüber“, sagte Ulrich Leitermann, Vorsitzender der Vorstände der Signal-Iduna-Gruppe.

Wie er erklärte, kommen von dem deutlich auf 678 Millionen Euro (Vorjahr 451,2 Millionen Euro) gestiegenen Überschuss 616,2 Millionen Euro direkt den Versicherungsnehmern zugute. Und zwar in der Form, dass die „Corona-Ersparnis“ in die Rückstellung fließt. „Und damit werden mildere Beitragsanpassungen in der Zukunft ermöglicht“, so Ulrich Leitermann.

Die Signal-Iduna-Krankenversicherung hat 2020 nach dem Zugewinn in den vergangenen Jahren die Zahl der Vollversicherten nahezu konstant halten können. 24.627 Vollversicherte sind im vergangenen Jahr neu eingetreten. Am Jahresende waren es 620.824 Personen.

Signal Iduna mit Kulanz bei Betriebsschließungsversicherungen

Das sind nur 2161 Personen weniger als zu Jahresbeginn (-0,3 Prozent). Der häufigste Grund für Bestandsabgänge war entsprechend der hohen Anzahl älterer Menschen der Tod eines Versicherten. In der Krankenzusatzversicherung kamen 47.196 Personen neu hinzu. Der Gesamtbestand sank hier jedoch leicht um 0,6 Prozent auf 1.849.358 Versicherte.

Keine Ersparnis, sondern jede Menge Schadensfälle aufgrund der Corona-Pandemie gab es für Signal Iduna in der Betriebsschließungsversicherung. Hier wurden für 2407 Schäden etwa 50 Millionen Euro aufgewendet – bei einer jährlichen Beitragseinnahme von rund 500.000 Euro.

Eigentlich sind behördliche Einzelverfügungen (etwa bei festgestellten Noroviren in einem Hotel) versichert, nicht aber staatlich angeordnete Zwangsschließungen im Rahmen eines Lockdowns.

Dennoch wurde aber zum Beispiel einer Bäckerei, die ihr angeschlossenes kleines Café wegen Corona schließen musste, der Umsatzausfall teilweise erstattet. Jeder Einzelfall wurde gesondert betrachtet. Die volle Schadenssumme ist kaum ausgezahlt worden, da ja staatliche Leistungen und Hilfen gegenzurechnen waren.

Signal Iduna verzeichnet zu Jahresbeginn Rekordeinnahmen

Trotzdem wurde die Sicherung vieler betrieblicher Existenzen, die sich Signal Iduna auf die Fahne schreibt, richtig teuer. In Nicht-Corona-Jahren lagen die Aufwendungen für Versicherungsfälle in der Betriebsschließungsversicherung bei 300.000 Euro – jetzt also bei 50 Millionen Euro. „So eine Schadensquote kann man sich nur einmal erlauben“, sagte Signal-Iduna-Chef Ulrich Leitermann.

Sein Ausblick auf 2021 ist durchaus optimistisch. Bereits das erste Quartal dieses Jahres war das stärkste in der Geschichte der Unternehmensgruppe. Die Beitragseinnahme stieg deutlich um 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.

„Es bleiben aber noch“, so Leitermann, „große Herausforderungen wie Personalknappheit in der Gastronomie, Materialknappheit bei vollen Auftragsbüchern im Handwerk und steigende Preise bei einer Stagnation des Wachstums.“

Signal-Iduna-Gruppe

200 Millionen Euro für Digitalisierung

  • Die Signal-Iduna-Gruppe hat im Rahmen ihres Transformationsprogramms Vision 2023, das im Jahr 2018 startete, über 200 Millionen Euro vor allem in Digitalisierung investiert. Deutlich schnellere Produktentwicklungen, neue Lösungen für Kundinnen und Kunden sowie digitale Services sind nach Angaben des Unternehmens das Ergebnis.
  • Am Dortmunder Hauptsitz in der Nähe des Westfalenparks, der bis 2025 klimaneutral gestaltet sein soll, sind rund 2000 Mitarbeiter beschäftigt. 82 Prozent arbeiten zurzeit noch im Homeoffice. Die Zahl der Beschäftigten der Signal-Iduna-Gruppe insgesamt (einschließlich selbstständiger Außendienstpartner und Auszubildender) stieg leicht auf 10.464 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (+2,0 Prozent).
  • Als Versicherer von E-Scootern, die in vielen deutschen Städten im Einsatz sind, ist Signal Iduna so etwas wie Deutscher Meister. Man versichert mit rund 100.000 E-Scooter unterschiedlicher Anbieter den wohl größten Bestand an E-Scootern in Deutschland. Die Besonderheit liegt laut dem Unternehmen darin, dass anders als sonst üblich keine Jahrespolice pro E-Scooter abgerechnet wird. Die Beiträge errechnen sich vielmehr aus den gefahrenen Minuten.
Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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