Während die Menschen wegen des Lockdowns auf den Friseurbesuch verzichten müssen, dürfen sich Vierbeiner weiterhin stylen lassen. © Michael Schuh
Tiere in Dortmund

Skurrile Corona-Regel: Der Hund darf zum Friseur – sein Herrchen nicht

Hundefriseure in Nordrhein-Westfalen dürfen auch weiterhin Kunden empfangen. Bei der Arbeit gelten für die Dortmunder Hundefriseurin Heike Stratmann aber besondere Regeln.

Normalerweise hat Michael Gulatz seinem Hund Lucky einiges voraus: Er kann den Kühlschrank alleine öffnen, nach Lust und Laune spazieren gehen oder es sich auf dem Sofa bequem machen, wann er will.

Doch momentan darf der achtjährige Shih-Tzu-Dackel-Mischling etwas, was seinem Herrchen strengstens verboten ist: sich vom Friseur mal so richtig stylen lassen.

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Besuch beim Dortmunder Hundefriseur

Denn während der Besuch beim Figaro aufgrund des Corona-Lockdowns für Menschen derzeit ausfallen muss, dürfen sich Hundefriseure in Nordrhein-Westfalen – im Gegensatz zu anderen Bundesländern – auch weiterhin um ihre vierbeinige Kundschaft kümmern.

Es herrschen andere Regeln

Und davon macht Lucky heute Gebrauch – wenngleich der Besuch im Brackeler Salon „Heike’s Hundepflege“ für den wuscheligen Stammkunden diesmal etwas anders aussieht als sonst.

Sein Herrchen darf den Salon nämlich nicht betreten und muss bei der Übergabe des Tieres an Hundefriseurin Heike Stratmann 1,50 Meter Abstand halten. So will es das Verwaltungsgericht Münster, das den Besuch beim Hunde-Hairstylisten unter dieser Voraussetzung erlaubte.

Lucky ist Stammkunde

Bis auf diese Neuerung kennt Lucky das Procedere aber aus dem Effeff – schließlich sorgt Heike Stratmann alle acht Wochen mit Fön und Schere dafür, dass der Rüde gepflegt aussieht. Wobei ein smartes Äußeres keineswegs der einzige Grund für den Besuch sei, erläutert die 53-Jährige: „Es gibt Hunde, bei denen das Fell ständig wächst und nach kurzer Zeit verfilzt.“

Erst nachdem Lucky auf dem Frisiertisch angeleint worden ist, beginnt Heike Stratmann mit dem Frisieren. Denn tierische Kunden halten nicht immer still.
Erst nachdem Lucky auf dem Frisiertisch angeleint worden ist, beginnt Heike Stratmann mit dem Frisieren. Denn tierische Kunden halten nicht immer still. © Michael Schuh © Michael Schuh

Wenn diese Vierbeiner nicht in den Genuss einer regelmäßigen Pflege kämen – wozu gerade ältere Besitzer keineswegs immer in der Lage seien – könne das schwerwiegende Folgen haben: „Manche Tiere bekommen Hautekzeme oder können nicht mehr laufen, weil das Fell am Bauch so verfilzt ist.“

Die ungeliebte Dusche

Bevor jedoch Fellschneidemaschine, Schere und Bürste zum Einsatz kommen, wird Lucky zunächst zweimal mit medizinischem Shampoo gewaschen. Sein leises Winseln lässt darauf schließen, dass er die Dusche nicht allzu sehr schätzt. Aber auch beim Hund gilt: Wer schön sein will, muss leiden.

Während sie Lucky das Fell wäscht, erzählt Stratmann, wie verwirrend die Situation für ihren Berufsstand anfangs war. „Beim ersten Lockdown herrschte völlige Unklarheit. Viele Hundefriseure haben beim Ordnungsamt oder der Industrie- und Handelskammer angerufen – und letztlich selbst entschieden, ob sie weitermachen.“

Für Klarheit sorgte letztlich der Eilantrag einer Hundefriseurin aus Emsdetten, dem das Verwaltungsgericht Münster am 11. Januar 2021 stattgab. Doch wie in anderen Bereichen, so kochen auch hier viele Bundesländer ihr eigenes Süppchen. „Anderswo müssen die Hundesalons geschlossen bleiben“, sagt Stratmann, „die dortigen Kollegen tun mir leid.“

Auf dem Tisch geht‘s weiter

Lucky hat das Waschen hinter sich gebracht und wird auf den nahen Frisiertisch gesetzt, wo die 53-Jährige ihn mit einem Handtuch trocken rubbelt. Sein wedelnder Schwanz lässt erahnen, dass ihm diese Prozedur deutlich mehr liegt als die vorangegangene Dusche.

An den Pfoten werden die Haare der Hunde ebenfalls gestutzt. Und bei Bedarf schneidet Heike Stratmann auch die Nägel.
An den Pfoten werden die Haare der Hunde ebenfalls gestutzt. Und bei Bedarf schneidet Heike Stratmann auch die Nägel. © Michael Schuh © Michael Schuh

Überhaupt erweist sich der Shih-Tzu-Dackel-Mix als pflegeleichter Kunde – von einem weniger freundlichen Klienten wurde die Hundefriseurin auch schon mal gebissen.

Zudem lässt sich Lucky aufgrund seiner überschaubaren Größe leicht in die Wanne oder auf den Tisch setzen. Kein Vergleich zu dem 60 Kilo schweren Landseer, der Heike Stratmanns Dienstleistung vor geraumer Zeit ebenfalls in Anspruch nahm.

Eine Haube als Ohrenschutz

Der Fön indes ist nicht Luckys Freund, obwohl der Rüde zum Schutz der Ohren eine spezielle Haube aufgesetzt bekommen hat. Mit klagenden Lauten macht er deutlich, was er von dem warmen Luftzug hält.

Der Besuch bei der Hundefriseurin kommt einer Ganzkörper-Behandlung gleich. Geschnitten wird das Fell auch an der Rute und im Intimbereich.
Der Besuch bei der Hundefriseurin kommt einer Ganzkörper-Behandlung gleich. Geschnitten wird das Fell auch an der Rute und im Intimbereich. © Michael Schuh © Michael Schuh

Dass ihre Zunft in anderen Teilen der Republik zum Nichtstun verdammt ist, kann Heike Stratmann nicht recht nachvollziehen; schließlich sei es kein Problem, den nötigen Abstand zu den Besitzern einzuhalten. Und auf deren Sonderwünsche gehe sie ohnehin nicht ein, erläutert sie lachend: „Es hat tatsächlich schon jemand nachgefragt, ob ich ihm nicht auch die Haare schneiden könne.“

Finanzieller Genickbruch

Doch mit Blick auf ihre Kollegen, zum Beispiel in Bayern, wird sie umgehend wieder ernster. „Wenn man wie sie längere Zeit schließen muss, bricht einem das finanziell schnell das Genick.“ Öffnen dürfe dort nur, wer auch Hundefutter verkaufe: „Und dann wirklich nur für den Verkauf. Das Frisieren der Hunde ist trotzdem verboten.“

Fast wie beim Menschen: Mit der Schere wird Luckys Pony in Form gebracht.
Fast wie beim Menschen: Mit der Schere wird Luckys Pony in Form gebracht. © Michael Schuh © Michael Schuh

Mit einer Maschine wird Lucky nun zunächst von seinem überschüssigen Fell befreit, ehe die Friseurin zur Schere greift und damit die Feinarbeiten im Gesicht, an den Pfoten oder auch im Intimbereich erledigt.

Hört sich nicht sonderlich verlockend an, scheint den Vierbeiner aber kaum zu stören. Lucky hält still.

Nun muss nur noch der Pony geschnitten werden, und der Hund sieht wieder picobello aus. Anderthalb Stunden sind seit seiner Ankunft vergangen; anderthalb Stunden, in denen Heike Stratmann konzentriert arbeiten musste. Und trotzdem hat sie ihre Berufswahl nicht bereut: „Ich bin froh, einen Hundesalon und kein Café eröffnet zu haben.“ Dann nämlich würde sie in eine ungewisse Zukunft blicken.

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